SPIEGEL: Herr Schmid, Sie waren viele Jahre lang Leiter des Karl-May-Verlags. Jetzt haben Sie angekündigt, sich »nach und nach zurückziehen« zu wollen. Warum?
Schmid: Ich möchte nach bald 35 Jahren ein wenig zur Ruhe kommen. Wie genau dieser Abschied über die Bühne geht, weiß ich aber noch nicht. Ich hoffe, einen Nachfolger zu finden, dem ich mein Wissen und meine Erfahrung weitergeben kann. Und es könnte sein, dass auch ein neuer Eigentümer mein Engagement zumindest für eine gewisse Zeit schätzen dürfte.
SPIEGEL: Sie wollen Winnetou in gute Hände abgeben?
Schmid: Ja, es geht mir nicht ums Finanzielle. Wir sind eine gesunde Firma, schuldenfrei. Ich könnte den Laden auch einfach zusperren – mir geht es aber darum, dass es mit Karl May weitergeht. Von seinen Romanen werde ich mich nie verabschieden. Ich habe sogar geplant, die gesammelten Werke noch einmal zu lesen.
1962: Geboren in Bamberg
1981: Studium u. a. der Buchwissenschaft in Erlangen
1988 bis 1989: Volontariat beim Carl Ueberreuter Verlag in Wien
1989 bis1992: Verkaufsleiter bei den Verlagen Boje und Pestalozzi
1993: Eintritt in den väterlichen Verlag als Assistent der Geschäftsführung
2007: Übernahme der Geschäftsführung
SPIEGEL: Kennen Sie die nicht schon in- und auswendig?
Schmid: Nein, unter anderem den »Ölprinz« habe ich das letzte Mal vor 40 Jahren gelesen. Andere Kinder bekamen zum Geburtstag oder an Weihnachten ein Karl-May-Buch geschenkt. Bei mir waren es immer gleich zehn Exemplare, der Vorteil als Sohn des Verlegers.
SPIEGEL: Ihr Großvater gehörte 1913 zu den Gründern des Unternehmens.
Schmid: Er hat Karl May zweimal persönlich getroffen und ihm Ideen unterbreitet, wahrscheinlich zu einer Werkreihe von dessen Romanen. Die Antwort war: »Sie sollten mein Verleger werden!«
SPIEGEL: Nun leiten Sie den Verlag in der dritten Generation. Fällt bei einem Familienbetrieb der Abschied umso schwerer?
Schmid: Es gibt da einen bekannten Spruch: Die erste Generation baut es auf, die zweite bewahrt es, und die dritte setzt es in den Sand. Das kann man mir nach all den Jahren nun wirklich nicht vorwerfen. Ich hatte immer den Ehrgeiz, dass es mit Karl May weitergeht. Er ist es wert.
SPIEGEL: Gilt das heute noch? Die Lesegewohnheiten haben sich geändert.
Schmid: Es ist seit seinem Tod wirklich kein Jahrzehnt vergangen, in dem in der Presse nicht irgendwann ein Bericht erschienen wäre mit dem Tenor: »Niemand liest mehr Karl May!« Gegner hatte er immer. Abgesänge gibt es auch heute. Und bewahrheitet hat es sich nie.
