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29.08.2026
11:33 Uhr
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Radlerhosen und hochgeschnittene Dirndlblusen: Die Stadt lässt vier Pappmaché-Figuren am Teufelsrad züchtigere Kleidung anlegen. Geht hier jedes Maß verloren?

So sehen die Figuren auf dem Teufelsrad heute aus: Die Dame in Grün trägt eine weiße Dirndlbluse, die Dame im Hawaii-Look wurde mit Schuhen und einem gelben Oberteil ausgestattet, neue Radlerhosen blitzen hervor.
Foto: Stephan Rumpf
Drei Wochen vor Beginn des Oktoberfests gibt es eine neue Sexismus-Debatte um das größte Volksfest der Welt. Wie die Münchner Boulevardzeitung tz zuerst berichtete, hat das Traditionsfahrgeschäft Teufelsrad vier Frauenfiguren aus Pappmaché umgestaltet, die bislang über dem Eingang hingen. Ihnen wurde züchtigere Kleidung angelegt: Sie tragen nun Radlerhosen unter den Röcken, hochgeschlossene Oberteile, Schuhe.
Die Anregung dazu kam von der im Rathaus angesiedelten Gleichstellungsstelle für Frauen sowie der Fachstelle für Demokratie; beide Einrichtungen beraten das für das Oktoberfest zuständige Referat für Arbeit und Wirtschaft (RAW). „Ein Prosit der Prüderie“ überschrieb die Stadtratsfraktion der CSU ihre Medienmitteilung zu dem Vorgang. Sie kritisierte, „dass die Stadtverwaltung ohne vorherige politische Abstimmung in eine jahrzehntealte historische Darstellung eingegriffen hat“. Fraktionschef Manuel Pretzl moniert: „Wer 80 Jahre alte Figuren am Teufelsrad plötzlich zum Problem erklärt, weil nackte Füße zu sehen sind oder eine Figur keine Radlerhose trägt, hat jedes Maß verloren.“
In einer mit dem RAW und der Fachstelle für Demokratie abgestimmten Antwort auf eine SZ-Anfrage erklärt die Gleichstellungsstelle ihren Vorschlag zur Änderung der Figuren mit den zunehmenden Beschwerden von Frauen über das sogenannte Upskirting, das strafbare Fotografieren oder Filmen unter den Rock. Das geschehe vor allem auf dem Teufelsrad: „Die bisherige Darstellung der Figuren am Teufelsrad spielte mit dem Hochfliegen von Röcken und dem frei werdenden Blick auf den Intimbereich“, heißt es. Zudem bediene „die Darstellung einer schwarzen Frau als einzige Figur ohne Schuhe (...) ein rassistisches Stereotyp“.
Wiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne) räumt ein: „Ich persönlich hätte diese Umgestaltung nicht angestoßen.“ Dennoch halte sie es für gut, dass die Figuren angepasst wurden. Sie brächten die Lebensfreude und Vielfalt, die das Teufelsrad ausmachen, „weiterhin sehr gut zum Ausdruck“. Auch die SPD-Fraktion betonte, Maßnahmen zu unterstützen, „die dazu beitragen, dass sich alle auf der Wiesn wohl und sicher fühlen – und das gilt insbesondere für Mädchen und Frauen“.
Berger und auch die SPD hoben dabei die Kooperationsbereitschaft der Teufelsrad-Betreiberin Elisabeth Polaczy ausdrücklich hervor. „Gerade beim Thema Upskirting hat sie in der Vergangenheit immer wieder reagiert und sich dafür eingesetzt, dass solche Vorfälle nicht mehr vorkommen“, sagte Berger.
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Elisabeth Polaczy selbst hält die öffentliche Aufregung im Übrigen für übertrieben. „Wir haben die Figuren anders angemalt, sag ich jetzt mal, und damit hat sich die Sache auch“, sagte sie der SZ. Die Stadt habe sie aufgefordert zu reagieren, sie sei dem nachgekommen – damit ist für sie der Fall erledigt.
Für die Politik scheint das freilich nicht so zu sein. „Bei Fragen, die das Erscheinungsbild, die Tradition und das kulturelle Selbstverständnis der Wiesn betreffen, darf die Verwaltung nicht eigenmächtig Fakten schaffen“, sagt CSU-Fraktionschef Pretzl. Er fordert bessere Absprachen: „Solche Entscheidungen gehören frühzeitig in einen Interfraktionellen Arbeitskreis.“
Wirtschaftsreferent Christian Scharpf (SPD) kündigte bereits an, nach der diesjährigen Wiesn „nochmal den Dialog mit der Gleichstellungsstelle zu suchen“. Er verstehe, dass sich gesellschaftliche Maßstäbe verändern, dennoch warb er um Augenmaß: „Solche Debatten können schnell den Eindruck erwecken, Politik und Verwaltung beschäftigten sich mit Dingen, für die viele Menschen wenig Verständnis haben. Das trägt eher zu weiterer Polarisierung bei, als dass es gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert.“
Auch Münchens Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) äußerte sich am Freitagabend kritisch. Dass Frauen nicht auf ihren Körper reduziert oder sexistisch dargestellt werden sollten, stehe für sie außer Frage. „Beim Teufelsrad sprechen wir allerdings über Figuren eines traditionsreichen Fahrgeschäfts“, so Fuchs. Dass diese nun „weniger Haut“ zeigen sollen, halte sie für überzogen. „Ein Verhüllungsgebot für weibliche Figuren oder Darstellungen stellt jedenfalls keine Gleichstellung her und dient ihr aus meiner Sicht auch nicht.“ Fuchs plädierte auch dafür, Augenmaß zu bewahren. „Wenn wir zu kleinteilig und prüde darüber diskutieren, wie viel Haut eine Pappmaché-Figur auf dem Teufelsrad zeigen darf, schadet das aus meiner Sicht auch der berechtigten und wichtigen Debatte über Upskirting und es besteht die Gefahr, dass grundsätzlich notwendige Auseinandersetzungen mit tatsächlichem Sexismus und Rassismus an Überzeugungskraft verlieren“, teilte Fuchs in einer Mitteilung mit. „Man kann es eben auch übertreiben.“
Eine längere Debatte über Sexismus und Rassismus auf der Wiesn wegen diverser Abbildungen auf Ständen und Fahrgeschäften hatte es bereits 2023 gegeben. Unter anderem war es um ein Bild gegangen, auf dem ein schwarzer Mann den Dirndlrock einer weißen Frau anhebt und unter diesen schaut. Letztlich einigten sich die Wiesn-Verantwortlichen der Stadt auch damals mit den Betreibern darauf, dass diese die monierten Bilder übermalen lassen.
Auf der Wiesn-Attraktion flattern die Röcke häufig nach oben. Videos davon landen immer wieder im Netz. Die Betreiberin kennt das Problem. Was unternimmt sie dagegen? Und reichen ihre Maßnahmen aus?
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