Manchmal sind es gerade die Kleinigkeiten, die diesen Prozess so groß erscheinen lassen. Wie zum Beispiel der Moment, als Claudia Villafañe, die erste Frau Diego Maradonas, Mutter zweier seiner Kinder, ganz nah am Angeklagten vorbeigeht.
Der Neurochirurg Leopoldo Luque steht in San Isidro, einem Vorort von Buenos Aires, vor Gericht, weil es nicht ausgeschlossen ist, dass er am Tod Maradonas am 25. November 2020 eine Mitschuld trägt.
Als Maradona gefunden wurde, mit einem Laken bedeckt, war der Raum »schwach beleuchtet, die Fenster waren mit Laken verhängt«, so beschreibt es der Gerichtsmediziner. »Es herrschte eine gewisse Unordnung, mit Wasserflaschen, Medikamentenampullen und einem orthopädischen Toilettenstuhl.«
Leibarzt Luque am ersten Verhandlungstag vor Journalisten in San Isidro: »Natürlich bin ich unschuldig«
Foto: Cristina Sille / REUTERSMaradonas Herz war hypertrophiert, übermäßig groß und übermäßig schwer. Der frühere Weltklassespieler, den viele für den besten Fußballer aller Zeiten halten, war offensichtlich nicht gut versorgt worden. Das Haus, in dem er untergebracht war, war für einen Menschen in seinem Zustand ungeeignet.
Im Gerichtssaal bleibt der Blick von Claudia Villafañe an dem Neurochirurgen hängen. Sie war 17, als sie Maradona kennenlernte, inzwischen ist sie 64 Jahre alt. Die Geschichte ihrer Ehe mit Maradona ist die Geschichte ihres Lebens. Sie ist an diesem Tag gekommen, weil Gianinna, eine der beiden Töchter, die sie mit Maradona hat, als Zeugin aussagen soll.
Leopoldo Luque, der Angeklagte, sieht sie nicht, er kehrt ihr den Rücken zu. Die Augen der anwesenden Journalisten folgen Villafañe. Was sie sehen, was jeder im Saal sehen kann: Ihr Blick ist nicht von Hass geprägt. Er ist voller Entsetzen.
Als sie Maradona fanden, das wird Gianinna, die Tochter, später aussagen, lag er auf dem Bett, mit übermäßig aufgeblähtem Bauch. »Er war wie ein Ballon«, so wird sie es beschreiben – und zeigte erste Anzeichen von Leichenstarre.
