Das US‑Nationalarchiv hat getan, wozu Bundesbehörden sich bis heute nicht durchringen konnten: Es hat die Mitgliederkartei der NSDAP ins Netz gestellt. Millionen Dokumente, für jede und jeden frei zugänglich.
Der SPIEGEL hat, wie andere Organisationen und Redaktionen auch, daraus ein digitales Recherchetool gebaut. Dafür wurden die Dateien zu den rund zwölf Millionen Karteikarten aus dem US‑Nationalarchiv heruntergeladen, mit künstlicher Intelligenz ausgelesen und in eine Datenbank überführt. Seit der Veröffentlichung wurden rund 2,3 Millionen Suchanfragen von eingeloggten Abonnenten gestellt.
Damit ist in Sekunden recherchierbar, was zuvor nur mit großer Mühe zugänglich war. Zu jedem Treffer liefern wir Hintergründe und historischen Kontext in automatisch erstellten Dossiers, die mit Freunden und Bekannten geteilt werden können.
Eigentlich wäre das die Aufgabe des Bundesarchivs.
Stattdessen müssen Bürgerinnen und Bürger dort noch immer Anträge stellen und warten – oder gleich in Washington suchen. Im Interview mit dem SPIEGEL verweist Bundesarchivpräsident Michael Hollmann zu Recht darauf, dass sein Haus durchaus Nazi‑Akten digitalisiere und dann online stelle. Darunter seien Unterlagen aus der Reichskanzlei, den NS-Ministerien und der Gestapo.
Das sind wichtige Behördenbestände. Doch ausgerechnet die großen personenbezogenen Karteien bleiben hinter Antragsverfahren verborgen. Neben den NSDAP‑Akten hält das Bundesarchiv auch weitere umfangreiche personenbezogene Unterlagen unter Verschluss, etwa zu SS‑ und SA‑Angehörigen.
So bestimmt die Behörde weiterhin allein, was online sichtbar ist und was trotz großen öffentlichen Interesses verschlossen bleibt.

