SZ 08.05.2026
14:09 Uhr

Einbürgerung: Noch nie gab es so viele Neu-Bayern wie jetzt


Knapp 60 000 Menschen haben vergangenes Jahr in Bayern die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten – ein neuer Rekordwert. Innenminister Herrmann spricht von einer Erfolgsgeschichte, will die Regeln aber trotzdem verschärfen.

Einbürgerung: Noch nie gab es so viele Neu-Bayern wie jetzt
„Gemeinsam die bayerische Erfolgsgeschichte fortschreiben“ – Szene vom Neubürger-Empfang einer Gemeinde im Landkreis München. Foto: Claus Schunk

Der Trend der vergangenen Jahre setzt sich fort: 59 573 Menschen erhielten vergangenes Jahr in Bayern über eine Einbürgerung die deutsche Staatsbürgerschaft. Das ist erneut ein Rekordwert. Nach Zahlen des Landesamts für Statistik waren das fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Gegenüber den Jahren 2021 und 2022 hat sich die Zahl der Einbürgerungen mehr als verdoppelt, verglichen mit dem Jahr 2014 sogar vervierfacht.

Das häufigste Herkunftsland 2025 war die Türkei, mit 6495 Eingebürgerten. Dahinter folgen in der Statistik Personen aus Syrien (4979), Kosovo, Russland sowie Bosnien und Herzegowina (jeweils etwa 4100). 15 Prozent aller Eingebürgerten kommen aus EU-Mitgliedsstaaten. Platz eins in dieser Kategorie ist das Herkunftsland Rumänien (2620), dahinter folgen mit je etwas weniger als 1000 Personen Polen, Italien, Ungarn und Kroatien.

Wie seit einigen Jahren kommen internationale Fluchtbewegungen zeitversetzt in der Statistik an. Viele Zugewanderte, die um das Jahr 2015 nach Deutschland gekommen sind, leben nun seit gut einem Jahrzehnt hier und erfüllen die Voraussetzungen für die deutsche Staatsangehörigkeit. Bei den Syrerinnen und Syrern gab es aber einen Rückgang an Einbürgerungen im Vergleich zum Vorjahr.

Nachzuweisen für die Staatsbürgerschaft sind unter anderem ausreichend Deutschkenntnisse, die eigene Sicherung des Lebensunterhalts und ein Einbürgerungstest, der auch durch einen hiesigen Schulabschluss ersetzt werden kann; außerdem darf keine Verurteilung wegen einer Straftat vorliegen.

Von den Eingebürgerten war ein Fünftel minderjährig, der Großteil (58 Prozent) ist im Alter zwischen 18 und 44 Jahren. Gut die Hälfte der knapp 60 000 Personen sind Frauen. Aufgrund hoher Ausländeranteile in den Großstädten München, Nürnberg und Augsburg entfielen auf die Regierungsbezirke Oberbayern (22 982), Mittelfranken (8 863) und Schwaben (8 814) addiert insgesamt 69 Prozent aller Einbürgerungen in Bayern im vergangenen Jahr.

„Die Einbürgerung ist viel mehr als nur ein formaler Akt. Es ist die bewusste Entscheidung für Deutsch­land und Bayern und der Schritt in eine mitbestimmte Zukunft in der neuen Heimat“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag. Da gab es nicht nur die neuen Daten des Statistikamts, sondern der Minister überreichte auch in Fürth exemplarisch die Urkunden an einige neue Bürgerinnen und Bürger des Freistaats.

Bayerns Innenminister Joachim Hermann präsentiert die Asylbilanz für das Jahr 2025 und lobt den „erfolgreichen Kurswechsel in der Migrationspolitik“. Nach Jahren hoher Zuwanderung hat sich die Zahl der Asyl-Neuzugänge demnach mehr als halbiert.

Diese hätten mit ihrem Entschluss zur Einbürgerung, so Herrmann, ein Bekenntnis zu den Werten und Gesetzen hierzulande gezeigt. Sie genössen nun alle Rechte und Pflichten, es gelte, „gemeinsam anzupacken und die bayerische Erfolgsgeschichte fortzuschreiben“.

Die Grundlage für Einbürgerungen ist Bundesrecht, und zwar ein durch die Ampel reformiertes Gesetz, das im Sommer 2024 in Kraft getreten ist. Damit wurden manche Erleichterungen zur Einbürgerung geschaffen, etwa wurde die regulär erforderliche Aufenthaltszeit von acht auf fünf Jahre verkürzt. Auch wird Mehrstaatigkeit seitdem generell hingenommen und muss nicht die Ausnahme sein. Allerdings hatte die jetzige Bundesregierung aus Union und SPD später die Möglichkeit einer sogenannten Turbo-Einbürgerung – schon nach drei Jahren Aufenthalt bei „besonderer Integrationsleistung“ – wieder außer Kraft gesetzt.

Herrmann sprach sich am Freitag dafür aus, wieder zum Regelfall von acht Jahren Aufenthalt zurückzukehren. „So wird die unerlässlich vollständige Integration in die deutschen Lebensverhältnisse am ehesten garantiert.“ Die Anforderungen bei Sprache und Erwerbsarbeit seien in fünf Jahren „häufig nicht seriös zu bewältigen“. Die Einbürgerung müsse „Schlussstein einer gelungenen Integration“ sein. Eine Obergrenze für Einbürgerungen, wie sie zuletzt etwa die AfD im bayerischen Landtag gefordert hat, hält Herrmann für den falschen Ansatz. „Der richtige Weg ist, die Voraussetzungen für eine Einbürgerung wieder strenger zu fassen.“

Im System der Tests für Einbürgerung und Sprachnachweis hatte es jüngst immer wieder Medienberichte über Betrug gegeben. Neben gefälschten Zertifikaten sollen etwa Stellvertreter illegalerweise die Prüfungen für andere Personen abgelegt haben. Bundesweit laufen nach wie vor Ermittlungen dazu. „Integration benötigt nicht nur Zeit, sondern auch verlässliche und manipulationssichere Verfahren. Deshalb müssen Einbürgerungsverfahren vor Täuschungen geschützt werden“, sagte der Minister. Die Bundesregierung habe unter anderem Maßnahmen für Fälschungssicherheit ergriffen.

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