SZ 25.04.2026
16:05 Uhr

(+) Übernahme-Streit: Finanzaufsicht untersagt Unicredit Anti-Commerzbank-Werbung


Kritische Aussagen der italienischen Bank über die Commerzbank haben die Finanzaufsicht auf den Plan gerufen. Die Bafin kritisiert die Anzeigen der Unicredit nicht nur als „reißerisch und unsachlich“, sondern hat sie nun sogar verboten.

(+) Übernahme-Streit: Finanzaufsicht untersagt Unicredit Anti-Commerzbank-Werbung

Die Finanzaufsicht Bafin fährt der italienischen Großbank Unicredit bei ihrer Kampagne zu einer Übernahme der Commerzbank in die Parade. Die Bonner Behörde untersagte Unicredit in einem am Freitagabend veröffentlichten Bescheid Negativ-Werbung in Social-Media-Anzeigen gegen die Commerzbank, aber auch kritische Aussagen zu dem Übernahmeziel, wie sie Unicredit-Chef Andrea Orcel am Montag in einer Telefonkonferenz getätigt hatte. Sie verweist dabei ⁠auf das Wertpapier-Übernahmegesetz, das derartige Werbeaussagen während einer Übernahme untersage. Wenn die Unicredit sich nicht daran halte, drohe ihr ein Bußgeld. Die italienische Bank räumte eine „zweideutige Formulierung“ ein, kritisierte aber zugleich eine „überaggressive und persönliche Wortwahl“ der Gegenseite.

„Die Unicredit hatte als Bieterin im Übernahmeverfahren Werbeanzeigen in reißerischer und unsachlicher ‌Aufmachung in den sozialen Medien veröffentlicht. Diese enthielten Mutmaßungen zur wirtschaftlichen ‌Lage der Commerzbank AG“, teilte die Bafin mit. In den Anzeigen wird die Commerzbank als „vernachlässigt“, „unsicher“ und „kurzfristig orientiert“ bezeichnet, kontrastiert mit Unicredit, die als „stark“, „wettbewerbsfähig“ und „führender Anbieter“ dargestellt wird. Die Online-Anzeigen waren parallel zu der Telefonkonferenz mit Orcel veröffentlicht worden,
der dort für eine Übernahme der Commerzbank geworben und deren
Führung ebenfalls stark angegriffen hatte. Inzwischen hat Unicredit sie entfernt.

Die Bank erklärte am Freitagabend, sie habe mit der Anzeige für ihre „positive Vision“ für die Commerzbank werben wollen. Ein Wort habe aber in ‌der Übersetzung aus dem Englischen falsch interpretiert werden können. Aber auch die Gegner der Transaktion hätten von Anfang an verbal ausgeteilt. „Es wäre im besten ‌Interesse aller Beteiligten, sich in der Wortwahl ‌zu mäßigen, so dass sich alle auf die Substanz des Themas konzentrieren können“, erklärte die Mailänder Bank. Es gehe um die beste Zukunft für die Commerzbank. „Das ist die einzige Frage, die von Bedeutung ist.“ Die SZ hatte am Donnerstag darüber berichtet, dass die Finanzaufsicht die Kommunikation der Unicredit prüft.

Die Bafin sieht in den Anzeigen und in der Äußerungen von Unicredit nun tatsächlich eine unzulässige ‌Beeinflussung der Aktionäre der Commerzbank. „Unsachliche Äußerungen, die Verbreitung irreführender Analysen und Prognosen sowie Werbung, die mehr auf die Suggestivkraft der Aussagen als auf deren wirtschaftlichen Kern abstellt, sind in Übernahmeverfahren nicht erlaubt“, hieß es in der Mitteilung. Das Verbot solle „sicherstellen, dass Anlegerinnen und Anleger nicht durch unklare oder irreführende Werbung getäuscht werden“. Unicredit hat ein Übernahmeangebot für die Commerzbank angekündigt, das Anfang ⁠Mai beginnen soll. Damit will Unicredit primär die Hürde von 30 Prozent ‌überspringen, um danach ‌freie Hand bei der Aufstockung der Anteile zu haben. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp wehrt sich gegen einen Verkauf der Commerzbank an Unicredit. Auch die Bundesregierung hat sich wiederholt gegen einen Verkauf der Commerzbank an die Unicredit ausgesprochen.

Orcel könnte mit der Aktion seinen Ruf bei der Aufsicht zumindest teilweise auf Spiel gesetzt haben. Allen voran die Bankenaufsicht bei der EZB hatte den Einstieg von Unicredit bei der Commerzbank zuletzt stets wohlwollend begleitet und alle Schritte genehmigt. Grundsätzlich steht sie europäischen Bankenfusionen positiv gegenüber. Für einen weiteren Anteilserwerb muss Orcel nun zusätzliche Genehmigungen einholen.

Die Unicredit ätzt öffentlich gegen die Commerzbank. Die sei „unsicher“ und „vernachlässigt“. Jetzt schalten sich offenbar die Bafin und die EZB ein.

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