SZ 23.04.2026
11:26 Uhr

Fernsehen: RTL will die Bundesliga ins Free-TV holen


Nach der Sky-Übernahme kündigt der Sender-Chef an, „so viele Spiele wie nie zuvor im frei empfangbaren TV“ zu zeigen. Außerdem verspricht er günstigere Abos und den Erhalt des Sky-Standortes in München.

Fernsehen: RTL will die Bundesliga ins Free-TV holen

Zehn Monate lang musste RTL auf die Genehmigung aus Brüssel warten. Am Mittwochabend dann gab die EU-Wettbewerbsbehörde grünes Licht für die Übernahme des Bezahlsenders Sky durch die Kölner, und zwar ohne Auflagen. Die Bertelsmann-Tochter RTL hat bereits konkrete Vorstellungen, wie es nun weitergehen soll. RTL und Sky wollen vor allem bei der Fußball-Berichterstattung eng zusammenarbeiten. Kernpunkt: RTL will den Bundesliga-Fußball ins Free-TV bringen.

„Es werden künftig so viele Spiele wie nie zuvor im frei empfangbaren TV zu sehen sein, die aktuelle Rechtelage ist dafür die Basis“, sagte Stephan Schmitter, der Chef von RTL Deutschland, der Süddeutschen Zeitung. Sky besitzt umfangreiche Fernsehrechte für die Fußball-Bundesliga: Die Partien der ersten Liga am Freitag und am Samstag sowie alle Begegnungen der zweiten Liga und alle 63  DFB-Pokal-Spiele laufen bei Sky. „Sky ist und bleibt die Heimat der Bundesliga“, betonte dazu Schmitter, der auch der Chef des fusionierten Unternehmens sein soll. Aber künftig, also von der kommenden Saison 2026/27 an, sollen bei RTL im Free-TV mehr Spiele zu sehen sein.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat grundsätzlich Rechte für die Ausstrahlung im Bezahlfernsehen an Sky vergeben. Es gibt aber in den Verträgen die Möglichkeit, einzelne Spiele auch im frei empfangbaren Fernsehen zu zeigen. Es handele sich um insgesamt zehn Begegnungen pro Saison, berichten Insider. Zudem zeigt RTL bereits jetzt am Samstagabend das Topspiel der zweiten Liga, außerdem Partien der deutschen Nationalmannschaft sowie der Europa und der Conference League, sozusagen die zweite und dritte Liga der europäischen Wettbewerbe. Laut Schmitter ist auch hier ein Austausch der Rechte zwischen RTL und Sky denkbar.

Auch über neue Abo-Pakete wird bei RTL bereits nachgedacht. „Es wird ab dem Sommer neue Abo-Angebote für Sky und RTL Plus geben“, kündigte Schmitter an. Und: „Wir wollen möglichst für jeden Geldbeutel etwas anbieten.“ Heute kostet ein Abo für RTL Plus etwa zehn Euro im Monat, im Paket mit anderem Streamingkanälen kann es auch günstiger sein. Der Streamingdienst Wow von Sky kostet zwischen 25 und 30 Euro im Monat, die Fußball-Pakete bei Sky bis zu 60 Euro im Monat.  Gleichzeitig ist es das Ziel Schmitters, auch das lineare und werbefinanzierte Fernsehen der RTL-Sender zu stabilisieren. Hier sind die Werbeeinnahmen und Quoten zuletzt zurückgegangen.

Das kostenpflichtige Streamingangebot RTL Plus hat derzeit rund sieben Millionen Kunden, Sky kommt auf fünf Millionen. Die Kundengruppen überschneiden sich nicht grundsätzlich, RTL hat eher jüngeres und weiblicheres Publikum, Sky eher älteres und männliches. Zusammen kommen RTL und Sky also Stand heute auf zwölf Millionen Abonnentinnen und Abonnenten und sind damit hinter Netflix und Amazon Prime die Nummer drei auf dem deutschen Streamingmarkt.

Schmitter spielt zudem mit dem Gedanken, einen frei empfangbaren Sky-Sender zu etablieren. „Wir prüfen auch, ob wir den Sport-Nachrichtenkanal Sky News HD im Free-TV ausstrahlen“, sagte der RTL-Deutschland-Chef. Sky News HD war lang im Free-TV zu sehen, sozusagen als Teaser für das Sky-Angebot, wurde dann aber kostenpflichtig. Die RTL-Gruppe verfügt mit n-tv bereits über einen großen Nachrichtensender.

Es ist einer der größten Mediendeals: Ende Juni 2025 hatte RTL die Übernahme von Sky angekündigt. Jetzt endlich geben die Wettbewerbsbehörden grünes Licht. Die Hoffnungen sind groß.

Die Übernahme von Sky durch RTL ist eine der größten Medientransaktionen in Deutschland der vergangenen Jahre. RTL macht in Deutschland einen Umsatz von etwa zwei Milliarden Euro, Sky kommt in etwa auf die gleiche Größenordnung. Sky beschäftigt nach dem jüngsten Jobabbau noch etwa 2000 Mitarbeitende, vor allem in Unterföhring bei München. „München ist und bleibt der Standort von Sky, das haben wir auch der bayerischen Staatsregierung versprochen“, betonte Schmitter. Die neue Firma werde künftig „und auf Dauer“ zwei Hauptstandorte haben, in München und in Köln.

Sky war aus dem einstigen Kirch-Unternehmen Premiere hervorgegangen. Der verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch hatte bereits 1990 Deutschlands erstes Bezahlfernsehen gegründet und von Anfang an auf Fußball gesetzt. Doch das Geschäft kam nie in die Gewinnzone und riss 2002 die gesamte Kirch-Gruppe in die Pleite. Premiere machte aber weiter, ging an die Börse, wurde dann von Rupert Murdoch übernommen und in Sky umbenannt. 2018 stieg der US-Medienkonzern Comcast ein. Von Juni an gehört Sky Deutschland nun zu RTL. Das größte Problem dürfte die Schaffung einer gemeinsamen technischen Plattform für alle Bezahlangebote sein, viele Sky-Kunden haben immer noch sogenannte Set-Top-Boxen, mit denen sie das Programm empfangen.

Vor fast 30 Jahren gründete er einen DVD-Versand und machte dann daraus den größten Streamingdienst der Welt. Jetzt will sich Reed Hastings zurückziehen  – und künftig Gutes tun.

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