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23.03.2026
17:19 Uhr
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Wegen des Iran-Krieges erhöhen sich die Kosten für Flugbenzin drastisch. Vor allem die amerikanischen Airlines sind betroffen, denn sie haben das Risiko nicht abgesichert.

Lufthansa-Maschinen parken auf dem Hamburger Flughafen. Zwar hat die Fluggesellschaft schon vorausschauend Kerosin eingekauft, mittelfristig könnte aber auch sie von den hohen Kosten betroffen sein. Daniel Bockwoldt/dpa
Vor einer Woche noch taten die amerikanischen Fluggesellschaften so, als sei eigentlich nichts gewesen. Die Investmentbank J.P. Morgan hatte zu einer Konferenz geladen und die dort versammelten Vorstandschefs stellten alle das gleiche Rezept vor, wie sie mit den von jetzt auf gleich stark gestiegenen Treibstoffkosten umzugehen gedachten: Einfach die Preise erhöhen, die Nachfrage sei schließlich so stark, dass die Kunden das schon schlucken werden.
Einige Tage später sieht die Lage schon ganz anders aus. Am späten Freitagabend zog die US-amerikanische Fluggesellschaft United Airlines die Reißleine und kündigte an, die Kapazität für den Rest des Jahres um fünf Prozent zu senken und unter den neuen Bedingungen unprofitable Strecken zu streichen. United ist die größte Fluggesellschaft der Welt, andere werden dem Beispiel folgen. Die von Präsident Donald Trumps Iran-Krieg ausgelöste Ölkrise hat ausgerechnet die amerikanische Luftfahrt voll erwischt.
Der Preis für Kerosin ist in den vergangenen Wochen viel stärker gestiegen als der Ölpreis. Laut dem Branchenverband International Air Transport Association (IATA) kostete Öl der Marke Brent in der vergangenen Woche rund 36 Prozent mehr als im Durchschnitt des Monats Februar. Der sogenannte „Crack Spread“, also die Preisdifferenz inklusive Raffinierungskosten zwischen Rohöl und (in diesem Fall) Kerosin, stieg um 216 Prozent. Unter dem Strich kostet das Flugbenzin daher aktuell 83 Prozent mehr als im Februar. Das Barrel liegt damit derzeit bei 175 Dollar, in Europa sogar bei 191 Dollar, und damit sogar höher als nach dem Beginn des Ukraine-Krieges Anfang 2022.
Doch die Auswirkungen treffen die Airlines regional sehr unterschiedlich, die sich dadurch auch für die Verbraucher stark unterscheiden werden. Europäische Fluglinien und insbesondere die Lufthansa haben sich gegen steigende Preise durch das sogenannte Hedging zumindest für das laufende Jahr weitgehend abgesichert. Auch für sie werden die Treibstoffkosten steigen, doch lange nicht so drastisch wie für ihren Partner United. Deswegen ist in Europa auch nicht sofort mit einem starken Anstieg der Flugpreise zu rechnen. Der dürfte allerdings garantiert folgen, wenn die Treibstoffkosten über einen längeren Zeitraum hoch bleiben.
Die amerikanischen Airlines trifft die Entwicklung sofort und unmittelbar. Sie sind fast alle im Laufe der 2010er-Jahre, als die Branche mit wenigen Ausreißern von relativ niedrigen Ölpreisen profitiert hatte, zu dem Schluss gekommen, dass sich das Hedging nicht lohnt. Solche Sicherungsgeschäfte abzuschließen, kostet Geld, das die Anbieter als Provision kassieren. Außerdem besteht die Gefahr, dass man bei sinkenden Preisen mehr bezahlt als die Konkurrenz und damit im Kampf um Marktanteile benachteiligt ist. Southwest Airlines war der letzte der großen vier Anbieter, zu denen neben ihr und United auch noch American und Delta zählen, der im vergangenen Jahr die letzten Hedging-Verträge hat auslaufen lassen. Man könnte jetzt sagen: was für ein schlechtes Timing.
In Europa ist die Lage völlig anders. Die Lufthansa etwa hat 77 Prozent des erwarteten Treibstoffverbrauches für den Rest des Jahres zu einem Preis von 846 Dollar pro Tonne abgesichert – der Marktpreis liegt aktuell bei 1382 Dollar. Sie steht also nicht unter dem gleichen unmittelbaren Druck, reagieren zu müssen wie ihre amerikanischen Kollegen. Verzögert trifft sie allerdings der hohe Kerosinpreise auch, denn neue Verträge wird die Lufthansa mutmaßlich nur zu deutlich ungünstigeren Konditionen abschließen können.
Innerhalb der Branche sorgen die Folgen des Iran-Krieges für schwere Verwerfungen. Die großen amerikanischen Airlines werden aller Wahrscheinlichkeit United folgen und Kapazität herausnehmen, für die Europäer ist das auf dem Nordatlantik eine Chance – wobei die großen drei Fluggesellschaften, Lufthansa, Air France-KLM und British Airways/Iberia, über die Joint Ventures mit den Partnern United, Delta und American auch teilweise betroffen sind.
In den USA wird schon heftig darüber spekuliert, dass die Billigfluggesellschaft Spirit Airlines endgültig aufgeben muss. Sie steckt schon zum zweiten Mal innerhalb der vergangenen Jahre in einem Insolvenzverfahren und wollte die Sanierung eigentlich bis zum Frühsommer abschließen. Da hatte sie allerdings die (Sprit-) Rechnung ohne den Iran-Krieg gemacht. Spirit sorgte auf Inlandsstrecken mit bislang mehr als 200 Flugzeugen für Billig-Konkurrenz, die Zeiten dürften vorbei sein.
In Europa macht sich, was die Flugpreise angeht, derzeit allerdings noch ein weiterer Faktor deutlich bemerkbar: Auf den Langstrecken nach Asien fallen die großen Anbieter vom Golf – Emirates, Etihad und Qatar Airways – wegen der iranischen Drohnenangriffe auf die Golfstaaten derzeit und bis auf Weiteres weitgehend aus. Die Flugzeuge von Air France-KLM, Lufthansa, British Airways, Thai, Malaysia Airlines, Singapore Airlines und Turkish Airlines sind dafür umso voller. Und obwohl die meisten versuchen, zusätzliche Flüge zwischen Asien und Europa aufzulegen, reicht ihre Kapazität für die aktuelle Nachfrage hinten und vorne nicht. Dadurch sind selbst Sitze in der Economy Class derzeit nur zu Mondpreisen zu bekommen. Kleines Beispiel: München–Bangkok mit Lufthansa, Flug in zwei Wochen, 14 Tage Aufenthalt für 2745 Euro. Allerdings nur mit Handgepäck. Wer auch noch einen Koffer aufgeben will, zahlt noch einmal 110 Euro extra.
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