SPIEGEL: Wo lagert das in Iran verschwundene Uran?
David Albright: Es liegt verstreut in einem Netz aus Anlagen und Depots im ganzen Land. Die bekannten Standorte Natans, Fordo und Isfahan sind jedenfalls nicht die einzigen Lagerplätze. Das Material ist so verteilt, dass ein einzelner Angriff es weder sicherstellen noch zerstören könnte – zumindest nicht ohne massive Kollateralschäden.
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David Albright, 74, ist Physiker. Er leitet das Institute for Science and International Security (ISIS) in Washington, D.C. Zuvor arbeitete er mehrere Jahre im Irak als Waffeninspektor für die Vereinten Nationen. Seine Analysen und Einschätzungen werden von Regierungen, Geheimdiensten und Medien weltweit herangezogen, insbesondere wenn es um die Bewertung von Atomprogrammen in Staaten wie Iran oder Nordkorea geht.
SPIEGEL: Eine militärische Bergungsoperation, über die gerade spekuliert wird, wäre also wenig aussichtsreich?
Albright: Diese Option wird seit Jahren durchgespielt: Ein verdeckter Einsatz, bei dem Spezialkräfte in eine Anlage eindringen, das Material einsammeln und verschwinden. Dafür müsste man die Anlagen sichern, das iranische Personal festsetzen, Mess- und Verpackungsteams einschleusen, den Strahlenschutz gewährleisten und das Uran über Luft- oder Landwege abtransportieren. Doch das Material liegt in unterirdischen, teils versteckten und sogar mobilen Lagern, die eigens so angelegt wurden, um solche Zugriffe zu erschweren.
