SZ 08.05.2026
18:20 Uhr

Hantavirus: Auswärtiges Amt bestätigt Deutsche an Bord des Kreuzfahrtschiffes


Das Schiff soll am Sonntag Teneriffa erreichen. Eine bislang noch gesuchte Person wurde als Verdachtsfall auf einer Insel im Südatlantik identifiziert. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Ausbruch des Hantavirus.

Hantavirus: Auswärtiges Amt bestätigt Deutsche an Bord des Kreuzfahrtschiffes
Medizinisches Personal geht am 6. Mai vor dem Hafen von Praia, der Hauptstadt von Kap Verde, an Bord des Kreuzfahrtschiffs Hondius. AFP

Das Kreuzfahrtschiff Hondius, auf dem das Hantavirus ausgebrochen ist, wird am Sonntag auf Teneriffa erwartet. Vor Ort bereiten sich internationale Fachleute bereits auf die Ankunft der Passagiere und Besatzung vor. Währenddessen suchen Behörden weltweit nach Kontaktpersonen. Die Lage im Überblick.

Wie viele Menschen sind gestorben?

Bislang sind drei Passagiere gestorben, mutmaßlich alle an einer Hantavirus-Infektion: eine Frau aus Deutschland und ein älteres niederländisches Ehepaar. Der Mann verstarb bereits am 11. April an Bord, zu dem Zeitpunkt war noch unklar, dass das Hantavirus möglicherweise die Ursache war. Seine Frau verstarb zwei Wochen später.

Wie viele Menschen wurden von Bord gebracht?

Am Mittwoch wurden drei Menschen unter medizinischer Begleitung von Bord des Schiffes geholt, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das niederländische Außenministerium mitteilten.

Die zwei kranken Besatzungsmitglieder – ein 56-jähriger Brite und ein 41-jähriger Niederländer – werden in Krankenhäusern in den Niederlanden behandelt.

Eine 65-jährige Deutsche befindet sich im Universitätsklinikum Düsseldorf. In Laboruntersuchungen konnte das Virus bei ihr nicht nachgewiesen werden. Weil die Inkubationszeit des Erregers aber sehr variabel sei und das Auftreten von Symptomen mehrere Wochen dauern könne, seien weitere Kontrollen und eine klinische Beobachtung erforderlich, hieß es vonseiten des Klinikums. Die Schutzmaßnahmen würden deshalb weiter aufrechterhalten.

Wie viele Menschen sind infiziert?

Am 7. Mai teilte die WHO mit, dass insgesamt acht Fälle gemeldet worden seien. Dazu zählen auch die drei verstorbenen Menschen. Bei fünf der acht gemeldeten Fälle wurde das Hantavirus nachgewiesen.

Derzeit sind vier lebende Menschen mit dem Virus infiziert. Eine Person ist in kritischer Verfassung und drei Personen zeigen leichte Symptome. Die Person in kritischer Verfassung wird auf einer Intensivstation im südafrikanischen Johannesburg behandelt. Zu den Personen mit leichten Symptomen zählen die zwei Männer, die in den Niederlanden behandelt werden. Ein weiterer Erkrankter ist ein Schweizer, der die Hondius bereits am 24. April auf der Insel St. Helena im Südatlantik verlassen hatte – er befindet sich nun in einer Klinik in Zürich. Sein Zustand sei stabil, berichtet das Krankenhaus.

Bei anderen ‌Kontaktpersonen gaben die Behörden unterdessen Entwarnung. Zwei Personen, die sich in der Nähe der später verstorbenen Niederländerin aufgehalten hätten, seien inzwischen negativ auf das Virus getestet worden, teilten die niederländischen Gesundheitsbehörden mit. Nach WHO-Angaben ist darunter auch die Flugbegleiterin, die mit Symptomen in ein Krankenhaus in Amsterdam eingeliefert wurde. Bei einer dritten Person werden die Testergebnisse am Freitag erwartet.

Am Freitag wurde aber ein weiterer Verdachtsfall auf der Insel Tristan da Cunha im Südatlantik identifiziert. Dort hatte das Kreuzfahrtschiff am 15. April angelegt. Nach Angaben des britischen Gesundheitsdienstes handelt es sich um eine Person mit britischer Staatsangehörigkeit. Weitere Angaben machte die Behörde nicht. Derzeit suchen die Behörden weltweit nach Kontaktpersonen.

Wie viele Passagiere befinden sich noch an Bord, wie geht es ihnen und wie geht es mit dem Schiff weiter? 

An Bord zeigt laut dem Reiseveranstalter derzeit niemand der fast 150 Menschen Symptome. Die Stimmung an Bord sei gut, sagte eine Sprecherin der Reederei. „Die Menschen fühlen sich sehr miteinander verbunden“, sagte sie der Nachrichtenagentur ANP. Auf dem Schiff befänden sich auch zwei auf Infektionskrankheiten spezialisierte niederländische Ärzte sowie zwei Epidemiologen, teilten WHO und der Veranstalter mit.

Am späten Mittwochabend nahm das Schiff Kurs auf die Kanarischen Inseln, die zu Spanien ‌gehören. Es soll am Sonntag Teneriffa erreichen, teilte die EU-Gesundheitsbehörde ECDC mit. Nach der Ankunft sollen alle Menschen an Bord untersucht und getestet werden. Wenn sie keine Symptome aufweisen, könnten sie nach Angaben des Veranstalters in ihre Heimatländer zurückkehren. Die 14 spanischen Passagiere müssen in einem Militärkrankenhaus in Madrid in Quarantäne. Das britische Außenministerium organisiert der Nachrichtenagentur PA zufolge einen Charterflug, um symptomfreie Briten nach Hause zu bringen.

Unter den Passagieren ist auch eine mittlere einstellige Zahl deutscher Staatsbürger, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Die Behörde koordiniere derzeit das weitere Vorgehen.

Wie viele Menschen hatten vor dem ersten Infektionsfall das Schiff verlassen?

Bei einem Zwischenstopp auf der Insel St. Helena am 24. April sind mehrere Passagiere von Bord gegangen. Wie viele das waren, ist bislang unklar. Der Reiseveranstalter Oceanwide Expeditions spricht von 29 Personen, die niederländische Regierung von 40 Personen. Auch die niederländische Frau, die wenig später in Johannesburg an dem Virus starb, verließ auf der Insel das Schiff.

Laut einer Mitteilung der britischen Gesundheitssicherheitsbehörde haben sieben britische Staatsangehörige auf St. Helena das Schiff verlassen. Zwei davon würden sich zu Hause selbst isolieren, die fünf anderen seien noch nicht zurückgekehrt. Vier befänden sich weiterhin auf St. Helena. Die fünfte Person wurde inzwischen auf der Insel Tristan da Cunha im Südatlantik gefunden und als Verdachtsfall identifiziert.

Wie ist das weitere Vorgehen für Kontaktpersonen?

Die Passagiere der Hondius kamen den Angaben zufolge aus etwa zwölf Ländern, auch aus Deutschland. Der Reiseveranstalter hat nach eigenen Angaben alle Passagiere informiert. Da das Schiff unter niederländischer Flagge fährt, ist auch das Land für die Lage an Bord zuständig. Nach Angaben des niederländischen Außenministeriums leiten nun die Gesundheitsbehörden Großbritanniens gemeinsam mit der WHO die Untersuchung, ob Passagiere mögliche Symptome aufweisen.

Die niederländischen Behörden haben Kontakt zu allen Passagieren an Bord der KLM-Maschine aufgenommen, an Bord derer sich die verstorbene Niederländerin kurze Zeit aufgehalten hatte. Die Passagiere werden den Angaben zufolge regelmäßig kontrolliert.

Droht mit Hanta eine neue Pandemie?

Das ist sehr unwahrscheinlich. Die WHO-Expertin und amtierende Nothilfekoordinatorin Maria Van Kerkhove sagt: „Dies ist nicht der Beginn einer Pandemie.“ Ein Vergleich mit dem Start der Coronapandemie vor sechs Jahren sei nicht angebracht. „Dies ist ein ganz anderes Virus“, sagte sie. „Es handelt sich um einen Ausbruch auf einem Schiff. Das ist ein begrenzter Raum. (...) Das ist nicht dieselbe Situation wie vor sechs Jahren. Dieses Virus verbreitet sich nicht auf dieselbe Weise wie Coronaviren.“

Der entscheidende Unterschied zu einem Pandemievirus wie dem Coronavirus Sars-CoV-2 liegt im Übertragungsweg: Hantaviren werden vor allem durch Kontakt mit Nagetieren oder deren Ausscheidungen auf den Menschen übertragen – nicht aber großflächig von Mensch zu Mensch, wie man es von einem Atemwegsvirus wie Corona kennt oder erwartet. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung findet eigentlich nicht statt.

Eine Besonderheit stellt jene Variante des Hantavirus dar, die insbesondere in Südamerika vorkommt und nun auch bei den Schiffspassagieren nachgewiesen wurde. Bei der Anden-Variante, die aktuell im Fokus steht, scheint eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich zu sein, es braucht dafür aber offenbar sehr engen Kontakt zu einem Infizierten.

„Die bislang dokumentierten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen des Anden-Virus traten überwiegend bei sehr engem und länger dauerndem Kontakt auf, etwa im familiären Umfeld oder in der medizinischen Versorgung“, sagt Oberstarzt Roman Wölfel, Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, dem Science Media Center (SMC).

Das Gesamtrisiko für die Allgemeinbevölkerung sei deshalb sehr gering, sagt Rowland Kao, Veterinärepidemiologe an der Universität Edinburgh. „Und die Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden Mensch-zu-Mensch-Übertragung noch geringer.“ Anders als bei einem Atemwegsvirus kann man bei Hanta auch einfacher Schutzmaßnahmen befolgen, insbesondere auch Kontakt zu Erkrankten vermeiden. „Das Risiko einer Weiterverbreitung in die Allgemeinbevölkerung sollte daher praktisch null sein“, sagt Andrew Pollard, Experte für Infektionskrankheiten und Immunologie an der Universität Oxford.

(Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters)

Auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik ist es zu mehreren Infektionen gekommen, drei Menschen sind gestorben. Was ist über den Erreger bekannt, wie steckt man sich an – und welche Möglichkeiten gibt es, sich zu schützen?

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