SZ 25.05.2026
12:05 Uhr

(+) USA: Trumps toxische Trümmer


Als der US-Präsident den Ostflügel am Weißen Haus für einen Ballsaal abreißen ließ, landete der Bauschrott auf einem öffentlichen Golfplatz. Nun will Donald Trump die Anlage ganz übernehmen, aber es regt sich Widerstand.

(+) USA: Trumps toxische Trümmer

Wer in Washington gepflegt Minigolf spielen will, dem sei der East Potomac Miniature Golf Course empfohlen. Noch. Die Anlage mit ihren 18 Löchern aus dem Jahr 1931 gilt nicht nur als ältester Minigolfplatz der USA, sie ist auch aus anderen Gründen jederzeit einen Besuch wert. Da wäre etwa jene Bahn, auf der der Ball unter Miniaturfassaden des Weißen Hauses, des Kapitols und der Residenz von George Washington in Mount Vernon durchrollen soll.

An dieser Stelle haben die Minigolfspieler außerdem einen schönen Blick auf eingezäunte Hügel im öffentlichen Golfklub direkt nebenan, am vierten und neunten Loch. Darunter ist der Ostflügel des echten Weißen Hauses begraben. Diesen East Wing ließ Donald Trump im vergangenen Jahr abreißen, um stattdessen für etwa 400 Millionen Dollar oder noch viel mehr Geld einen vergoldeten Ballsaal mit Drohnenabwehr bauen zu lassen.

Die Trümmer wurden mit Lastwagen die drei Kilometer von Trumps Amtssitz zu diesem East Potomac Golf Course gefahren und neben den Greens abgeladen, was aus mehreren Gründen für Ärger sorgt. Erstens müssen die Golfer wegen der Reste des Ostflügels seither Umwege nehmen. Zweitens ist das Zeug schadstoffbelastet, wie Bodenproben ergaben. Drittens möchte Trump diesen öffentlichen Golfplatz gleich ganz übernehmen, was auch den Minigolfplatz betreffen würde.

Der US-Präsident möchte die Hauptstadt umbauen, zu seinen weiteren Plänen gehört ein Triumphbogen. Doch der Widerstand wächst – unter anderem am East Potomac Golf Course auf dieser Insel im Fluss, unterhalb des Jefferson Memorials. Denkmalschützer hatten schon gegen Trumps geplanten Ballsaal geklagt. Jetzt wendet sich der Protest auch gegen seinen Umgang mit dem populären Golfplatz.

Dieses begrünte Gelände ist noch älter als der angeschlossene Minigolfplatz, 105 Jahre. Die 18 Löcher können je nach Tag für läppische 42 bis 48 Dollar bespielt werden. Trump, der seine Wochenenden bevorzugt auf seinen Golfplätzen verbringt, meistens in Florida, will aus diesem Kleinod offenbar einen Treffpunkt für Profis und Millionäre machen. Aber er trifft auf Gegner, sie wehren sich gegen Mülldeponie und Größenwahn.

„Wir wussten, dass der Abriss des Ostflügels und die Veränderungen am East Potomac rechtlich toxisch waren“, zitiert die New York Times Norm Eisen von der Vereinigung Democracy Defenders Fund. „Nun wissen wir, dass sie auch ökologisch toxisch sind.“

Die Schuttberge erinnern entfernt an den Münchner Olympiapark, sind allerdings niedriger und nicht den Bombardements eines Weltkriegs geschuldet, sondern den Fantasien des Mannes im Oval Office. In den vorher verbauten Rohren, Steinen oder Drähten des einst stolzen East Wings wurden giftige Schwermetalle entdeckt, darunter Chrom und Blei, was Ökologen besorgt. Um den Golfplatz herum sind auch gerne Radler und Jogger unterwegs – ein Richter hat den Regierungsleuten kürzlich bereits verboten, Bäume zu fällen.

Es könne nicht sein, dass Trump dieses öffentliche Gut in einen privaten Spielplatz für Reiche verwandle, erklärte jetzt ein Anwalt der Kläger. Die Minigolfbahn mit dem Weißen Haus in der Mitte ist übrigens herrlich tückisch, der Ball knallt leicht gegen die Mauer.

Mitten in die legendäre Sichtachse der National Mall in Washington, D.C., will Donald Trump seinen gigantomanischen Triumphbogen hineinstellen lassen. Ein lausiger Feldherr, zum eigenen Ruhm. Von dem verzweifelten Versuch, ewig zu leben.

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