Bundesaußenminister Johann Wadephul flüchtet sich in wolkige Diplomatenfloskeln, als er nach der jüngsten Volte von US-Präsident Donald Trump gefragt wird. Trump hatte am Donnerstagabend überraschend die Entsendung von 5000 zusätzlichen Soldaten nach Polen angekündigt. Zwei Tage zuvor hatte sein sogenanntes Kriegsministerium noch mitgeteilt, dass die USA ihre Truppenpräsenz in Europa reduzieren würden. »Was wir jetzt hören, das irritiert uns überhaupt nicht«, gab Wadephul beim Treffen der Nato-Außenminister im südschwedischen Helsingborg zu Protokoll.
So ganz dürfte das nicht stimmen, hatte doch zuvor seine schwedische Kollegin Maria Malmer Stenergard die widersprüchlichen Signale aus Washington deutlich anders eingeordnet: »Es ist in der Tat verwirrend und nicht immer einfach zu durchschauen«, sagte die Gastgeberin.
Immerhin, Trump hat genau das Gegenteil von dem getan, was die Europäer befürchten mussten. Gewissermaßen gab er seinem Chefdiplomaten und nationalen Sicherheitsberater Marco Rubio ein Geschenk mit auf den Weg zu dem Treffen mit den Europäern in Schweden.
In der Allianz wurde Trumps überraschende Entscheidung allenthalben begrüßt, von Wadephul, von Nato-Generalsekretär Mark Rutte und vor allem vom polnischen Außenminister Radosław Sikorski. Dessen Land fühlte sich zu Unrecht gemaßregelt, als das US-Militär jüngst die geplante Verlegung von 4000 Soldaten nach Polen abrupt stoppte und zur Begründung mitteilte, die USA würden ihre Präsenz in Europa von bislang vier auf künftig drei Kampfbrigaden reduzieren.
Trumps Zorn hatte sich gegen Bundeskanzler Friedrich Merz gerichtet, nicht gegen Polen, das sich allezeit als vorbildlicher Bündnispartner präsentiert. 5000 US-Soldaten würden aus Deutschland abgezogen, hieß es aus dem Pentagon, etwa die Stärke einer Brigade. Merz hatte vor Schülern in Marsberg die Kriegsführung der USA gegen Iran kritisiert und sich zu der Bewertung hinreißen lassen, da werde »eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung«.
