Bald droht wieder Spoileralarm aus der Nachbarschaft. Wenn bei der Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada ein Tor für die DFB-Elf fällt, dann wird es vielerorts laut. Das nervt vor allem dann, wenn von nebenan Jubelschreie ins Wohnzimmer dringen, während auf dem eigenen Bildschirm ein Spieler zum Beispiel gerade erst den Ball zur Eckfahne trägt.
Das Problem: Das Bildsignal braucht vom Stadion bis ins Wohnzimmer je nach Übertragungsweg unterschiedlich lange. Wer bei der WM beim Jubeln vorn mit dabei sein will, muss auf den richtigen Empfangskanal setzen.
Die Fachzeitschrift »c’t« hat mit eigenen Tests ermittelt , wie die WM-Bilder vermutlich am schnellsten auf dem Fernseher oder Monitor ankommen. Der Laborbericht, den das Techmagazin regelmäßig vor Europa- und Weltmeisterschaften durchführt, enthält dieses Jahr eine Überraschung: Anders als in den Auswertungen der vergangenen Jahre landet nicht etwa das Satellitenfernsehen auf dem ersten Platz. Dieses Mal erscheinen laut den Messungen die Bilder aus den WM-Stadien über das Kabelfernsehen von Vodafone besonders schnell im Wohnzimmer.
Mit dem von Vodafone großspurig benannten »Jubelbooster« ist es dem Unternehmen offenbar gelungen, die Latenz – also die Verzögerung – so stark zu senken, dass seine Kabelanschlüsse sogar das flotte Satellitensignal überholen. Die Funktion sei im Kabelnetz Mitte Mai »pünktlich zur WM« freigeschaltet worden, teilte das Unternehmen mit.
Internet-TV hat keine Chance gegen lineares Fernsehen
Testleiterin Ulrike Kuhlmann bestätigt, dass der Jubelbooster nicht nur ein Marketingstunt ist, sondern wirklich einen Effekt hat und nennt die Funktion »beeindruckend«. Vodafone holt sich demnach die Studiosignale direkt von ARD und ZDF und schickt sie unkomprimiert über Glasfaserkabel. Erst im letzten Schritt wird das Bild verarbeitet. Nur 5,2 Sekunden braucht das Bild so vom nordamerikanischen Kontinent hierher. Wer Kabel-TV bei der Konkurrenz schaut, muss laut dem Test rund zwei Sekunden länger warten, berichtet c’t-Redakteurin Kuhlmann im Gespräch mit dem SPIEGEL. Bei der EM vor zwei Jahren befand sich Vodafones Booster noch in der Testphase.
Das Satellitenfernsehen bleibt laut der c’t-Auswertung weiterhin in der Spitzengruppe und sichert sich den zweiten Platz. Knapp sieben Sekunden nach einem Tor im Stadion ist der Treffer demnach auch hierzulande zu sehen, wenn man sich die WM über Astra und Co. anschaut. Mit einer DVB-T2-Antenne zappelt der Ball etwa neun Sekunden nach dem Treffer vor Ort auch daheim im Netz.
Daher lautet die klare Empfehlung der TV-Expertin Kuhlmann: »Wenn es irgendwie geht, sollte man die WM auf jeden Fall über das lineare Fernsehen schauen. Kabel, Satellit und DVB-T sind am schnellsten.«
