SpOn 21.05.2026
06:21 Uhr

(+) Kuba: Geht Donald Trump nun auch noch Raúl Castro an den Kragen?


Die US-Justiz klagt Kubas Ex-Präsident Raúl Castro wegen Mordes an. Damit erhöht die Trump-Regierung den Druck auf das Regime in Havanna. Folgt bald eine Militäroperation wie in Venezuela?

(+) Kuba: Geht Donald Trump nun auch noch Raúl Castro an den Kragen?

Der Ort hatte Symbolkraft, das Datum auch.

Todd Blanche, der amtierende US-Justizminister, verkündete die Anklage gegen den früheren kubanischen Präsidenten Raúl Castro im Freedom Tower in Miami. Das Gebäude, das heute unter Denkmalschutz steht, diente in den Sechziger- und frühen Siebzigerjahren als Zentrum für Flüchtlinge aus Kuba. Es war die erste Anlaufstelle für Tausende Kubaner, die vor dem linksautoritären Regime in ihrer Heimat flohen.

Die Anklage war schon Ende April erhoben worden. Doch Blanche machte sie erst am gestrigen Mittwoch öffentlich, dem 20. Mai. Es ist ein besonderes Datum in der Geschichte des Karibikstaats: Im Jahr 1902 beendeten die USA an jenem Tag ihre Okkupation der Insel.

Raúl Castro im Januar 2024: »Ob aus freien Stücken oder auf andere Art«

Raúl Castro im Januar 2024: »Ob aus freien Stücken oder auf andere Art«

Foto: AFP

Geht es nach der Regierung in Washington, soll die Anklage gegen Castro dazu beitragen, ein neues Kapitel in der kubanischen Geschichte aufzuschlagen. Die amerikanische Justiz macht den 94-Jährigen für die Tötung von vier US-Bürgern Mitte der Neunzigerjahre verantwortlich. Sie wirft ihm unter anderem Mord vor.

Als Blanche in Miami die Vorwürfe verkündete, wurde er mehrfach durch Beifall unterbrochen. Der Pressekonferenz des amtierenden Justizministers wohnten Hunderte Menschen bei. Unter ihnen waren zahlreiche Granden der exilkubanischen Gemeinde in Südflorida, die seit Langem auf einen Sturz des Castro-Regimes hinarbeiten. Ein höchst ungewöhnlicher Rahmen, der eines deutlich macht: Die Causa Castro ist allenfalls in zweiter Linie eine Strafsache. Vor allem ist sie der nächste Akt in einem politischen Drama.

  • Floridas Exilkubaner bereiten die Feiern für den Sturz der Castros vor. Doch viele fürchten: US-Präsident Trump will womöglich keinen Wandel – sondern nur Geschäfte mit einem Regime, das er kontrollieren kann. Mehr hier in der Reportage aus Miami .

Die Regierung von Donald Trump treibt seit Monaten eine Kampagne gegen die kommunistische Führung in Kuba voran. Ende Januar erklärte der US-Präsident das Regime per Dekret zu einer »außergewöhnlichen Bedrohung« für die nationale Sicherheit. Ländern, die Öl an den Inselstaat liefern, hat er Strafzölle angedroht.

Noch immer der Strippenzieher

Kuba steckte schon zuvor in einer tiefen Krise (mehr dazu hier ). Trumps Druckpolitik hat die größte Insel der Karibik aber endgültig an den Rand des Zusammenbruchs gedrängt. Weil Sprit knapp ist, fehlt es den Menschen an fast allem. Müll türmt sich in den Straßen. Touristen bleiben weg. In vielen Gegenden fällt der Strom fast den ganzen Tag aus. Kuba habe »überhaupt keinen Treibstoff, überhaupt keinen Diesel« mehr, teilte der Energieminister des Landes vor wenigen Tagen mit.

Die Anklage gegen Castro ist die nächste Stufe der Eskalation. Sie ist zunächst ein Angriff auf ein Symbol. Raúl Castro, ein Guerillakämpfer der ersten Stunde, ist der jüngere Bruder des 2016 verstorbenen kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro. Fast fünf Jahrzehnte lang war er Verteidigungsminister, später löste er seinen Bruder an der Staatsspitze ab. Vor fünf Jahren trat er als Präsident ab. Doch er gilt noch immer als zentrale Figur im Machtgefüge des Landes.

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