SZ 10.10.2026
17:56 Uhr

Bundesliga: Der Tag der Kunsttore


Beim Sieben-Tore-Spiel in Mainz gelingt Leverkusens Robert Andrich ein Traumtor. Auch der HSV, Union und Stuttgart jubeln nach sehenswerten Treffern. Das Wichtigste zum Bundesliga-Spieltag.

Bundesliga: Der Tag der Kunsttore

Die Kategorie „Was macht eigentlich …?“ ist ein beliebtes Stilmittel von Fach- und Nachrichtenmagazinen, es rückt verdiente Protagonisten für einen Moment wieder ins Licht. Bei Bayer Leverkusen war zu Saisonbeginn zweifellos Robert Andrich ein Kandidat für diese Kategorie. Als Kapitän hatte er in der vergangenen Saison in fast allen Spielen mitgewirkt, der neue Trainer Carles Martínez aber fand für den 32-Jährigen bis zuletzt keine dauerhafte Herberge in der defensiven Zentrale. „Es bleibt mir nichts anderes übrig, als Gas zu geben und mich aufzudrängen“, sagte Andrich vor der Partie gegen Mainz. Nun denn: Weil Ezequiel Fernández spät von seiner Länderspielreise mit Argentinien zurückgekehrt war, rutschte Andrich in Mainz in die Startelf.

Dort beantwortete er die Frage, was er in dieser Saison eigentlich treibt, nach fünf Minuten so: Traumtore schießen! Nach Kopfballbogenlampe von Philipp Mwene sah Andrich, dass der Ball an der Strafraumkante vor seine Füße plumpsen würde, er nahm ihn volley – und jagte ihn krachend ins Tor. Als Patrik Schick vier Minuten später das 2:0 erzielte, schien die Frage, welche Rolle Leverkusens Defensive in dieser Partie spielen würde, rasch zur Nebensache zu geraten. Hätte, ähem, Andrich nach gut einer halben Stunde nicht einen Kopfball vor die Füße von Anthony Caci gelenkt – 1:2.

Der Anschlusstreffer warf Leverkusen für eine Weile völlig aus der Spur, Caci schlenzte nicht mal zehn Minuten später den Ball zum Ausgleich ins Tor. Doch nach der Halbzeit reparierten Andrichs Kollegen die Sache. Jarell Quansah traf per Kopfballbogenlampe in der 55. Minute (obwohl Schick den Ball zuvor womöglich mit der Hand berührt hatte). Das 2:4 fiel dann wieder in die Kategorie Traumtor: Moussa Diaby schlenzte Ball von der Strafraumkante in den Winkel (65.). Das 3:4 von Benedict Hollerbach in der Nachspielzeit kam für Mainz zu spät. Doch ob drei Gegentore eine Empfehlung sind für die gelernte Defensivkraft Robert Andrich?

Und was macht eigentlich … Hamburgs Offensive?

Tore hatte sie Saisonauftakt zumindest nicht geschossen, die ersten drei Spiele waren ohne eigenen Treffer verlaufen. Aber wie das bei Offensivkräften so ist: Manchmal reicht ein Tor – Yussuf Poulsen war das spielentscheidende beim ersten Saisonsieg gegen Köln gelungen –, schon kreiselt der Mittelstürmerkompass wieder verlässlich. Eben jener lotste Poulsen gegen Hoffenheim prompt so sicher in den Fünfmeterraum, dass der 32-Jährige einen Abpraller vom Innenpfosten ins Tor drücken konnte (12.).

Und was stellen eigentlich die TSG und Christian Ilzer an, die Entdeckungen der vergangenen Saison? Nun, wie das so ist nach drei Punkten aus vier Spielen: Da reichen nicht einmal ein Eigentor durch HSV-Verteidiger Sebastiaan Bornauw und ein feines Tänzchen von Bambasé Conté vor dem 2:1 (53.). Denn Hoffenheims Bernardo brachte es fertig, dank zweier Vergehen binnen zehn Minuten Gelb-Rot zu sehen. So hatte erst ein Zugang seinen Auftritt, dessen erstes Tor sie beim HSV ebenfalls schwer herbeigesehnt hatten: Terem Moffi traf per Kopf zum 2:2 (83.). Miro Muheim gelang in der vierten Minute der Nachspielzeit dann tatsächlich noch das 2:3, per, klar, Direktabnahme von der Strafraumkante.

Was ist bitte mit Eintracht Frankfurt los?

Das war am Samstagabend eine berechtigte Frage. Vollwertige Kunsttore waren es nicht, die RB Leipzig erzielte. In diesem Fall machte es eher die Masse: Sechs Tore wurden es! Christopher Nkunku erzielte beim 6:0 (4:0) einen Hattrick (5./41./44. Minute). Außerdem trafen Ezechiel Banzuzi (1.), Antonio Nusa (54.) und Tidiam Gomis (89.). Die Frankfurter waren am Ende einfach nur froh, dass es vorbei war, während Leipzig auf Tabellenplatz fünf kletterte – und Trainer Martin Demichelis, der in dieser Spielzeit schon erhebliche Kritik vernommen hatte, erst einmal etwas besser nächtigen kann.

Was tun, wenn auch anderen Spitzenteams aus der Vorsaison das Fußballspielen schwerfällt?

Dann muss man es mit Handball versuchen. So sah es jedenfalls bisweilen aus, wenn der VfB Stuttgart (erst ein Sieg in der Liga und vier Niederlagen) den Strafraum von Aufsteiger Paderborn (immerhin ein Sieg und ein Unentschieden) umstellte. Die rettende Lösung fiel den Stuttgartern nach 25 Minuten ein: Angelo Stiller flankte von der Strafraumkante an den zweiten Pfosten, Stuttgarts Abwehr-Jeff, Pardon, Chef, Jeff Chabot schien mit seinem Körper schon fast ins Toraus gesegelt zu sein – schaffte es per Kopf aber irgendwie, das 0:1 zu erzielen.

Noch eine gute Nachricht für den VfB: Chris Führich (83.) setzte einen Kracher unter die Unterkante der Latte und erstickte jegliche Paderborner Comeback-Vorhaben in Halbzweit zwei. Ganz ohne eine besorgniserregende Nachricht kam allerdings auch dieser Spieltag nicht aus für den Sieger: Jeff Chabot trottete in Halbzeit zwei angeschlagen vom Platz.

Und wer hatte noch keinen Kunstschuss an diesem Samstag? 

Livan Burcu von Union Berlin! Der lauerte in Minute 81 nach einem Eckball an der, klar, Strafraumkante, und traf, klar, per Direktabnahme. Etwas Glück war dabei, Elversbergs Felix Keidel hatte dem Ball den entscheidenden Dreh gegeben, sodass Torwart Nicolas Kristof chancenlos auf der Linie verharrte. Doch die Gastgeber hatten den Aufsteiger, der so stark in die Saison gestartet war, schon davor immer wieder in Bedrängnis gebracht. Für Union war es der erste Saisonsieg in der Liga unter dem neuen Trainer Mauro Lustrinelli.

Der frühere Dortmunder trifft für Werder Bremen in der Nachspielzeit zum 2:2 – die Euphorie beim BVB ist nach dem guten Saisonstart erst einmal verflogen.

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