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27.08.2026
12:28 Uhr
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In New York konnten Eltern ihre Kinder kürzlich für vier Stunden in die Obhut der Stadt geben. Eine gute Gelegenheit, sich mal kurz sich selbst zu widmen. Und zwar ohne schlechtes Gewissen.

Kolumnistin Friederike Zoe Grasshoff.
Lorenz Mehrlich
In New York müsste man leben. Nicht wegen der Restaurants, der Museen oder unzeitgemäßer „Sex and the City“-Illusionen, in denen man viel Alkohol trinkt und wenig Verantwortung trägt. Sondern wegen der anscheinend erstklassigen Einstellung von Bürgermeister Zohran Mamdani in Sachen Kinderbetreuung.
Mitte August war nämlich „Parents’ Night Out“, 265 Familien brachten ihre sechs- bis 13-jährigen Kinder der New York Times zufolge für vier Stunden in die Obhut der Stadt, wo sie betreut wurden. Die Eltern hatten frei.
Vier Stunden, das sind natürlich Lichtjahre. Was man da alles machen kann! Ein Festmahl kochen, arbeiten, in eine Partei eintreten, mal wieder putzen und Rage Against The Machine hören. Ja doch, sich ausnahmsweise so verhalten, als sei man gar nicht erziehungsberechtigt. Zwar war ich gerade wie mein Co-Kolumnist eine Woche alleine zu Hause, weil meine Tochter während der Kita-Sommerpause bei ihren Großeltern war, und doch kann ich der Idee einer regelmäßigen „Parents’ Night Out“ einiges abgewinnen (in New York war das eine einmalige Aktion).
Denn ich kenne viele Eltern, die glücklichere Eltern und auch glücklichere Partner und Individuen wären, wenn ihnen einmal im Monat jemand die Kinder abnähme – und das quasi die normalste Sache der Welt wäre. Glücklicher nicht, weil sie ihre Kinder nicht liebten – das muss man einer ungeschriebenen Regel zufolge immer dazusagen, wenn es darum geht, wie phänomenal kinderfreie Zeit ist –, sondern weil man sich selbst wieder als den Menschen erleben kann, der man früher einmal war. Eine ausgeschlafene und geduschte, sich um die eigenen Bedürfnisse kümmernde Person, die pünktlich zur Arbeit kommt und sogar Zeit für Freunde hat. Und nicht dieses Alltagsmonster, in das zumindest ich mich drei Mal pro Woche verwandele.
Natürlich kann man eine Oma oder einen Opa mobilisieren, wenn sie nicht sehr weit entfernt wohnen und ihre Rolle ernst nehmen. Oder sich einen Babysitter nehmen, was in meinen Breitengraden 20 Euro die Stunde kostet. Allerdings habe ich den Eindruck, dass Babysitter schon mal gefragter waren als heute. Als ich ein Kind war, waren sie allgegenwärtig, ich erinnere mich noch gut an eine Frau namens Bärbel, mit der ich im Park Müll auflas und Unterschriften gegen Walfang sammelte. Statt Teppich hatte sie Sand auf dem Boden ihrer Wohnung, und ich liebte es, bei ihr zu sein.
Heute bleiben nicht wenige Eltern dann eher doch zu Hause, zumindest in meinem Umfeld, wo fast immer beide arbeiten und man beim ersten Kind nicht mehr 27 ist, sondern Mitte 30. Weil man müde ist oder ein schlechtes Gewissen hätte, sich auch noch am Wochenende zu absentieren, weil die Kinder eh schon montags bis freitags in die Kita gehen.
Was mir an der New Yorker Idee am besten gefällt? Dass damit darauf aufmerksam gemacht wird, wie wenig freie Zeit Eltern eigentlich haben. Und dass es total okay ist, sich ein paar freie Stunden zu nehmen, ohne sich latent schuldig zu fühlen.
In dieser Kolumne schreiben Patrick Bauer und Friederike Zoe Grasshoff im Wechsel über ihren Alltag als Eltern. Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.
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