SZ 25.03.2026
16:00 Uhr

Ole Book bei Borussia Dortmund: Hurra, es ist jemand von außerhalb!


BVB-Fan, BVB-Ausstiegsklausel – aber keine Vereinslegende: Bei der Vorstellung des Sportdirektors Ole Book macht Borussia Dortmund klar, warum der Klub ihn geholt hat.

Ole Book bei Borussia Dortmund: Hurra, es ist jemand von außerhalb!
Die beiden BVB-Geschäftsführer Lars Ricken (links) und Carsten Cramer (rechts) mit dem neuen Sportdirektor Ole Book. Bernd Thissen/dpa

Von den Mauern im Dortmunder Stadion prangen Bilder vieler Vereinslegenden. Borussia Dortmunds Sportgeschäftsführer Lars Ricken ist dort genauso zu sehen wie der frühere Sportdirektor Michael Zorc und der Stadionsprecher Norbert Dickel. Sie alle haben beim BVB auch eine große Vergangenheit als Spieler.

Von Ole Book hängt in diesem Stadion kein Bild. Er hat nie für den BVB gespielt. Er wurde vor 40 Jahren im 50 Kilometer entfernten Beckum geboren und zählt als Westfale allenfalls zur erweiterten schwarz-gelben Verwandtschaft. Book aber ist schon sein ganzes Leben BVB-Fan. Er hatte sein Kinderzimmer mit Postern tapeziert und war Anfang der Neunziger mit seinem Vater erstmals im Stadion. Seit Mittwoch nun ist Book als Nachfolger von Sebastian Kehl der neue Sportdirektor von Borussia Dortmund. Der vormalige Sportvorstand des Zweitligisten SV Elversberg wurde auf einer Pressekonferenz im Stadion von den Geschäftsführern Carsten Cramer (Sprecher) und Lars Ricken (Sport) vorgestellt.

Als Ricken den BVB 1997 zum Champions-League-Triumph schoss, war Book elf Jahre alt. Kurz nachdem der BVB 2021 mit dem DFB-Pokal seinen bislang letzten Titel gewonnen hatte, stand Book als Sportchef mit dem damaligen Viertligisten SV Elversberg im August 2021 auf dem letzten Platz der Regionalliga Südwest. Während sich für den BVB in diesen fast fünf Jahren seither in Sachen Titeln nichts mehr getan hat, begann für Book im Saarland ein Aufstieg, der ihn mit Elversberg erst in die dritte und dann in die zweite Liga führte – und der ihn durch seinen Wechsel zu Borussia Dortmund nun in die Bundesliga bringt, und nächste Saison aller Voraussicht nach in die Champions League. Mit seinem Elan und seiner Expertise soll er eine Stagnation beim BVB zu durchbrechen helfen. Es ist kein Zufall, dass die Borussia ausnahmsweise mal nicht auf eine Vereinslegende zurückgreift. Sondern auf jemanden von außen.

„Ole Book bringt als Externer neue Impulse und neue Ideen mit“, sagte Ricken am Mittwoch. „Er ist ein Stück weit die Zukunft.“ Mit den jüngsten Entwicklungen unter dem langjährig BVB-treuen Sportdirektor Sebastian Kehl waren sie beim BVB nur noch bedingt zufrieden. Veranschaulichen lässt sich die perspektivisch limitierte Situation des Klubs außer am frühen Aus in Champions League und DFB-Pokal auch am großen Rückstand auf den Tabellenführer Bayern München. „Wenn wir ein bisschen näher an die Bayern rankommen wollen“, sagte Ricken, „dann brauchen wir einen homogenen Kader – und auch für diesen soll Ole stehen.“

An Kehl allein hat Dortmunds jüngste Stagnation freilich kaum gelegen. Auch Cramer und Ricken, in ihrem jeweiligen Amt noch nicht so lange Nachfolger des einst mächtigen Hans-Joachim Watzke, stehen unter Erfolgsdruck und holen mit Book jemanden, der ihnen bei der Bewältigung explizit behilflich sein soll. „Bei uns ist gerade ordentlich Leben in der Bude“, sagte Cramer am Mittwoch in breitem Westfälisch und umschrieb damit betont hemdsärmelig den Druck, den BVB sportlich erneuern zu müssen. „Wir müssen zu unkonventionellen Maßnahmen bereit sein“, sagte Cramer, „und dem verleihen wir mit einem frischen, unverbrauchten Gesicht Ausdruck.“ Man wolle nicht einfach nur „gewohnte Pfade weitergehen“.

In sehr freundlichen Worten haben Cramer und Ricken ihren neuen Sportdirektor da am Mittwoch auch ganz schön unter Druck gesetzt. Denn Book verkörpert nun jenen externen Impuls, ihm muss es gelingen, seine in Elversberg bewiesene Transferexpertise mal eben von der zweiten Liga aufs Champions-League-Level zu transferieren.

„Natürlich ist das hier ein anderes Niveau“, sagte Book über den Vergleich zu seiner Arbeit in Elversberg, „und natürlich ist hier auf internationalem Niveau ein bisschen andere Qualität gefragt.“ Aber er verfüge beim BVB nun auch „über andere Möglichkeiten im Scouting und in der Analyse“, und die Vorgehensweise beim Aufspüren von Spielern sei schon ähnlich. „Ich stehe für mutigen, attraktiven und offensiven Fußball“, sagte Book, aber er relativierte die hohen Erwartungen an seine Arbeit auch, indem er sagte: „Wir wären nicht gut beraten, jetzt gleich große Ziele rauszuposaunen und groß von Titel zu sprechen – denn man muss auch sehen, dass es in der Bundesliga einen Verein gibt, der gerade ein bisschen enteilt ist.“ Book verkniff sich dabei die Nennung des FC Bayern.

Der 40-Jährige spielte einst für Ahlen, Duisburg und Wehen-Wiesbaden und heuerte anschließend im Management der SV Elversberg an. Dort verlängerte er erst im vergangenen Herbst seinen Vertrag und hatte da für seine Karriere offenbar ein eindeutiges, exklusives Ziel, wie BVB-Sportchef Ricken verriet: „Dass Ole BVB-Sympathien besitzt, war für uns nicht von Nachteil, denn sonst wäre es nicht möglich gewesen, ihn so kurzfristig zu verpflichten – er hat sich in Elversberg eine Ausstiegsklausel nur für Borussia Dortmund in seinen Vertrag schreiben lassen.“

Ole Book gilt als Kopf hinter dem Erfolg der SV Elversberg, unter anderem die Entdeckung von Nick Woltemade machte ihn bekannt. Nun muss er beim BVB in einer anderen Fußballdimension bestehen.

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