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28.09.2026
10:21 Uhr
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Ein komplettes Spiel auf der Bank – das ist Cristiano Ronaldo selten passiert. Und so wird nach Portugals Sieg gegen Norwegen debattiert, wie der Senior seinem Nationalteam überhaupt noch helfen kann.

Mit 41 Jahren hat man als Fußballer alles schon erlebt, da kommt es auf die eine oder andere Einsatzminute nicht mehr an – könnte man meinen. Die Frage ist nur, ob Cristiano Ronaldo das auch so sieht. Vieles bei diesem Ehrgeizling ist Mienenspiel, diesmal verriet sein Gesicht: Er war not amused vor, während und nach dem 2:1-Sieg der portugiesischen Nationalelf in der Nations League in Norwegen. Als der Schlusspfiff im Ullevaal-Stadion von Oslo ertönt war, packte Ronaldo seine Sachen und stapfte grußlos in die Kabine. Kein Handshake, kein Lächeln für die siegreichen Kollegen, die Lippen zusammengepresst – bloß weg hier!
Hat es das schon mal gegeben, Ronaldo ein ganzes Spiel über auf der Bank seiner portugiesischen Seleção, die er jahrzehntelang im Alleingang überallhin gehievt hatte? Zu Titeln und Turnieren, in sagenhaften 234 Länderspielen? Natürlich gab es das schon mal, das hatten Statistiker schnell ermittelt. Aber nicht oft. Erst zum dritten Mal nach 2008 (EM-Spiel gegen die Schweiz) und 2024 (Testspiel gegen Kroatien) passierte dem Heiligtum des portugiesischen Fußballs diese Art der Majestätsbeleidigung. Und so entspann sich um den zweiten Sieg der Portugiesen in der Nations League eine ganz eigene Geschichte. Nicht jene vom respektablen Erfolg bei Erling Haalands Norwegern. Sondern jene vom eingeschnappten Ronaldo, der nicht sprach, aber anderen Anlass zu Erklärungen gab.
Er habe schon vorgehabt, „ihn in der zweiten Halbzeit einzusetzen“, erklärte Portugals seit Juli amtierender Nationaltrainer Jorge Jesus, ein halbes Ronaldo-Stündchen sei geplant gewesen: „Aber der Spielverlauf hat das nicht hergegeben. Es ergab keinen Sinn, einen Stürmer mit seinen Eigenschaften einzuwechseln.“ Was genau die brauchbaren Eigenschaften Ronaldos noch sind, darüber schwieg Jorge Jesus, aber sein Personalmanagement verriet: Ganz so dringend war ein alternder Stürmer ohne großen Bewegungsradius nicht vonnöten.
Weder nach der Halbzeit, als er nach Toren von João Félix (17. Minute), Erling Haaland (51.) und dem 2:1 durch Gonçalo Ramos (54.) lieber Vitinha und Rafael Leão brachte, noch später im Spiel, als die Portugiesen den Vorsprung mit einigem Aufwand über die Zeit retteten. Aber defensiver Aufwand ist Ronaldos Sache nicht, und so vergönnte Jorge Jesus seinem größten Promi nicht einmal ein paar Gnadenminuten. Die waren den weiteren Eingewechselten vorbehalten: Rúben Neves, Trincão und Bernardo Silva.
So schreitet Ronaldos Götterdämmerung weiter voran, was wiederum niemanden mehr überraschen sollte. Es mehren sich schließlich seit Jahren die Momente, in denen seine Art des, nun ja, Altherren-Fußballs dem Nationalteam nicht mehr weiterhilft. Vorn herumstehen und lauern, bisweilen mal ein Schuss oder ein Kopfball, wenig Tatkraft in der Rückwärtsbewegung – das erschwerte schon den Vorgängern von Jorge Jesus die Einsatzgarantie für den ewigen Senior ihres Landes. Fit sei Ronaldo durchaus, räumte der Coach ein, es ging ihm rein um taktische Gründe, um gegen Norwegens Wikingeransturm zu bestehen.
Der Groll seines edelsten Teilzeitmitarbeiters war ihm damit gewiss, und es hallten dezente Spitzen durch diese Herbstnacht. „Warum hat er sich nicht bei den Fans bedankt?“, beantwortete Jorge Jesus eine Journalistenfrage mit einer süffisanten Gegenfrage: „Das müsst ihr ihn selbst fragen. Ich kann seine Gedanken nicht lesen, aber ich werde es wissen, wenn ich mit ihm spreche.“ Dazu müsste Ronaldo aber seinen Schmollmund öffnen – Fortsetzung folgt am Donnerstag beim Spiel in Dänemark.
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