SZ 19.05.2026
11:13 Uhr

Fernsehen: Schauspieler Alexander Held stirbt mit 67 Jahren


Der Schauspieler Alexander Held, unter anderem bekannt aus „München Mord“, ist tot.

Fernsehen: Schauspieler Alexander Held stirbt mit 67 Jahren
Alexander Held im Jahr 2018. Imago Images/Mary Evans

Auf die Intuition von Herrn Schaller war Verlass. Wenn der eigenwillige Kriminalhauptkommissar in seinem Columbo-Gedächtnis-Trenchcoat diesen gewissen Blick aufsetzte, als sei gerade ein Geist in ihn gefahren, und er sich dann auf den Boden legte oder mit unsichtbaren Feinden kämpfte oder sich anderweitig in einen Toten und dessen letzten Stunden hineinversetzte, dann mochten ihn Außenstehende für ein bisschen plemplem halten. Sein Team und wir Zuschauer aber wussten: Jetzt hat „der Ludwig“, von manchen nicht ganz grundlos „der Irre“ genannt, wieder eine Vision, und die wird am Ende zur Aufklärung der Tat führen, so wie in jeder Folge der ZDF-Serie „München Mord“, deren kauziger Chef-Ermittler er war.

Zusammen mit dem notorischen Stenz Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier) und der Ukulele spielenden Kollegin Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen) bildete dieser von Alexander Held so grandios skurril gespielte Ludwig Schaller das schrägste, liebenswürdigste, außergewöhnlichste Kommissars-Trio des deutschen Fernsehens. Von ihrem Kellerbüro aus ermittelten sie mit höchst unorthodoxen Methoden in Fällen, die immer auch Geschichten über München erzählten, mit viel Witz, Grant und Melancholie. Und der gebürtige Münchner Held war der stille Held der Reihe, sein stets freundlicher Schaller nicht nur ein Kommissar, sondern auch ein Philosoph. Ein lebenskluger Menschenversteher. Mit seinem schönen Münchnerisch, diesem warmen Wohlklang in der Stimme, sprach Held - oft auch als Erzähler aus dem Off - Sätze wie Weisheiten aus, etwa wenn sein Schaller befand: „Manchmal wohnt die Gerechtigkeit in einem Zimmer, zu dem die Justiz keinen Schlüssel besitzt“. Dass Ludwig Schaller einen Gelbwurst-Tick hatte, Handküsse verteilte und die Kollegin den modernen Zeitläuften zum Trotz als „Fräulein Flierl“ ansprach, gehörte zum unwiderstehlichen Retro-Charme, den Held seiner Figur verlieh.

„München Mord“, konzipiert von Alexander Adolph und Eva Wehrum, lief seit 2014, meist mit zwei Folgen im Jahr. Für viele Zuschauer ist die Serie Kult, mit ihren oft dialogstarken Drehbüchern und den feinen Reminiszenzen an die Stadt München eine Ausnahmeerscheinung in den Seichtgebieten des Krimi-TV - und sie war auch ein Geschenk für den Schauspieler Alexander Held, der als Schaller seine Paraderolle fand. Zwar spielte er seit 2010 auch in der ZDF-Krimireihe „Stralsund“ einen Ermittler, den Kriminalhauptkommissar Karl Hidde, der eine Beinprothese trägt, auch das: ein starker Charakter, ein Grantler mit Profil. Aber das Bayerische stand Held eben besonders gut.

Geboren wurde Alexander Held am 19. Oktober 1958 in München. Eigentlich träumte er davon, Fußballer zu werden. Als Jugendlicher war er Torwart beim Giesinger Traditionsverein 1860 München, gewann sogar Jugendmeisterschaften mit den Löwen. Bis er sich verletzte und umschwenkte auf die Schauspielerei. Seine Ausbildung machte er an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Er hatte 1980 auch gleich ein Engagement an den Münchner Kammerspielen und spielte an verschiedenen Bühnen unter anderem in Berlin, Hannover, Basel und bei den Salzburger Festspielen.

Doch es war die Kamera, die sein eigentümliches Talent sichtbar machte: dieses Gesicht, das gleichzeitig klug und erschöpft wirken konnte; diese leicht gebeugte Präsenz eines Mannes, der mehr wahrnimmt, als ihm lieb ist. Sein Filmdebüt feierte Held 1993 in der Kult-Krimireihe „Derrick“. Viele weitere Auftritte folgten, auch für internationale Produktionen wie „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg. Oft spielte er Nazi-Rollen, vielleicht wegen seiner Schärfe im Blick und seiner sprachlichen Präzision. So war er zum Beispiel in „Sophie Scholl“ mit Julia Jentsch der Gestapo-Beamte.

Held starb bereits am vergangenen Dienstag im Alter von 67 Jahren überraschend nach kurzer Krankheit, wie der eng mit ihm befreundete Fernseh-Produzent Sven Burgemeister mitteilte. Er lebte zuletzt im österreichischen Erl in Tirol. „Als Freund und Produzent war Alexander Held ein Geschenk: ein Mensch, ein Gentleman, ein Herr mit Feinsinn, Witz und großer Zuwendung“, sagte Burgemeister. Als Schauspieler sei er voller Überraschungen gewesen – mit unbeirrbarer Haltung – und habe all seinen Auftritten Tiefe verliehen. „Er wird uns allen unglaublich fehlen. Alexander bleibt für immer ein Held für mich“, sagte Burgemeister, der bei mehr als 30 Filmen mit dem Schauspieler zusammengearbeitet hat.

Der Sänger, Menschenfreund und Buntvogel Udo Lindenberg wird 80, und zum Jubiläum schenkt ihm die ARD eine angemessen joviale Doku.

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