Sie hatten bereits auf dem Deutschen Ärztetag eine Rede gehalten. Dann bestiegen die Medizinstudentinnen erneut die Bühne. Vor dem versammelten Plenum berichteten die Abgesandten der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd ) am vergangenen Wochenende von sexuell motivierten Übergriffen, die die fünf Studentinnen während des Ärztetags erlebt hatten.
Eine von ihnen ist Cecilia Correa. Wir haben mit ihr gesprochen.
SPIEGEL: Sie und drei Ihrer Mitstudentinnen haben auf dem Deutschen Ärztetag vor dem Plenum angesprochen, wie herabwürdigend Sie den Umgang einiger Teilnehmer mit Ihnen empfunden haben. Wie ist es dazu gekommen?
Correa: Es hat sich über die Woche angesammelt, die Übergriffe und Situationen, in denen wir uns als junge Frauen unwohl gefühlt haben. Bei einer Abendveranstaltung am Donnerstag gab es besonders viele unangenehme Situationen, am Freitag haben wir uns dann darüber ausgetauscht. Wir wollten das nicht schon wieder hinnehmen, es hat uns einfach gereicht. Auch weil es im vergangenen Jahr schon ähnliche Situationen gab. Wir hatten das Gefühl, etwas sagen zu müssen. Deshalb haben wir beim Präsidium der Bundesärztekammer nachgefragt, ob wir ein zweites Mal reden dürfen.
SPIEGEL: Sie hatten dann etwa 20 Minuten Zeit, um gemeinsam eine Rede zu schreiben, die Sie und eine weitere Studentin vor dem Plenum auf dem Deutschen Ärztetag gehalten haben.
Correa: Wir wollten aufzeigen, was vorher konkret passiert ist: Kommentare über unser hübsches Auftreten als junge Frauen auf einer Fachtagung, unseren Körper, unser Aussehen. Unnötig viele Berührungen, Hände auf dem Rücken, auf dem Gesäß. Ankündigungen wie »Ich muss dich jetzt einfach mal drücken« nach fünf Minuten Gespräch über die Uni. Einladungen, mal privat zu Besuch zu kommen, um sich besser kennenzulernen, Einladungen aufs Hotelzimmer – all das ist unangebracht. Es gibt eine Stelle in der Rede, die zu Recht kritisiert wird und die ich gern richtigstellen würde: dass solch ein Verhalten auf einer Veranstaltung mit Akademikern im Gesundheitswesen inakzeptabel ist. Solch ein Verhalten ist überall inakzeptabel – und passiert trotzdem. Überall.
