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24.08.2026
12:59 Uhr
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Wirtz? Woltemade? Keegan! Weil die zahlreichen deutschen Beteiligten bei Newcastles 2:2 gegen Liverpool kaum in Erscheinung treten, erlebt das Stadion emotionale Momente in Gedenken an ein jüngst verstorbenes Idol.

Während seiner Krebserkrankung hatte der jüngst verstorbene Kevin Keegan im vergangenen Mai den Wunsch geäußert, ein letztes Mal in den St. James’ Park zurückzukehren, um sich von den Fans von Newcastle United zu verabschieden. Ein bitteres Zerwürfnis mit der damaligen Vereinsführung hatte ihm einen stilvollen Abschied am Ende seiner zweiten Traineramtszeit im September 2008 verwehrt, als er zum vorzeitigen Rücktritt gedrängt worden war. Zu einer persönlichen Begegnung kam es nicht mehr. Am Sonntagabend jedoch – im Rahmen des ersten Premier-League-Heimspiels von Newcastle nach Keegans Tod – wurde dem englischen Fußballidol eine außergewöhnliche Choreografie zuteil, die das gesamte Stadion umfasste. Sie begründete sich auch durch den Gegner: Zu Gast war ausgerechnet der FC Liverpool. Bei beiden Klubs hatte Keegan die größten Spuren hinterlassen.
Die Fanlager der beiden Leidenschaftsvereine stellten in einer Co-Produktion das Trikot Keegans nach – mit dessen legendärer „7“ auf dem Rücken. Newcastles Anhänger hielten die Nummer mit roten Schildern hoch, in Anlehnung an das Heimtrikot der Saison 1982/83, in der Keegan zum Verein wechselte. Darüber formten die Liverpooler im Gästeblock seinen Namen. Zudem wurde ein meterhohes „King Kev“-Poster in Form des Newcastle-Klubemblems hochgezogen. Darauf waren fünf Motive des früheren Spielers und Trainers abgebildet. Nicht fehlen durfte auch sein berühmtester Spruch, der bis heute jedes Fandasein prägt: „Ich möchte, dass die Menschen von ihrem Fußballklub träumen. (…) Manche sind das genaue Gegenteil und sagen: ‚Das können wir nicht schaffen.‘ Aber wenn man sie fragt, warum, können sie keinen Grund nennen. Ich sage: ‚Warum eigentlich nicht?‘“
Der frühere Düsseldorfer Profi Christos Tzolis ist nun beim FC Arsenal gelandet – und begeistert Trainer Arteta. Der griechische Linksaußen steht exemplarisch für die gelungene Transferpolitik des Meisters.
Der Spielverlauf der Partie geriet anschließend ebenfalls zu einer Hommage an Keegan. Das packende 2:2 enthielt sämtliche Eigenschaften, die ihn einst auf dem Rasen charakterisierten: unermüdlicher Einsatz, enormes Tempo und ein hohes Maß an spielerischen Akzenten. Newcastle ging beim Debüt des deutschen Trainers Matthias Jaissle durch zwei Kontertore zweimal in Führung: In der fünften Minute traf Anthony Elanga, später Joe Willock (57.), nachdem Liverpools Cody Gakpo nur 176 Sekunden zuvor per Distanzschuss den Ausgleich erzielt hatte. Zwar dominierte der FC Liverpool das Geschehen unter seinem ebenso neuen Trainer Andoni Iraola und hatte am Ende mehr als doppelt so viele Torschüsse wie Newcastle – 25 zu 12. Doch die Heimelf verteidigte aufopferungsvoll – ehe der unverdrossene Linksverteidiger Lewis Hall den eingewechselten Stürmer Víctor Muñoz im Strafraum leichtsinnig foulte. Den Elfmeter drosch Dominik Szoboszlai ins Kreuzeck (90.+9).
Das Gedenken an Keegan, der 1977 in der Blüte seiner Spielerzeit für drei Jahre zum damals noch ruhmreichen Hamburger SV wechselte und als erster ausländischer Promi der Bundesliga-Geschichte galt, weckte aus deutscher Sicht am Sonntag jedoch auch sehnsüchtige Erinnerungen. Zu seiner Zeit waren die Klubs aus Germany noch die Nummer eins in Europa. In der Saison 1979/80 kamen alle Halbfinalisten des damals noch Uefa-Cup genannten Wettbewerbs aus der Bundesliga. Überdies erreichte der HSV mit Keegan das Europapokalfinale der Landesmeister, das gegen Nottingham verloren ging. Davon ist in der Gegenwart wenig zu sehen – und auch die deutschen Spitzenspieler können das internationale Bild nicht aufhellen.
Beinahe stellvertretend dafür standen die zwei Premier-League-Legionäre Florian Wirtz, 23, und Nick Woltemade, 24, die gemessen an ihren Ansprüchen im direkten Aufeinandertreffen geradezu ein Fiasko erlebten. In der 63. Minute wurde Wirtz, der vor einem Jahr für 125 Millionen Euro zum FC Liverpool übersiedelte und Keegans „7“ übernahm, nach einer nahezu wirkungslosen Leistung ausgewechselt – obwohl seine Elf zu diesem Zeitpunkt zurücklag und dringend ein Tor benötigte. Nach dem Spiel kritisierte Sky-Experte Gary Neville, Wirtz zähle neben seinem Offensivkollegen Alexander Isak „zu den größten Enttäuschungen“. Nach der ernüchternden Einstandssaison am River Mersey hatte sich die englische Fußballöffentlichkeit zum Start eine sichtbare Leistungssteigerung des Spielmachers erwartet – unter anderem wegen seiner vergleichsweise langen Vorbereitungsphase infolge des frühen DFB-Aus bei der WM.
Ähnlich verhält es sich mit dem 75 Millionen Euro teuren Woltemade, der für Newcastle gleich gar nicht zum Einsatz kam. Er saß die vollen 90 Minuten auf der Bank; zu sehen war er nur, als er sich nach Willocks Treffer auf dem Platz den jubelnden Mitspielern anschloss. Dabei war angenommen worden, der Offensivspieler könnte unter seinem Landsmann Jaissle besser zurechtkommen. Der Trainer verwies vor der Partie darauf, dass Woltemade seine Fähigkeiten in der vergangenen Saison „noch nicht ausgeschöpft“ habe; es werde „Zeit und Anpassung“ benötigen. Einzig Woltemades Mannschaftskollege Malick Thiaw, 25, bot als dritter DFB-Spieler in diesem Match eine ansprechende Leistung in der Innenverteidigung.
Jahrelang war der deutsche Fußball durch die Spitzenspieler Toni Kroos, Ilkay Gündogan, Marc-André ter Stegen, Antonio Rüdiger und Kai Havertz in ausländischen Topvereinen prominent vertreten. Doch durch den Rücktritt von Kroos, den alters- und verletzungsbedingt nachlassenden Einfluss Rüdigers bei Real Madrid sowie Gündogans Wechsel zu Galatasaray und ter Stegens Transfer zu Ajax ist Havertz momentan der einzige deutsche Vorzeigeprofi in den großen internationalen Ligen. Diese Entwicklung scheint mit dem blamablen DFB-Abschneiden im vergangenen Jahrzehnt zusammenzuhängen. Kein einziger Nationalspieler konnte sich im Sommer für einen Großtransfer ins Ausland empfehlen. Immerhin machen andere deutsche Profis in der Premier League auf sich aufmerksam: Brentfords Kevin Schade und Vitaly Janelt liefern ebenso konstant gute Leistungen ab wie Leeds Uniteds Anton Stach. Auch Freiburgs Sommer-Weggang Merlin Röhl stand beim FC Everton am Wochenende direkt in der Startelf.
Um endlich das eigene Potenzial abzurufen, könnte Wirtz, Woltemade & Co. vielleicht die Erinnerung an Kevin Keegan helfen. Als der Engländer einst nach Hamburg wechselte, hatte auch er zunächst mit den hohen Erwartungen zu kämpfen. Erst später wurde er zum Publikumsliebling – und zweimal als „Europas Fußballer des Jahres“ ausgezeichnet.
14 englische Erstligisten bezeichnen ihre Trainer inzwischen als „Head Coach“. Sie folgen dem Vorbild der Arbeitsteilung in den Klubs vom Festland. Doch es gibt kaum noch heimische Trainer – und die Amtszeiten werden kürzer.
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