SZ 04.06.2026
09:34 Uhr

(+) Pommery und Henkell: Es schäumt nicht mehr


Rettet der Sekthersteller Henkell das französische Champagnerhaus Pommery? Sie verhandeln jedenfalls. Die Geschäfte laufen schlecht. Es gibt ja auch gerade wenig Grund zum Feiern.

(+) Pommery und Henkell: Es schäumt nicht mehr

Wenn man sich so umschaut in der Welt, gibt es wahrlich wenig Gründe zu feiern. Und offenbar auch immer weniger, eine Flasche Champagner zu öffnen. 266 Millionen Flaschen wurden im Vorjahr nach Angaben des Dachverbandes Comité Champagne weltweit verkauft, das ist ein Rückgang um ein Fünftel binnen fünf Jahren.

Der Vin de Champagne ist der Inbegriff von Luxus und Eleganz, nach einer bestimmten Methode hergestellt, nur Produkte aus der gleichnamigen französischen Region dürfen den Namen tragen. Und dann das: Deutscher Sekthersteller rettet französisches Champagnerhaus. Mon Dieu! Deutscher Mammon soll retten, wofür Savoir-vivre steht? Ganz so weit ist es noch nicht. Das hoch verschuldete französische Traditionshaus Maison Pommery & Associés hat sich an den deutschen Schaumweinhersteller Henkell gewandt. Ziel sei eine strategische Verbindung, die auch in einer Mehrheitsbeteiligung von Henkell münden könnte. Die nächsten beiden Monate verhandeln die beiden erst einmal exklusiv. Die Verbindung der zwei Familienunternehmen würde einen mächtigen Akteur auf dem Markt für Schaumweine hervorbringen mit starken, sich ergänzenden Marken und einem globalen Vertrieb.

Pommery ist zwar börsennotiert, rund 70 Prozent des Kapitals hält die Compagnie Vranken, Vorstandschefin ist Nathalie Vranken. Das von Madame Louise Pommery 1836 in Reims gegründete Haus hat eine glorreiche Geschichte und kann für sich in Anspruch nehmen, den weltweit ersten Brut-Champagner erfunden zu haben. Und Henkell gehört zur Geschwister Oetker Beteiligungen KG.

Zum Portfolio von Pommery gehören Namen wie Pommery, Charles Lafitte und Bissinger – alle würden unter einem Dach vereint mit Henkell-Sekt, das mit Alfred Gratien immerhin schon ein kleineres Champagnerhaus übernommen hat. Aus Geldnot hatte Pommery Anfang 2026 schon die Marke Heidsieck für 50 Millionen Euro an den Konkurrenten Lanson-BCC verkauft und wertvolle historische Bestände gleich mit: Darunter befinden sich Raritäten, die aus dem Wrack eines Schiffes gerettet wurden, das 1916 nach Russland aufgebrochen und von einem deutschen U-Boot versenkt worden war. Für diese Expedition waren 3000 Flaschen Champagner an Bord. Einbringen würde Pommery auch andere Schätze, zum Beispiel 2600 Hektar Rebfläche in bester Lage – in der Champagne, der Provence, der Camargue und dem portugiesischen Douro-Tal, denn die Franzosen stellen auch noch Rosé und Portweine her.

Aber ausgerechnet die Franzosen fallen immer öfter als Abnehmer aus. Wurden 2010 noch 185 Millionen Flaschen Champagner im eigenen Land verkauft, 2025 waren es nur noch 114 Millionen. Als einer der Gründe wird Abstinenz  junger Menschen genannt, Champagner gehört für sie nicht mehr zum französischen Lebensstil. Und Kriege ringsum fördern nicht gerade die Feierlaune.

Auch die Franzosen schauen halt mehr aufs Geld, seit sich die Wirtschaftsaussichten eingetrübt haben und die Inflation auch in Frankreich wieder ein Thema ist. Allerdings haben Hersteller die Preise angehoben, sodass ein Glas Champagner jetzt noch mehr Luxus bedeutet, den man sich leisten können muss. Und dann bleibt man vielleicht bei Preisen jenseits von 20 Euro in einem Restaurant dann doch lieber bei einem Glas. Denn dass prickelnde Getränke durchaus gefragt sind, zeigen steigende Zahlen beim deutlich günstigeren Prosecco und Sekt, die es – anders als Champagner – auch alkoholfrei gibt. Und so ergibt dann auch die Verbindung mit Henkell Sinn, in der Hoffnung, dass das Angebot nicht verwässert wird. Denn beim Wiesbadener Sekthersteller Henkell, zu dem bereits der spanische Produzent Freixenet gehört, sind im Vorjahr die Gewinne zwar nicht gerade überschäumend gewesen, aber der Umsatz legte immerhin um einen halben Prozentpunkt zu.

Zwei Sommeliers haben Winzerchampagner aus Frankreich und Sekt aus Deutschland unter 50 Euro blind verkostet. Welcher Schaumwein ist sein Geld wert? Die Unterschiede haben selbst die Profis überrascht. Der Preis-Leistungs-Sieger kostet sogar unter 20 Euro.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: