Dass vor uns allen das beste Europa aller Zeiten liegen könnte, dafür spricht gerade nicht sehr viel. Eingekeilt zwischen einem irren US-Präsidenten und dem Warlord im Kreml wirken die Aussichten aktuell eher trübe. In nicht wenigen Staaten des Kontinents wachsen antidemokratische, antiliberale Fliehkräfte, und die nationale Nabelschau wird vielerorts wieder für ein weltweites Panorama gehalten. Nicht schön, das alles.
Die Briten, zum Glück gerade nicht mehr stimmberechtigt in der EU, wollen ihrem Brexit-Lügner Nigel Farage offenkundig mit Karacho auch noch in die nächste Sackgasse folgen. Die Tschechen haben kürzlich einen alten Rechtsnationalisten zum Ministerpräsidenten gewählt, der das Zeug zum neuen Viktor Orbán hat. Frankreich? Ach, Frankreich. Und in Deutschland liegt an der Spitze von Umfragen nun: die AfD.
Wenn ich als Kind Schluckauf hatte, sagten meine Eltern: Luft anhalten und dreimal schlucken. Ich habe nie überprüft, ob es dafür irgendeine anatomisch-medizinische Begründung gibt, aber funktioniert hat es meistens. Es hatte wohl auch mit innerer Beruhigung zu tun, mit kindlicher Autosuggestion vielleicht.
Das wird mit Europas Krisen nicht ganz so leicht zu machen sein, schon klar, aber was ich mit dem Schluckauf-Gleichnis sagen will, ist dies: Wenn die vernünftige Mehrheit und demokratische Öffentlichkeit ab und an auch mal einfach die Luft anhalten könnte, mit oder ohne Schlucken, und nicht bei jeder schlechten Nachricht sofort in Panik geriete, dann könnte sehr schnell alles besser werden.
Viele Menschen leisten zum Glück längst vorbildliche Arbeit in diese richtige Richtung. Zigtausende Europäerinnen und Europäer, aktiv in Abertausenden Initiativen, Vereinen und Projekten, verweigern sich dem aufgeregten Gejammer.
Sie bekämpfen EU-Verdruss und Fake News, bringen Vernünftige und Wohlmeinende zusammen und gewinnen junge Leute für die Sache. Und manche, wie Peter Jelinek und Katja Sinko, schreiben auch mal wieder ein Buch darüber.

