SZ 22.03.2026
21:00 Uhr

Sieg nach spannendem Wahlkampf: SPD verteidigt das Bamberger Rathaus


Sebastian Niedermaier (SPD) hat sich gegen Grünen-Bewerber Jonas Glüsenkamp durchgesetzt. Er führt nach dem Abgang von Oberbürgermeister Andreas Starke die sozialdemokratische Tradition weiter.

Sieg nach spannendem Wahlkampf: SPD verteidigt das Bamberger Rathaus

Sebastian Martins Niedermaier ist neuer Oberbürgermeister von Bamberg. Damit hält die SPD das Rathaus der oberfränkischen Welterbe-Stadt. Das kommt für viele überraschend, Niedermaier war zunächst als Außenseiter in die Kommunalwahl gegangen. Schon den Einzug in die Stichwahl hatten ihm viele am Anfang nicht zugetraut. Doch dann bekam sein Wahlkampf einen solchen Schwung, dass der ihn nun zum Wahlsieg getragen hat.

Am Sonntag erhielt er 56,7 Prozent der Stimmen und lag damit recht deutlich vor seinem Gegenkandidaten Jonas Glüsenkamp von den Grünen mit 43,3 Prozent. Niedermaier sitzt seit zwölf Jahren im Stadtrat, doch Glüsenkamp war in den vergangenen sechs Jahren zweiter Bürgermeister, das hatten ihm viele als Vorteil ausgelegt.

Nun waren es möglicherweise die konservativen Wählerinnen und Wähler, die Niedermaier in der Stichwahl zum Sieg verholfen haben. CSU-Kandidatin Melanie Huml war im ersten Wahlgang überraschend gescheitert. Niedermaier war für seine Partei aber auch der ideale Kandidat. Jung und nahbar duzte er sich durch den Wahlkampf und blieb völlig unbelastet von den Affären, die die SPD in den letzten Amtsjahren von Vorgänger Andreas Starke mit sich geschleppt hatte. Der war nach 20 Jahren im Amt nicht mehr angetreten.

Starke gratulierte am Abend im Rathaus: „Du wirst unsere Stadt in eine gute Zukunft führen, das hat sie auch verdient.“ Expliziert erwähnte er den fairen Wahlkampf. Auch Niedermaier sprach von einem „guten Miteinander“. Ab morgen werde gearbeitet, „heute wird gefeiert“. Traditionell leitet in Bamberg die Stadtkapelle den neuen OB aus dem Rathaus. Niedermaier wurde ins Traditionswirtshaus Schlenkerla gebracht, wo die Unterstützer schon feierten.

Nur wenige Meter weiter empfingen die Grünen-Anhänger ihren Spitzenkandidaten. Glüsenkamp zeigte sich als fairer Verlierer und gratulierte schon vor dem Ende der Auszählung.

Die Wahl in Bamberg war in der ersten Runde die womöglich spannendste in Bayern. Glüsenkamp ging mit 30,3 Prozent der Stimmen als Sieger daraus hervor, gefolgt von Niedermaier mit 29 Prozent. Mit nur 280 Stimmen weniger verpasste die ehemalige Gesundheitsministerin Melanie Huml von der CSU die Stichwahl.

Dass es eng werden könnte unter den dreien, hatten viele Bamberger vorhergesagt, wenngleich eine Stichwahl zwischen Huml und einem der beiden Männer als die wahrscheinlichere Variante betrachtet worden war. Bei der Stadtratswahl erreichte die CSU mit 23,4 Prozent der Stimmen eine hauchdünne Mehrheit vor den Grünen (23 Prozent), beide Fraktionen bekommen zehn Sitze. Die CSU hielt in etwa das Ergebnis von vor sechs Jahren, die Grünen verloren vier Prozentpunkte. Die SPD erlangte acht Sitze und verbesserte sich leicht. Die 44 Sitze im Bamberger Stadtrat verteilen sich künftig auf 13 Parteien und Gruppierungen.

Humls Ausscheiden ist eine Niederlage, die auch auf das Konto der tief zerstrittenen Bamberger CSU geht. Das Agieren der CSU-Männer um die Kandidatin im Wahlkampf war ganz offensichtlich keine große Hilfe. Nun droht der CSU möglicherweise gar die Spaltung im Stadtrat. Huml meldete bereits Ansprüche auf den Posten der zweiten Bürgermeisterin für die CSU an und übernahm selbst den Posten der Fraktionsvorsitzenden. Allerdings nahmen an der konstituierenden Sitzung am Wochenende nur die Hälfte der neu gewählten Stadträte teil, die andere Hälfte um den bisherigen Fraktionschef versteht sich offenbar ebenfalls als die wahre CSU-Fraktion. Kreis- und Fraktionschef, die unterschiedlichen Lagern angehören, legten sich zudem öffentlich den Rücktritt nahe. Ersterer hat den seinen inzwischen angekündigt.

Wer hat sich im zweiten Wahlgang als Bürgermeister oder Landrat durchgesetzt? Ein Überblick in Karten und Grafiken.

Einige neu gewählte CSU-Stadträte hatten für die Stichwahl eine Empfehlung für Niedermaier ausgesprochen, der Kreisvorsitzende hatte – als Privatmann, wie er betonte – Glüsenkamp empfohlen. Huml gab keine Empfehlung ab.

Beide Bewerber hätten sich gegen Huml im Stichwahlkampf leichter getan, sind doch die Unterschiede zwischen Glüsenkamp und Niedermaier überschaubar. Beide sind mit 38 und 37 Jahren in einem noch jugendlichen Politikeralter, aber schon lange in der Kommunalpolitik tätig. Beide thematisieren die in Bamberg wichtigen Themen Wohnen, Infrastruktur, Wirtschaft, Kultur und Tourismus und haben dazu keine grundsätzlich unterschiedlichen Ansichten. Beide werben nicht offensiv mit ihren Parteien, sondern geben sich überparteilich. Dass die zwei auch als Konkurrenten eher freundschaftlich miteinander umgehen und sich ausdauernd gegenseitig ihren Respekt versichern, machte die Definition eines Favoriten zusätzlich schwierig.

Einen engagierten Wahlkampf machten beide bis zuletzt, sie waren an den Haustüren, in den Kneipen und in der Fußgängerzone und traten in gleich mehreren Rededuellen gegeneinander an. Glüsenkamp betonte seine Erfahrung, war er doch in den vergangenen sechs Jahren schon zweiter Bürgermeister. Niedermaier warb mit seinen Bamberger Wurzeln und der wirtschaftlichen Kompetenz aus der eigenen Bio-Gärtnerei.

Ein bisschen jünger, aber kaum weiblicher: Nach der Kommunalwahl hat sich die Zusammensetzung der kommunalen Parlamente geändert. Nicht immer in der erwarteten Richtung. Ein paar Lehren aus der großen Wahlstatistik.

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