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04.05.2026
09:13 Uhr
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Angriffswille, Geschick und ein Auto mit Upgrades: Kimi Antonelli ist nach seinem dritten Sieg in Serie der dominante Fahrer der Formel 1 – und das Selbstbewusstsein des 19-Jährigen wird immer größer.

Es begann mit lang gezogenen Aaahs, gefolgt von ein paar Ooohs, garniert durch ein paar Uuuuhs. Den Soundtrack zum Neustart der Formel 1 lieferten die drei Erstplatzierten selbst, als sie vor der Siegerehrung nach einem hitzigen Rennen, dem besten in diesem Rennjahr, im Cooldown-Room noch einmal den Zusammenschnitt der besten Szenen verfolgten. Nach fünf Wochen Zwangspause melden sich die Königsklasse und ihre Hauptdarsteller gestärkt zurück. Und zwar, als hätte es weder den endlosen Zwist um das Elektro-Reglement noch die Warnung vor schweren Gewitterzellen gegeben, deretwegen der Start zum Großen Preis von Miami um drei Stunden vorgezogen war.
Alles blieb trocken, aber auch wenn sich die Wolken geöffnet hätten, wäre es Kimi Antonelli und Lando Norris vermutlich gelungen, diese Tatsache zu ignorieren. Der WM-Spitzenreiter im Mercedes und der Titelverteidiger im McLaren kämpften auf gleicher Höhe. Der Silberpfeil hat zwar nichts verloren, aber das orangefarbene Auto hat durch zahlreiche technische Upgrades gewaltig aufgeholt, war an diesem Nachmittag vermutlich das stärkste im Feld. Schon am Samstag hatten Norris und sein Teamkollege Oscar Piastri den Sprint dominiert. Beim Vorgeplänkel war Mitfavorit Antonelli durch seine – technisch bedingte – Startschwäche chancenlos. Auch im Hauptrennen fiel der Italiener zunächst zurück, was er später grinsend kommentierte: „Ich habe mich doch verbessert. Statt sechs Plätzen habe ich diesmal nur zwei verloren.“ Und zum dritten Mal nacheinander gewonnen, vor Norris und Piastri.
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Wettgemacht hat er das über 57 höchst unterhaltsame Runden durch hohe Konzentration, eine Zauberrunde nach einem strategisch perfekt platzierten Boxenstopp und durch einen nicht nachlassenden Angriffswillen, der ihn mehrmals über die Streckenbegrenzung trieb, so sehr saß ihm Lando Norris im Nacken. Sein sportlicher Ziehvater Toto Wolff drückte angesichts der beeindruckenden Nervenstärke seines erst 19 Jahre alten Schützlings beide Augen zu: „Normalerweise finde ich immer etwas zu kritisieren, diesmal nicht. Kimi schiebt das Limit hinaus. Lieber fange ich so jemand dann wieder ein, wenn es notwendig ist.“
Das ihm nachgesagte Wunderkind-Potenzial hat der italienische Mercedes-Zögling in Florida bestätigt, sein Siegeshattrick ist ein ganz besonderer: Kimi Antonelli ist der erste Formel-1-Fahrer in der Geschichte, der aus seinen ersten drei Pole-Positionen in Serie auch drei Siege hintereinander machen konnte. Der Dreifacherfolg wird das Selbstbewusstsein Antonellis noch weiter stärken, er führt die Gesamtwertung jetzt mit 100 Punkten an. Vor allem hat er 20 Punkte Vorsprung auf seinen Teamkollegen George Russell, der als Vierter ins Ziel kam und nur noch die zweite Geige im Rennstall spielt.
Als Mercedes-Chef muss Toto Wolff die Balance halten, aber der Österreicher spürt: „Kimi ist jetzt richtig in Fahrt gekommen.“ Noch verbietet Antonellis Renningenieur Peter Bonnington seinem Fahrer jegliches Nachdenken über den Titel, aber wer sich Weltmeister Lando Norris in einem besseren Auto mehrere Runden lang vom Hals halten kann, der sticht aus der Zahl der Kandidaten heraus. Zumal dann, wenn Mercedes beim nächsten Rennen in Montreal auch technische Neuheiten an den Start bringt, um möglichst zur bisherigen Überlegenheit zurückzugelangen.
Der Anfang des parallelen Entwicklungsrennens von Mensch und Material hat schon den grauen Nachmittag am Rande der Everglades zu einer großen Show gemacht, in der endlich wieder der Sport im Zentrum stand, nicht das Geschacher um Kilojoules. Zwar zeigte sich Norris nach den Regelanpassungen bisher nicht ganz versöhnt mit dem neuen Reglement, gestand aber ein: „Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Im Cockpit fühlt sich alles etwas normaler an jetzt, wir können wieder konstanter ans Limit gehen.“ So trieb er beharrlich Antonelli vor sich her, und die McLaren-Techniker versprechen für die nahe Zukunft weitere Verbesserungen.
Mindestens so erleichtert dürfte Chefkritiker Max Verstappen sein, dessen Red-Bull-Rennwagen jetzt wie der Ferrari mit einem rotierenden Heckflügel unterwegs ist. Aus dem Nichts konnte der Niederländer damit neben Antonelli in die erste Startreihe nach vorn schießen und nach einem frühen Boxenstopp im Rennen mit Leichtigkeit durchs Feld pflügen, am Ende wurde er ordentlicher Fünfter. Teamchef Laurent Mekies gestand, dass man das bisherige Auto quasi einmal komplett auseinandergenommen und neu aufgebaut habe. Verstappen lobte deshalb: „Endlich habe ich das Auto wieder im Griff und beginne wieder mich wohlzufühlen.“ Wie gut, das zeigt die spektakuläre Situation am Anfang des Rennens, als er seinen Wagen nach mehreren unfreiwilligen Pirouetten noch abfangen und dann seine Aufholjagd starten konnte.
Das Rennen im Süden der USA hat gezeigt, wie schnell sich die Dinge in der Formel 1 auch unter den neuen Gegebenheiten ändern können. Ferrari war als Mitfavorit gekommen und dann in einer Mischung aus Rennpech, Strategiefehlern und fahrerischen Patzern abgestürzt, am Ende blieben nur die Ränge sechs und acht für Lewis Hamilton und Charles Leclerc. Der Ton in Maranello wird nach den vielversprechenden ersten Rennen rauer. Leclerc schnauzte, bevor ihm eigene Malheure passierten, seinen Ingenieur an: „Wenn ihr das nächste Mal eine Entscheidung trefft, sprecht bitte auch mit mir. Ich bin auch noch da!“
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