SZ 14.09.2026
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(+) US Open im Tennis: Zverev gewinnt seinen nächsten Grand-Slam-Titel


Alexander Zverev setzt einem überragenden Jahr die Krone auf und triumphiert nach seinem French-Open-Sieg auch bei den US Open. Im Finale bezwingt er mit kühlem Kopf den umjubelten US-Amerikaner Ben Shelton.

(+) US Open im Tennis: Zverev gewinnt seinen nächsten Grand-Slam-Titel

Noch einmal wurde es laut, so laut, dass man sich die Ohren zuhalten musste. Noch einmal feuerten die Zuschauer in der Arthur Ashe Arena, dem größten Tennisstadion der Welt, Ben Shelton an. Der 23-Jährige aus Atlanta stand mit dem Rücken zur Wand. Die ganzen Hoffnungen lagen ja auf seinen Schultern, dass er endlich nach 23 Jahren wieder für einen Triumph bei den US Open eines amerikanischen männlichen Spielers sorgen würde.

Doch ein Deutscher gab den Spielverderber. Alexander Zverev hatte nämlich etwas dagegen.

Der 29 Jahre alte Tennisprofi servierte sicher sein letztes Aufschlagspiel aus, und nach 3:33 Stunden hatte er tatsächlich das Finale gewonnen. Als er seinen ersten Matchball zum 6:3, 7:6 (2), 5:7, 6:2-Erfolg verwandelt hatte, ging er erst mal zur Grundlinie, spielte einen Ball zu Shelton. Erst nach Sekunden kapierte er: Er war Champion. Erst jetzt hob er beide Arme. Was für eine skurrile Jubelszene beim zweiten großen Triumph des gebürtigen Hamburgers.

Jelena Rybakina entthront die zweimalige Siegerin Aryna Sabalenka im Endspiel von New York und löst die Belarussin als Nummer eins der Welt ab. Bis heute wirkt die Kasachin wie ein Anti-Star im Tenniskosmos.

Für Zverev, der ein Jahrzehnt lang vergeblich seinem Traum vom Grand-Slam-Sieg hinterhergelaufen war, hat sich binnen vier Monaten im Jahr 2026 alles komplett verändert. Er hat in New York seinem überragenden Jahr die Krone aufgesetzt und ist nun zweimaliger Grand-Slam-Champion. Er erreichte das Halbfinale bei den Australian Open, er triumphierte bei den French Open, er stand im Finale in Wimbledon, jetzt der Triumph in den USA – was für eine Bilanz.

Zverev ist jetzt auch der erste männliche deutsche Profi seit 1989, der die US Open gewann. Damals jubelte Boris Becker in Flushing Meadows, nach seinem Erfolg gegen Ivan Lendl aus der ehemaligen Tschechoslowakei. Und Zverev ist, auch das unterstreicht seine neue Sonderstellung im Männertennis, der erste in den 1990er-Jahren geborene Spieler, der mehrere Grand-Slam-Titel gewann; der Russe Daniil Medwedew und Dominic Thiem gewannen je einen, jeweils bei den US Open. Der Österreicher hatte 2020 im Finale Zverev bezwungen, obwohl er 0:2 Sätze und 3:5 im fünften Satz zurückgelegen war.

Zverev konnte damals, es war schicksalhafter Weise auch ein 13. September wie jetzt, seine hohe Führung nicht ins Ziel bringen, obwohl er nur zwei Punkte vom Sieg entfernt gewesen war. Somit merzte er an diesem Sonntag in seinem sechsten Grand-Slam-Finale auch dieses sportliche Trauma aus; 2024 hatte er im Endspiel der French Open gegen den Spanier Carlos Alcaraz verloren,  2025 bei den Australian Open gegen den Italiener Jannik Sinner.

Das Match begann erst mal damit, dass nichts zu sehen war. Nebelschwaden, die unangenehm rochen, wurden über den Hartplatz geblasen, dazu wurden die Namen Ben Shelton und Alexander Zverev vom Stadionsprecher laut gerufen. Irgendwo dort unten mussten also die Finalisten sein. Als sich der milchige Rauch verzogen und das Wummern der hämmernden DJ-Musik aufgehört hatten, konnte die Partie beginnen. Schauspieler Brad Pitt hatte sich wie schon beim Frauenfinale in Reihe drei hinter dem Schiedsrichterstuhl niedergelassen, auch Ex-James-Bond Pierce Brosnan, Sängerin Pink und Schauspieler Jeff Goldblum saßen im Publikum.

Zverev war sofort zur Stelle, auch, weil Shelton übernervös war. Der Amerikaner verursachte gleich im ersten Aufschlagspiel einen Doppelfehler, er kassierte das Break zum 0:1.  Souverän sah das aus, was Zverev in der Folge zeigte. Er liebe die großen Finals in den Arenen, hatte er zuvor gesagt. Ihm gelang sogar ein zweites Break zum 6:3.

Satz zwei: Zverev verteidigte weiterhin seine Aufschlagspiele. Er hatte ja einen kleinen psychologischen Vorteil. Er wusste, dass ihm die Spielweise Sheltons liegen würde. Von fünf Duellen hatte er fünf gewonnen. Und Linkshänder sind ihm auch recht. Seit den French Open 2023 verlor er in 45 Partien gegen Linkshänder nur einmal, Anfang 2025 gegen den Amerikaner Learner Tien. Doch im Hier und Jetzt nützten ihm diese Statistiken nichts. Ab 3:3 tat sich Zverev schwerer. Aber was ihm half: Sheltons Spiel blieb anfällig, manchmal überhastete er seine Schläge. Er wirkte nicht so energetisch wie bei seinem spektakulären Viertelfinalsieg gegen Alcaraz um 3.33 Uhr morgens. Zverev spielte einen glänzenden Tiebreak und hatte wie 2020 im Finale eine 2:0-Satzführung inne. Würde er es diesmal packen?

Jetzt lastete der Druck erst mal auf Shelton. Seit 8407 Tagen wartete das amerikanische Männertennis darauf, bei den US Open wieder einen Gewinner zu stellen. Andy Roddick holte als letzter US-Profi 2003 den Titel, einen Monat vor Bens erstem Geburtstag. Auch gesellschaftspolitisch wäre ein Triumph Sheltons etwas Besonderes gewesen. Er war der erste schwarze US-Amerikaner, der seit Arthur Ashe (verlor 1972 gegen den Rumänen Ilie Nastase) in einem Grand-Slam-Finale stand. Shelton verschwand lange zur Toilettenpause vor dem Start des dritten Satzes. Diesen Verzweiflungstrick bemühen Profis oft, nach dem Motto: Wenn es nicht läuft, gehe aufs WC. Zwischen zwei Sätzen ist das erlaubt.

Doch dieses Spielchen brachte Zverev zunächst nicht aus der Ruhe. Der Weltranglistenzweite, in New York erstmals nach Jannik Sinners Fehlen an Nummer eins gesetzt, hatte Shelton weitgehend im Griff. Bei 2:3 wehrte er einen Breakball mit einem direkten Rückhandpunkt ab. Shelton blieb dran, bäumte sich zunehmend auf, biss sich in die Partie, hatte die aufschreienden Zuschauer im Rücken. Seine Körpersprache wurde kämpferischer. Das Finale wurde mehr und mehr ein mentales Kräftemessen. Und Shelton durchbrach tatsächlich Zverevs Aufschlagspiel zum 7:5-Satzgewinn. Das Arthur Ashe Stadium bebte.

Doch Zverev reagierte bestmöglich, ging mit einem Break 1:0 in Führung, er reckte seine Faust Richtung seiner Box; am Spielfeldrand saßen Vater und Trainer Alexander senior und sein Team. Auch Shelton, eine kleine Parallele, wird von seinem Vater gecoacht, Bryan Shelton. Die ganze aufgeladene Stimmung in der Arena stürzte nun leicht ab. Als Zverev mal wieder vor dem Aufschlag zu lange den Ball auftippte, eine Verwarnung wegen Zeitspiels bekam und bei Schiedsrichterin Marijana Veljovic nachfragte, pfiffen die Zuschauer. Aber Zverev ließ sich nicht beirren. Als er das zweite Break zum 5:2 verbuchte, lag es nur noch an ihm selbst. Und Zverev patzte nicht.

„Generell können sich die Dinge sehr schnell zum Guten oder zum Schlechten wenden“, das hatte Zverev noch vor dem Finale gesagt. Das habe er im Verlaufe seines Profidaseins gelernt. Wie schnell, hat er 2026 am eigenen Leibe erlebt. Er, der einstige Unvollendete, steht nach den Erfolgen in Paris und New York jetzt gleich doppelt auf der Gewinnerseite.

Alexander Zverev hat sich etwas Seltsames angewöhnt: Vor dem Aufschlag tippt der Deutsche den Ball schier endlos auf. Halbfinal-Gegner Chatschanow kritisiert dies deutlich.

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