Seit Jahresbeginn steigt die Zahl neuer E-Autos in Deutschland stark. Benzin und Diesel sind teuer, und es gibt wieder Zuschüsse beim Kauf. Doch viele fremdeln noch immer mit den Stromern. Was taugt dieser Antrieb wirklich im Alltag? Reicht die Reichweite – und klappt das Laden auch, wenn man keine eigene Wallbox hat? Vier Begegnungen an öffentlichen Ladestationen in und um Berlin – Elektroautobesitzer berichten von ihrem Alltag.
»Dieses Warten kann einen etwas nervös machen«
Constanze Lenau, 40, lebt und arbeitet in Berlin. Sie führt ein Faltkajak-Unternehmen am Spreeufer im Südosten der Stadt. Lenau fährt einen Volvo EX30.
44 Prozent, 45 Prozent, … Der Akku lässt sich mal wieder Zeit fürs Aufladen. Dabei habe ich doch schon extra eine Schnellladesäule angefahren. Dieses Warten kann einen etwas nervös machen. Den halben Tag war ich im Büro, jetzt muss ich gleich meinen Sohn aus der Kita abholen. Doch bis der Akku vom E-Auto voll ist, wird es wohl noch eine Weile dauern. Seit zwei Jahren versuche ich, Freundschaft mit diesem Auto zu schließen.
Der Volvo ist mein zweites Elektroauto. Vorher hatte ich einen Tesla. Der war schon ein bisschen geiler. Allerdings auch teuer, das Abo beim Anbieter Finn kostete über 500 Euro monatlich. Der Volvo EX30 schien mir gut in den Alltag zu passen. Das Auto ist kompakt und nicht zu groß für den Stadtverkehr. Mit – laut Hersteller – 475 Kilometer Reichweite auch tauglich fürs tägliche Pendeln (ich fahre circa 80 Kilometer pro Woche) und auch mal die ein oder andere Reise.
Doch der Volvo hat seine Versprechen nicht eingehalten. Mehr als 300 Kilometer sind manchmal nicht drin, schon gar nicht auf der Autobahn. Da verpufft die ganze Reichweite, wenn ich mal schneller als 120 km/h fahre. Einmal, auf einer Fahrt von Berlin nach Mannheim, musste ich drei Mal unterwegs laden. Zum Glück hat mein sechsjähriger Sohn da gut mitgemacht, trotz der langen Warterei an den Ladestationen.
