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15.05.2026
13:15 Uhr
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Der Dax-Konzern Siemens kauft für mehr als eine Milliarde Euro in Italien eine Firma. Und das, anders als in den Fällen Unicredit/Commerzbank und Pro Sieben Sat 1 ohne öffentlichen Wirbel.

Der Schriftzug „Siemens“ vor der Konzernzentrale in München: Das Untenrehmen ist an der Börse derzeit 200 Milliarden Euro wert. Sven Hoppe/dpa
Das Städtchen mit dem schönen Namen Monopoli liegt ziemlich weit im Süden Italiens, in Apulien zwischen Bari und Brindisi, fast 1300 Kilometer von München entfernt. Dort hat Siemens seine Hauptverwaltung, und die Münchner gaben jetzt bekannt, dass sie das Kerngeschäft der in Monopoli ansässigen Bahntechnikfirma Mermec übernehmen wollen, unbestätigten Angaben zufolge für immerhin rund 1,2 Milliarden Euro. Dabei geht es vor allem um Signal-, Diagnose- und Messtechnik für die Eisenbahn.
Aber es geht auch um das italienisch-deutsche Verhältnis. Das ist, was Übernahmen von Unternehmen angeht, derzeit nicht das Beste. Seit Längerem versucht Unicredit-Chef Andrea Orcel schon, die Commerzbank aus Frankfurt zu übernehmen. Inzwischen hat er fast 30 Prozent der Aktien, doch der Widerstand in Deutschland gegen die italienische Großbank aus Mailand und ihr durchaus rüdes Vorgehen ist hoch. Schon davor hatte es Diskussionen gegeben, als die Medienholding Media for Europe (MFE), die von der Familie des ehemaligen, rechtspopulistischen Ministerpräsident Italiens, Silvio Berlusconi kontrolliert wird, Interesse an Pro Sieben Sat 1 zeigte. Nach einem Übernahmekampf, der Jahre dauert, waren im vergangenen Jahr die Italiener am Ziel. MFE kontrolliert nun rund 75 Prozent an dem deutschen Fernsehunternehmen und regiert durch.
Die Unicredit will die Commerzbank übernehmen. Vorstand und Belegschaft der zweitgrößten deutschen Privatbank stemmen sich dagegen. Es ist die wohl spektakulärste Übernahmeschlacht in Europa – und längst ein Machtkampf von nationaler Bedeutung.
Natürlich ist Bahntechnik nicht die Medienbranche oder der Bankensektor, das Volumen der Übernahme ist auch deutlich geringer. Doch auch hier geht es um einen wichtigen Wirtschaftsbereich. Mermec ist stark im Signaltechnik-Geschäft im italienischen Bahn-Fernverkehr. Nicht ohne Stolz wird in Italien immer wieder darauf verwiesen, dass die Hochgeschwindigkeitszüge dort besser funktionieren und oft pünktlicher unterwegs sind als die deutschen ICEs.
Trotzdem gelang Siemens die Übernahme der süditalienischen Firma bislang weitgehend ohne Drama. Bis Ende des Jahres werden nun alle Genehmigungen erwartet. „Es wurde alles sehr gut vorbereitet“, heißt es bei Siemens. Die Münchner erwarten sich durch die Übernahme mittelfristig rund 500 Millionen Euro mehr Umsatz. Zum einen muss auch das italienische Fernnetz weiter modernisiert werden. Zum anderen hat Mermec nach eigenen Angaben eine führende Expertise bei Messzügen, mit denen der Zustand der Schienen-Infrastruktur kontrolliert werden kann. Diese Systeme ergänze das Siemens-Angebot gut und soll auch in anderen Ländern verstärkt eingesetzt werden, sagte ein Sprecher.
„Ich bin seit neun Monaten formal im Ruhestand“, teilte Mermec-Eigentümer Vito Pertosa, 67, mit. Er fügte an: „Mit meiner Gesundheit steht es derzeit nicht zum Besten, und meine Kinder gehen ihre eigenen unternehmerischen Wege.“ Das sei auch der Grund für den Verkauf der Aktivitäten. Siemens sei „ein starker Partner“, der die Zukunft „meiner geschätzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ sichern könne. Pertosa will nun mit dem Erlös in die anderen Unternehmen seiner Industrieholding Angelo investieren, die auch in der Luft- und Raumfahrt aktiv ist.
Im Kerngeschäft kommen die Süditaliener mit 1700 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 430 Millionen Euro und eine operative Umsatzrendite von 17 Prozent. 75 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Mermec in Italien. Siemens, derzeit das wertvollste börsennotierte Unternehmen in Deutschland, macht weltweit mit 318 000 Mitarbeitenden einen Umsatz von fast 80 Milliarden Euro. Die Sparte Siemens Mobility ist einer der größten Bahntechnik-Anbieter der Welt, mit Lokomotiven und Zügen wie dem ICE, aber auch mit Infrastruktursystemen.
Der Chef der Siemens-Bahnsparte, Michael Peter, sagt, das sei durchaus jetzt schon möglich. Und er macht weitere Vorschläge, wie die Deutsche Bahn besser werden kann.
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