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22.03.2026
19:25 Uhr
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Das hatte in dieser Deutlichkeit kaum jemand erwartet: Florian Freund gewinnt mit 56,58 Prozent der Stimmen. Der Amtsbonus hat der bisherigen CSU-Oberbürgermeisterin wenig genutzt.

Eva Weber muss ihren Posten als Oberbürgermeisterin aufgeben. Foto: Michael Bihlmayer/Imago
Oberbürgermeisterin Eva Weber und ihr Herausforderer Florian Freund kennen sich schon lange, sie sitzen seit vielen Jahren gemeinsam im Stadtrat. In kleinen Runden duzen sie sich, fürs TV-Duell vor der Stichwahl, übertragen vom Stadtsender a.tv, hatten sie sich aber offensichtlich auf ein seriöses „Sie“ geeinigt. Die CSU-Amtsinhaberin nannte ihren Kontrahenten also „lieber Florian Freund“, sie nannte ihn „lieber Dr. Freund“, einmal auch „lieber Herr Dr. Freund“. Nur als sie sich bei einem Wortgefecht arg über den SPD-Herausforderer ärgerte, rutschte es aus ihr heraus: „Also Florian, entschuldige!“
In Zukunft wird Weber ihren Herausforderer „Oberbürgermeister Dr. Florian Freund“ nennen müssen. Das Ergebnis der Stichwahl in Augsburg stand um 19.03 Uhr fest, Freund löst die bisherige Oberbürgermeisterin Weber ab. Mit 56,58 Prozent lag Florian Freund vorne, das hatte in dieser Deutlichkeit kaum jemand erwartet. CSU-Bezirkschef Volker Ullrich war merklich angefressen: „Letztlich hat Eva Weber diese Wahl verloren“, sagte er in die Kameras. Es habe das Vertrauen gefehlt, dass Weber die Vielzahl an Projekten, die nicht funktioniert hätten, zu Ende bringt. Auch die Koalition mit den Grünen habe geschadet. „Dafür haben wir heute die Quittung bekommen.“
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Beobachtern hatte bereits nach dem ersten Wahlgang keineswegs als unrealistisch gegolten, dass Freund gewinnen kann. Mit 34 Prozent führte die Amtsinhaberin zwar klar vor dem Herausforderer, der es auf 19,9 Prozent der Stimmen gebracht hatte. Aber nicht nur Freund selbst erkannte eine „Wechselstimmung“ in der Stadt. Weber hatte deutlich an Zustimmung verloren im Vergleich zur Kommunalwahl 2020, ihre CSU hatte deutlich verloren mit einem Ergebnis von 25,26 Prozent. Es würde, das tuschelten sie auch in der örtlichen CSU hinter vorgehaltener Hand, knapp werden für Weber.
Dabei hatte es Weber im Wahlkampf mit ihrem Amtsbonus versucht, sie hatte die Stadt in den schönsten Farben gemalt, sie hat auf Statistiken verwiesen und schon auch sich ein gutes Zeugnis ausgestellt. Dass Freund sie vor allem in der frühen Phase des Wahlkampfes immer und immer wieder angriff – nicht nur ihre Politik, auch sie persönlich und ihre Art der Amtsführung – das hat sie ihm übel genommen.
Von Inhalten war der Wahlkampf in Augsburg zu keiner Zeit geprägt. Es gibt nicht das eine hervorstechende Thema in der Stadt. Es gibt eher dieses Gefühl, das Freund zu bespielen versuchte, wonach nichts mehr so richtig funktioniert, wonach die Verwaltung nicht nur an Großprojekten wie dem Staatstheater scheitere, sondern auch an der Sanierung der Schultoiletten, die stadtweit ein größtenteils trauriges Bild abgeben.
Freund hat verfangen mit seiner Argumentation. Er hat auch eine Mehrzahl der kleineren Gruppierungen im immer mehr zersplitterten Augsburger Stadtrat hinter sich versammelt, viele sprachen eine Wahlempfehlung zu seinen Gunsten aus. Die große Frage aber war: Wie verhalten sich die Wähler der AfD, was niemand so richtig einzuschätzen wusste? Und wem werden die Wähler der zweitstärksten Fraktion im Stadtrat, der Grünen, ihre Stimmen geben?
In der schwarz-grünen Rathaus-Koalition hatte es in der Schlussphase der laufenden Periode hörbar geknirscht. Im konservativen Lager der CSU waren sie von den Grünen nurmehr genervt. Andersherum ging es einigen bei den Grünen nicht anders. Und doch war immer klar, dass gerade Weber und Martina Wild, die als grüne OB-Kandidatin die Stichwahl als Drittplatzierte verpasste, schon immer gut miteinander konnten.
Offensichtlich hatten viele Wähler der Grünen dennoch Bauchgrummeln, ihr Kreuz bei der CSU zu setzen. Und viele andere Wähler wollten den Wechsel, den sie ihrer Oberbürgermeisterin nicht mehr zutrauten. „Es ist eine Persönlichkeitswahl, und die Augsburgerinnen und Augsburger haben gesagt, wir wollen eine neue Kraft an der Spitze“, sagte der SPD-Vorsitzende in Augsburg, Dirk Wurm.
Egal, ob mit Weber oder Freund im Chefsessel des Rathauses: CSU, Grüne und SPD werden sich zusammenraufen müssen, was nach diesem Wahlkampf kein Selbstläufer sein wird. CSU und Grüne haben sich auseinandergelebt. Das Spitzenpersonal von CSU und Grünen auf der einen und die Führungskräfte der SPD auf der anderen Seite können nicht richtig miteinander. Das Ergebnis der Stadtratswahl aber ist eindeutig: Nur ein Zusammenschluss dieser drei Parteien wird eine stabile Mehrheit hinbekommen. CSU-Bezirkschef Ullrich bat dem neuen SPD-Oberbürgermeister sogleich eine Zusammenarbeit an.
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