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23.09.2026
12:35 Uhr
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Eine riesige Staubwolke, bröselnde Felsen und trotzdem keine Gefahr für Wege oder Gebäude – was steckt hinter dem Felssturz an der Zugspitze?

Eine große Staubwolke ist an der Zugspitze zu sehen, nachdem sich am Grenzkamm mehrere Kubikmeter Felsen gelöst haben.
Dominik Bartl/dpa
Dass da droben irgendetwas passiert sein musste, war auch 2000 Meter tiefer im Tal mehr als deutlich zu sehen. „Eine brutale Staubwolke“ sei da über der Zugspitze gehangen, sagt der Grainauer Bürgermeister Stephan Märkl – eine Staubwolke, wie er selbst noch nie eine gesehen habe in seinen 55 Lebensjahren am Fuß der Zugspitze. Weit droben, knapp unterhalb der Bergstation der Tiroler Zugspitzbahn, hatte sich am Dienstagfrüh eine Felsplatte gelöst und war zu Tal gestürzt. Den ganzen Tag über fielen an der Abbruchstelle noch kleinere Brocken in die Tiefe. Das, sagt Märkl, sei noch bis hinüber ans Hochthörle zu hören gewesen, von wo aus sich der Grainer Bürgermeister am Abend einen Einblick in die Stelle verschafft hat.
Diese Stelle liegt knapp jenseits der Grenze auf der österreichischen Seite von Deutschlands höchstem Berg. Drüben in Tirol gibt man sich gelassen. Nach Einschätzung von Franz Dengg, dem Geschäftsführer der Tiroler Zugspitzbahn, haben sich etwa 20 bis 30 Kubikmeter Gestein gelöst, ein vergleichsweise „ganz kleiner“ Felssturz. Kalkstein verursache aber große Staubwolken, wenn er ins Tal stürze. „Von einem Schaden kann man nicht sprechen“, sagte er. „Das ist nichts Außergewöhnliches.“
Sowohl die Tiroler Zugspitzbahn als auch die etwas weiter südlich gelegene Ehrwalder Almbahn nahmen ihren Betrieb am Mittwoch wie gewohnt auf, wie den Webseiten der beiden Betriebe zu entnehmen ist.
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Menschen sind an der Stelle schon seit einer ganzen Weile nicht mehr unterwegs. Zwar verläuft dort der sogenannte Bayernsteig, der vom Eibsee herauf zur Wiener Neustädter Hütte und zum bekannten Stopselzieher-Klettersteig führte. Doch dieser Weg wurde schon länger nicht mehr gepflegt. 2024 haben ihn die Behörden bis auf Weiteres ganz gesperrt. Daher bestehe auch keine Gefahr für Wanderer und Bergsteiger, versichert Dengg.
Ganz zur Ruhe gekommen ist der Fels dort auch am Mittwoch nicht. „Da löst sich immer wieder was“, sagt der stellvertretende Bereitschaftsleiter Franz Dörfler von der Bergwacht Grainau der Nachrichtenagentur dpa. „Anscheinend bröselt es jetzt auch wieder nach.“ Überrascht ist Dörfler von dem Felssturz nach eigenen Worten nicht. Die Dimension aber sei ungewöhnlich für den 2962 Meter hohen Berg. „In dem Ausmaß ist es definitiv nicht öfter.“
Was die Menge des abgebrochenen Gesteins betrifft, ist Dörfler zurückhaltend. Das Gebiet sei nicht zugänglich und nur schwer einsehbar. Laut Märkl soll am Mittwoch eine Drohne exakte Aufnahmen von der Abbruchstelle liefern.
Der Wettersteinkalk, aus dem das ganze Bergmassiv besteht, gilt Geologen als recht brüchiges Gestein. Tief im Inneren des Zugspitzgipfels wird es auch von scheinbar ewigem Eis zusammenhalten, das selbst im Hochsommer nicht schmilzt. Doch in den Alpen steigen die Temperaturen im Klimawandel noch schneller als im Flachland. Der Permafrost ist auch auf und in Deutschlands höchstem Berg längst auf dem Rückzug.
Die bayerische Seite der Zugspitze, der Eibsee und das Loisachtal bei Grainau und Garmisch-Partenkirchen sind in ihrer heutigen Gestalt von einem gewaltigen Bergsturz geprägt. Vor mehr als 3700 Jahren lösten sich an der Nordflanke des Bergs rund 200 Millionen Kubikmeter Gestein, teils hausgroße Brocken rasten bis zu zehn Kilometer weit ins Tal. Ein Teil dieses Materials rollte sogar wieder bis zu 100 Meter weit die gegenüberliegende Bergflanke hinauf.
Forscher und Bergretter stehen vor der Frage, wie der Klimawandel das Risiko für die Menschen in den Alpen verändert. Am Beispiel der Zugspitze zeigen sie, dass es in Bayern wohl immer öfter zu Unfällen, Unwettern, Muren und Hangrutschen kommen wird.
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