SZ 23.03.2026
07:57 Uhr

(+) Sexualisierte Gewalt: Fahri Yardım äußert sich zu Vorwürfen gegen Ulmen


Drei Tage nachdem Collien Fernandes schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann erhebt, veröffentlicht dessen Kollege einen Instagram-Post dazu. Yardım gibt sich selbstkritisch und entschuldigt sich für sein Zögern.

(+) Sexualisierte Gewalt: Fahri Yardım äußert sich zu Vorwürfen gegen Ulmen

Drei Tage ist es her, dass Collien Fernandes schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben hat. Ulmen habe über Jahre hinweg unter ihrem Namen und ohne ihr Wissen Fake-Accounts bei sozialen Medien wie Linkedin erstellt und über diese Kanäle Männern gefälschte Videos und Bilder von ihr geschickt, viele davon explizit pornografisch. Außerdem soll sich der Schauspieler mit Männern zum Telefonsex verabredet und sich dabei als seine damalige Frau Fernandes ausgegeben haben. Der Spiegel hatte zuerst über den Fall berichtet.

Fernandes hat Ende 2025 in Spanien Strafanzeige gegen Ulmen wegen Identitätsdiebstahls, öffentlicher Beleidigung, Offenlegung von Geheimnissen, wiederholter Misshandlung und schwerer Bedrohung erstattet. Am 2. Dezember vergangenen Jahres seien Vorermittlungen eingeleitet worden, der Ermittlungsstand sei jedoch „in einem sehr frühen und vertraulichen Stadium“. Fernandes und Ulmen waren 2023 nach Mallorca gezogen.

Medienrechtsanwalt Christian Schertz, der Ulmen vertritt, kündigte an, presserechtlich gegen den Spiegel-Bericht vorzugehen: „Es handelt sich zum einen in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung. Zum anderen werden unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet.“  Christian Ulmen hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert, für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Fernandes erhielt viel Zuspruch danach, digital, in den sozialen Medien, aber auch bei einer Demo am Sonntagabend in Berlin, zu der sie aufgerufen hatte. Tausende Menschen folgten ihrem Aufruf und protestierten für einen besseren Schutz für Frauen vor Gewalt.

In der Vielzahl der Stimmen, die ihren Zuspruch und Unterstützung für Fernandes aussprachen, fehlte eine bisher – die von Ulmen-Freund und -Kollege Fahri Yardım. Der Schauspieler, der seit Jahren mit Ulmen zusammenarbeitet, brach nun am Sonntagabend sein Schweigen. In einem Instagram-Post äußerte er sich zu den Vorwürfen.

Er sei „so geschockt wie viele andere“, schrieb Yardım. Er bewundere Fernandes’ Mut und sei dankbar für den Zuspruch, den sie erfahre. Ihre Vorwürfe verdienten „Schutz, ernsthafte Aufmerksamkeit und eine klare Priorisierung der Perspektive der Betroffenen“. Yardım entschuldigte sich auch dafür, dass er sich erst jetzt äußere. Seine Antwort käme „verspätet“. „Mir ist bewusst, dass mein Zögern nicht neutral ist. Es hat Wirkung. Es beeinflusst, welche Deutungen Gewicht bekommen, welche Perspektiven sich verfestigen, welche Schutzräume gestärkt oder geschwächt werden.“

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Er habe Zeit gebraucht, bevor er sich äußern könne, so Yardım weiter. Er habe die öffentliche und die persönliche Ebene der Vorwürfe in Einklang bringen müssen. Es sei ein Abgrund, der sich da im engen Freundeskreis aufgetan habe. Yardım gibt sich selbstkritisch, schreibt, die Vorwürfe verlangten, „die eigene Perspektive nicht als abgeschlossen zu begreifen, sondern ihre blinden Flecken mitzudenken“. Sein Post sei keine abschließende Antwort. „Aber ich sehe klarer, dass mein Zögern – und das Ausbleiben einer rechtzeitigen Position – selbst bereits eine Position ist. Mit realen Folgen. Und ich versuche, mich diesen Folgen nicht nur gedanklich, sondern auch praktisch zu stellen.“

Wie der Spiegel berichtet, haben im Zusammenhang mit den Vorwürfen von Fernandes gegen ihren Ex-Mann 250 prominente Frauen einen 10-Punkte-Plan zum Schutz vor männlicher Gewalt vorgelegt. Der Maßnahmenkatalog richtet sich an die Bundesregierung. Zu den Unterzeichnerinnen gehören laut Spiegel unter anderem die SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas, die Grünen-Parteichefin Franziska Brantner, die Moderatorin Carolin Kebekus, die Schauspielerin Veronica Ferres, die Musikerin Nina Chuba und die Aktivistin Luisa Neubauer.

Der Plan, der dem Spiegel vorliegt, umfasst unter anderem, das Herstellen nicht-einvernehmlicher sexualisierter Deepfakes unter Strafe zu stellen. Das reine Erstellen solcher Inhalte ist bislang nicht strafbar. Darüber hinaus fordern Unterzeichnerinnen ein digitales Gewaltschutzgesetz mit Anspruch auf rasche Löschung von Inhalten und Identifizierung von Tätern. Außerdem sollen sogenannte Nudify-Apps verboten werden, die es ermöglichen, Personen auf Fotos mithilfe von KI virtuell auszuziehen. Die Frauen fordern zudem, das Prinzip „Ja heißt Ja“ im Sexualstrafrecht zu verankern. Demnach soll jede sexuelle Handlung ohne ausdrückliche Einwilligung strafbar sein. Ebenso fordern die Unterzeichnerinnen den Straftatbestand „Femizid“ im Strafgesetzbuch einzuführen.

In den sozialen Medien tauschen Frauen nach der „Spiegel“-Recherche zu den Vorwürfen von Collien Fernandes ihre Wut über die Geschlechterverhältnisse aus. Zur Bitterkeit und der Frage, wie aus ihr etwas erwachsen könnte.

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