SZ 06.05.2026
13:45 Uhr

Medizin: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Hantavirus


Auf einem Kreuzfahrtschiff ist es zu Infektionen gekommen, drei Menschen sind gestorben. Was ist über den Erreger bekannt, wie steckt man sich an – und welche Möglichkeiten gibt es, sich zu schützen?

Medizin: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Hantavirus

Wie werden Hantaviren übertragen?

Hantaviren werden hauptsächlich von Nagetieren übertragen, in hiesigen Breiten besonders von der Rötelmaus. Diese findet sich hauptsächlich in Wäldern, Gebüschen und waldnahen Hecken. Andere Nagetiere, besonders Mäuse, die das Hantavirus übertragen, sind jedoch fast überall auf der Welt verbreitet. Der Mensch kann sich durch direkten Kontakt mit den infizierten Tieren anstecken, allerdings ist eine Übertragung auch indirekt durch den Speichel, Kot oder Urin der Nager möglich. Gelegentlich wird auch von Infektionen durch Lebensmittel berichtet, die mit den Ausscheidungen infizierter Nagetiere kontaminiert sind. In seltenen Fällen kann es auch zu einer Übertragung von Mensch zu Mensch kommen.

Wie haben sich die Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff angesteckt?

Es gibt laut der Weltgesundheitsorganisation WHO acht Fälle von Hantavirus-Infektionen auf dem Schiff Hondius, das von Argentinien nach Kap Verde unterwegs war, darunter drei Todesfälle. In drei Fällen ist die Infektion durch Laboruntersuchungen bestätigt, bei den anderen handelt es sich noch um Verdachtsfälle.

Ein ehemaliger Passagier der Hondius hat sich am Universitätsspital Zürich gemeldet. Bei ihm wurde ebenfalls das Virus nachgewiesen. Der Mann war mit seiner Ehefrau Ende April aus Südamerika zurückgekehrt. Die Ehefrau habe keine Symptome.

Die WHO teilte mit, dass der identifizierte Erreger der Andes-Stamm des Hantavirus ist. Wie genau sich die betroffenen Passagiere infiziert haben, ist noch unklar.

Es könnten sich eine oder mehrere Personen bereits in Argentinien oder im südamerikanischen Expositionsgebiet infiziert und das Virus an Bord gebracht haben, sagt Jonas Schmidt-Chanasit, Virenexperte am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, dem Science Media Center. „Damit wird die Hypothese einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung auf dem Kreuzfahrtschiff plausibler. Sie ist dadurch aber noch nicht bewiesen.“

„Der Nachweis der Andes-Variante stützt die Hypothese, dass die ersten Fälle in Argentinien auftraten“, sagt auch Paul Hunter, Public Health-Experte an der University of East Anglia dem SMC. Diese Variante sei in Argentinien endemisch, ihr Wirt ist die Langschwanz-Zwergreisratte.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr in Deutschland und weltweit?

In Deutschland ist die Ansteckungsgefahr sehr gering. Jedes Jahr kommt es zu wenigen hundert, gelegentlich auch zwischen 1000 und 2000 Infektionen, die aber meistens harmlos verlaufen. Eine Ausnahme war das Jahr 2012, als 2825 Infektionen mit dem Hantavirus in Deutschland gemeldet wurden. Laut Robert Koch-Institut gab es in den vergangenen 25 Jahren hierzulande einen Todesfall.

Die Rötelmaus bevorzugt Buchen- und Mischwälder als Lebensraum. In Deutschland gelten deshalb besonders Unterfranken, die Schwäbische Alb und der Bayerische Wald als Virusgebiete. Tragen Buchen viele Bucheckern, steigt die Anzahl der Infektionen, weil sich die Populationen der Rötelmaus angesichts des Überangebots an Nahrung stark vermehren.

Laut der europäischen Seuchenschutzbehörde „European Centre for Disease Prevention and Control“ ist das Risiko für die Bevölkerung in Europa „sehr gering“. Auch global ist die Gefahr weiterer Ansteckungen oder gar einer Pandemie mit den Infektionen auf dem Schiff nicht größer geworden. „Es gibt kein erhöhtes Risiko auf Reisen und auch nicht auf Kreuzfahrtschiffen“, sagt Infektionsexperte Scott Weaver von der University of Texas. „Das Virus verhält sich auch nicht so ansteckend wie andere respiratorische Viren. Zur Infektion mit Hantaviren kommt es meist in der Umwelt, aber in einem begrenzten Umfeld wie auf dem Schiff ist besonders darauf zu achten, dass es keine Reservoire für Mäuse gibt und die Hygiene eingehalten wird.“

Welche Untertypen von Viren gibt es?

In Mitteleuropa ist das Hantavirus mit dem Serotyp Puumala am weitesten verbreitet. Es führt häufig zu asymptomatischen Verläufen und nur selten kommt es zu schweren Erkrankungen. Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist insgesamt sehr selten. Beim Andes-Serotyp, der in Südamerika vorherrscht (und damit auch in Argentinien, wo das Schiff gestartet ist), wird sie allerdings etwas häufiger beobachtet.

Die Sterblichkeit liegt bei Erkrankungen durch Puumala-Infektionen weit unter 0,1 Prozent. Bei der Variante Dobrava, die auf dem Balkan stärker verbreitet ist, liegt sie bei 0,3 bis 0,9 Prozent. Außerhalb Deutschlands ist gelegentlich eine Letalität von 10 bis 15 Prozent berichtet worden, was sich aber aufgrund der nicht immer lückenlosen Dokumentation und Unterschieden in der medizinischen Versorgung nicht eindeutig den Virusvarianten zuschreiben lässt.

Welche Symptome sind typisch für eine Infektion mit dem Hantavirus?

Meistens verläuft eine Infektion ohne Beschwerden oder mit nur leichten, unspezifischen Symptomen, sodass die Erkrankung kaum bemerkt und nicht als Hantavirus-Infektion erkannt wird. Es kann aber auch zu schweren Verläufen kommen mit dem Vollbild des Hämorrhagischen Fiebers. Weil dabei oft die Gerinnung gestört ist, treten nach akutem Beginn mit Fieber, Schwindel und Schüttelfrost Blutungen an Haut und Schleimhäuten auf. Häufig ist auch die Niere beeinträchtigt, was in einigen Fällen zum Funktionsausfall des Organs führt und eine Dialyse erforderlich machen kann. Bei der Lungen-Variante kann es zu schwerer Atemnot kommen, sodass eine künstliche Beatmung und intensivmedizinische Behandlung notwendig wird. Eine kausale Therapie gegen eine Hantavirus-Infektion gibt es ebenso wenig wie eine Impfung.

Was kann man vorbeugend tun, um sich nicht mit dem Hantavirus anzustecken?

Insgesamt ist das Risiko einer Ansteckung sehr gering. Da die Viren jedoch auch im getrockneten Zustand infektiös sein können, kann es in seltenen Fällen durch Staubfegen in Scheunen und Schuppen oder durch aufgewirbelten Dreck, etwa beim Gebrauch von Laubbläsern, zu einer Ansteckung über die Lunge kommen.

Um sich zu schützen, sollte man Lebensmittelvorräte sicher vor Nagetieren aufbewahren. Wer Keller, Schuppen oder Garagen ausfegen möchte, sollte dies mit feuchten Lappen tun, um Staubentwicklung zu vermeiden. Zusätzlich schützen FFP2-Masken und Handschuhe.

Woher kommt der Begriff Hantavirus?

Der Name Hantavirus leitet sich vom koreanischen Fluss Hantan-gang ab. In den 1950er-Jahren erkrankten während des Koreakrieges Tausende Soldaten an einem schweren Hämorrhagischen Fieber. Das später identifizierte Virus wurde nach dem Fluss im heutigen Grenzgebiet zwischen Nord- und Südkorea benannt.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: