SZ 22.03.2026
21:25 Uhr

(+) Stichwahlen in Franken: Nürnbergs OB Marcus König erringt historischen Triumph


In Nürnberg feiert die CSU einen geschichtsträchtigen Sieg, in Aschaffenburg ebenfalls. Die SPD erleidet in Franken schwere Schlappen, der dienstälteste OB der Republik verliert sein Amt. Ihr gelingen aber auch Siege.

(+) Stichwahlen in Franken: Nürnbergs OB Marcus König erringt historischen Triumph

Marcus König neigt zur Gutlaunigkeit, so strahlend aber hat man selbst diesen Mann selten gesehen. An einem „geschichtsträchtigen Tag“, sagt er, an dem in Bayern so viele Oberbürgermeister aus ihrem Amt gewählt worden sind, an einem solchen Tag ist er der erste CSU-Rathauschef in der Geschichte Nürnbergs, der im Amt bestätigt worden ist. Was etwas heißen soll, die Stadthistorie umfasst gute neun Jahrhunderte. Gewählt zudem, König passt das gerade schön ins Feierbild, „mit einer Schnapszahl“: 55,5 Prozent.

Historisches hatte sich bei der Stichwahl in Nürnberg in jedem Fall angekündigt. Entweder es würde der OB in der zweitgrößten Kommune des Freistaats eine Ära begründen können, als erster CSU-Mann überhaupt. Oder die Stadt würde sich für SPD-Herausforderer Nasser Ahmed entscheiden, er wäre der erste schwarze OB einer deutschen Großstadt gewesen. Schon früh an diesem Abend war klar: König geht in eine zweite Amtszeit.

Schon im ersten Wahlgang hatten die Sozialdemokraten eine schwere Schlappe hinnehmen müssen. Weniger die kargen 26,5 Prozent des Herausforderers fielen ins Auge – gegen einen OB, aus dessen erster Amtszeit kaum größere Fehler in Erinnerung sind, ist eine Kandidatur selten ein Erfolg versprechendes Unterfangen. Hart aber traf die SPD das schwache Abschneiden im Stadtrat. Mit 18,3 Prozent wurde sie zwar zweitstärkste Kraft, blieb aber mehr als 15 Prozentpunkte hinter der CSU – ein Tiefschlag in Nürnberg, einer früheren Hochburg der Sozialdemokratie.

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In Nürnberg ist eine ehemalige SPD-Bastion somit endgültig geschleift. Zwar hatte die SPD auffällig häufig den Altoberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) plakatiert, der das Ringen ums Rathaus von 2002 an dreimal souverän für sich entscheiden konnte. Das aber hat nicht funktioniert. „Ein historischer Moment“, sagt CSU-OB König.

Bange Blicke richtete die Bayern-SPD auch nach Aschaffenburg. In der zweitgrößten Stadt Unterfrankens war die SPD bislang bei OB-Wahlen ähnlich erfolgreich wie in Nürnberg. Am Untermain gab es zwar schon mal einen CSU-Oberbürgermeister. Der aber wurde nach dem Krieg nicht direkt gewählt, sondern vom Stadtrat bestimmt.

Nun hat Markus Schlemmer, Chef der örtlichen Kriminalpolizei, einen ebenfalls historischen Wahlsieg errungen. Er wird erster direkt gewählter CSU-Oberbürgermeister Aschaffenburgs. Schlemmer siegte überraschend klar mit 56,3 Prozent gegen den SPD-Amtsinhaber Jürgen Herzing. Komplett „geflasht“ sei er, sagte der CSU-Mann.

Thomas Jung kann auf Zahlen verweisen, von denen die Genossen sonst nur träumen können: Zum fünften Mal zum Oberbürgermeister in Fürth gewählt, mit 72 Prozent, bei sechs Gegenkandidaten. Das hat durchaus Gründe.

Auch in Erlangen erlitt die SPD einen schweren Schlag, auch dort wurde ihr Amtsinhaber, OB Florian Janik, aus dem Amt gewählt. Die Wahl in der Unistadt galt als Sonderfall, wird die Politszene dort doch seit Jahren besonders von einem Thema dominiert: der geplanten Stadt-Umland-Bahn von Nürnberg über Erlangen nach Herzogenaurach. OB Janik ist Anhänger, Herausforderer Volleth bekennender Skeptiker des Infrastrukturprojekts. Zwar siegte Volleth eher knapp mit 51,4 Prozent. Der neue CSU-Rathauschef aber empfindet selbst das – angesichts der in nahezu zwei Hälften geteilten Stadt – als „deutlich“.

In Hof schwante der SPD ebenfalls ein harter Treffer, auch dort hat die Sozialdemokratie der Stadt historisch einen markanten Stempel aufgedrückt. Aber auch in Hof wurde die sozialdemokratische Rathauschefin aus dem Amt gewählt. Eva Döhla (SPD) landete mehr als 20 Prozentpunkte hinter CSU-Herausforderer Stefan Schmalfuß. Der CSU-Stadtrat ist in Hof als Geschäftsführer des Central-Kinos bekannt, zentraler Spielort der renommierten „Hofer Filmtage“. Einen solch klaren Triumph hatte dem Stadtrat selbst in der CSU kaum jemand zugetraut.

Bang blickte die Bayern-SPD auch nach Forchheim. Und auch dort landete sie hart. SPD-Oberbürgermeister Uwe Kirschstein, er ist stellvertretender Generalsekretär der Landespartei, verlor sein Amt als Oberbürgermeister. CSU-Herausforderin Martina Hebendanz gewann mit 54,9 Prozent. Noch schmerzhafter für die SPD endete die Wahl in Neustadt bei Coburg. Mit dem Sozialdemokraten Frank Rebhan amtiert dort der derzeit dienstälteste Oberbürgermeister der Republik, er ist seit 31 Jahren im Amt. Das ist nun zu Ende. CSU-Herausforderer Dominik W. Heike schlug ihn klar, nahezu 20 Prozentpunkte lag er vor Rebhan, dem Rekordhalter.

In Franken gab es aber auch Lichtblicke für die SPD. Der Sieg in Oberfrankens größter Stadt, Bamberg, ohnehin. Aber auch die Hauptstadt Oberfrankens wird künftig wieder von einem Sozialdemokraten geführt. Herausforderer Andreas Zippel gelang es in Bayreuth, den CSU-Amtsinhaber Thomas Ebersberger klar mit 62,8 Prozent zu besiegen. Der CSU ist es damit noch nie gelungen, einen Oberbürgermeister in eine zweite Amtszeit zu bringen.

In Schweinfurt stand kein Amtsinhaber zur Wahl. Nachdem das Rathaus der historischen Arbeiterstadt seit 34 Jahren von christsozialen Oberbürgermeistern regiert wird, hatte sich die CSU Hoffnungen gemacht, dies so fortführen zu können. In der wohl schwersten Industriekrise Schweinfurts seit den Neunzigerjahren gewinnt dort aber die SPD wieder an Statur. Ihr Bewerber Ralf Hofmann gewann das Rathaus klar mit 67,7 Prozent vor CSU-Bewerber Oliver Schulte. „Überwältigend“ sei das Ergebnis, sagte Wahlsieger Hofmann.

Auf Kreisebene stand die spannendste Entscheidung in Franken im Landkreis Ansbach an. In den vergangenen Jahren wurde in dem Flächenlandkreis viel über mögliche Krankenhaus-Schließungen debattiert. Am Ende gewann erstmals in der Historie kein CSU-Bewerber diesen Landkreis. FW-Herausforderer Marco Meier siegte extrem deutlich mit 78,4 Prozent vor CSU-Landrat Jürgen Ludwig. Von einem „historischen Ergebnis“, sprach Wahlsieger Meier.

Wer hat sich im zweiten Wahlgang als Bürgermeister oder Landrat durchgesetzt? Ein Überblick in Karten und Grafiken.

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