Fahrstühle gehören zu den am meisten unterschätzten Dingen des Alltags. Diese nach unten und oben fahrenden, abgeschlossenen Räume, deren wirkliche Bedeutung man erst dann erkennt, wenn sie fehlen. Oder, was noch schlimmer sein kann, stecken bleiben. Wer zum Beispiel in einem Büro im 23. Stock arbeitet, wird erst dann über die Bedeutung von Fahrstühlen nachdenken, wenn sie nicht funktionieren. Oder die tragische Geschichte des Julien Tavernier, der in Louis Malles Kinoklassiker „Fahrstuhl zum Schafott“ aus dem Jahre 1958 zuerst den perfekten Mord am älteren Ehemann seiner Geliebten begeht. Und dann im Fahrstuhl stecken bleibt. Mit so etwas rechnet man natürlich nicht, schon gar nicht, nachdem man jemanden erschossen hat. Hätte Malle damals nicht den wunderbaren Miles Davis angeheuert, der alles andere als Fahrstuhlmusik ablieferte, sondern das in düsteren Schwarz-Weiß-Bildern inszenierte Drama mit seinem modalen Cool-Jazz begleitete – die Geschichte des armen Tavernier wäre kaum auszuhalten gewesen.
