SPIEGEL: Frau Courtice, Sie forschen zu Emojis in beruflichen Nachrichten. Hat sich dadurch Ihr eigenes Nutzungsverhalten verändert?
Courtice: Ich nutze Emojis weiterhin, verwende sie aber bewusster. Zum Beispiel achte ich mehr darauf, mit wem ich schreibe, in welchem Kontext und was ich eigentlich vermitteln will. Emojis können kompliziert sein. Sie sind wie eine eigene Sprache, die im Berufsalltag bislang wenig untersucht wurde.
SPIEGEL: Das Fachmagazin »Collabra: Psychology« hat kürzlich die Ergebnisse einer Studie von Ihnen veröffentlicht. Wie haben Sie den Emoji-Einsatz untersucht?
Courtice: Wir haben 243 Personen fiktive Nachrichten gezeigt, die angeblich von einem Kollegen oder einer Kollegin stammten. Manche waren negativ, zum Beispiel: »Jemand hat schon wieder den Drucker kaputt gemacht«. Andere waren positiv: »Addison ist eine tolle Kollegin«, oder neutral: »Alex wird sich drum kümmern«. Und jede Nachricht endete entweder mit einem positiven, einem negativen oder keinem Emoji. Den Probandinnen und Probanden wurden verschiedene Kombinationen gezeigt, anschließend wurden sie gefragt: Wie kompetent wirkt der Absender? Und wirkt die Nachricht angemessen?
SPIEGEL: Was haben Sie dabei herausgefunden?
Courtice: Die wichtigste Erkenntnis lautet: Keine Emojis sind die sicherste Wahl. Aber positive Emojis wie ein lachendes Gesicht scheinen im Berufsalltag meistens in Ordnung zu sein. Ihre Absender werden üblicherweise als kompetent wahrgenommen, die Kommunikation als angemessen.

