SPIEGEL: Herr Zander, viele fürchten um den Achtstundentag. Die Koalition hat verabredet, eine wöchentliche Höchstarbeitszeit festzulegen statt einer täglichen. Ist der Plan ein Wirtschaftsbooster oder eine soziale Katastrophe?
Zander: Weder noch. Es wäre ein zeitgemäßer Schritt, wenn es so kommt. Wichtig: Der Achtstundentag steht gar nicht zur Debatte, sondern die Obergrenze von zehn Stunden Arbeit pro Tag. Das wird an vielen Stellen falsch dargestellt. Überhaupt wird die Diskussion sehr unsachlich geführt.
SPIEGEL: Wie kommt es zu der Verwechslung?
Udo Schloegl
Guido Zander, Jahrgang 1968, ist geschäftsführender Partner der SSZ Beratung in Feldkirchen bei München. Der Wirtschaftsinformatiker unterstützt seit über 25 Jahren Unternehmen aller Größen und Branchen bei der Dienstplanung und der Gestaltung von Arbeitszeitmodellen. 2025 hat er das Buch »Die faulen Deutschen? (Schein-)Debatten und Lösungen für eine zukunftsfähige Arbeitswelt« veröffentlicht.
Zander: Es gilt eine langfristige Obergrenze von 48 Stunden pro Woche: In einem Sechsmonatszeitraum darf der Durchschnitt der Wochenstunden nicht über dieser Zahl liegen. Damit sind Überstunden erlaubt, wenn nötig auch mal viele, solange es dann wieder Erholungspausen gibt und am Ende der Schnitt stimmt. Weil in Deutschland eine Arbeitswoche grundsätzlich sechs Werktage hat, kommt man auf acht Stunden am Tag. Es gibt zusätzlich die Tageshöchstgrenze von zehn Stunden. Um die geht es im Koalitionsvertrag, sie soll durch eine Wochenhöchstgrenze ersetzt werden. Schon jetzt sind damit 60-Stunden-Wochen machbar, wenn die kein Dauerzustand sind und der Langzeitdurchschnitt von 48 Stunden eingehalten wird.
