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03.06.2026
09:00 Uhr
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In ihrem neuesten Wirtschaftsausblick geht die OECD von einer Abschwächung der Konjunktur aus – auch in Deutschland. Sie kritisiert den Tankrabatt, sieht aber auch Anlass zum Optimismus.

Die Folgen der Schließung der Straße von Hormus und die Auswirkungen auf die Treibstoffpreise sind weltweit spürbar. SPENCER PLATT/Getty Images
Anfang des Jahres lief alles gut, sogar sehr gut. Ein robustes Wachstum zeichnete sich ab, stärker als erwartet. Ökonomen bereiteten sich bereits darauf vor, die Konjunkturaussichten nach oben zu korrigieren. Aber dann kam der 28. Februar, an diesem Tag startete der Iran-Krieg. Und seither geht es mit der wirtschaftlichen Entwicklung weltweit bergab. Durch die Schließung der Straße von Hormus wurde die Lieferung von Öl und anderer Waren unterbrochen, Förderanlagen in der Region wurden beschädigt.
Damit setzte sich eine Spirale in Gang, deren erste Auswirkungen für alle rund um den Globus rasch spür- und sichtbar waren: Ein Anstieg der Preise an den Tankstellen war die Folge, aber auch Produkte wie Düngemittel waren betroffen. Zeitlich etwas verzögert zeigten sich dann andere Effekte: Die Inflation steigt, die Nachfrage wird geringer und das Vertrauen sinkt.
Aber wie wirkt sich der Nahostkonflikt in diesem Jahr tatsächlich auf die weltweite wirtschaftliche Entwicklung aus? Kann man das in Zahlen fassen? Die Ökonomen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit Sitz in Paris entwarfen zwei Szenarien: Ein optimistisches, also dass der Nahostkonflikt demnächst beendet und die Straße von Hormus wieder geöffnet wird; das andere Szenario sieht vor, dass der Konflikt noch bis weit ins Jahr 2027 andauern wird.
Im optimistischen Szenario gehen die OECD-Forscher davon aus, dass sich die Energiepreise ab Mitte 2026 allmählich entspannen. Für diesen Fall prognostiziert die Organisation einen Rückgang des globalen Wirtschaftswachstums von 3,4 Prozent im Jahr 2025 auf 2,8 Prozent in diesem Jahr. Für das nächste Jahr wird eine Erholung auf 3,1 Prozent vorausgesagt. Für die Euro-Zone wird ein Rückgang von 1,4 auf 0,8 Prozent in diesem Jahr erwartet, im kommenden Jahr ein moderater Anstieg auf 1,2 Prozent. Die USA wären mit einem Rückgang um 0,1 auf 2,0 Prozent deutlich weniger betroffen, 2027 wird aber noch einmal eine Abschwächung auf 1,8 Prozent erwartet. Wegen des hohen Energiebedarfs kühlt sich auch die Konjunktur in China etwas ab. Die OECD erwartet einen Rückgang von 4,5 auf 4,3 im nächsten Jahr.
Sollten die Konflikte im Nahen Osten jedoch bis weit in das Jahr 2027 andauern, rechnet die OECD mit sehr viel drastischeren Folgen. Für dieses Jahr würde mit einem deutlichen Rückgang der Konjunktur auf nur noch 2,1 Prozent und einer deutlichen Abbremsung auf 1,8 Prozent 2027 gerechnet. Dies würde einige Volkswirtschaften möglicherweise in eine Rezession oder zumindest an den Rand bringen, stellen die OECD-Ökonomen fest.
Für Deutschland sagt die OECD für dieses Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 0,7 Prozent voraus und ein Plus auf 1,1 Prozent 2027. Damit sind sie etwas optimistischer als die Wirtschaftsweisen, die vergangene Woche ihre Prognose deutlich nach unten korrigierten: in diesem Jahr nur noch ein Plus 0,5 Prozent, im nächsten Jahr 0,8 Prozent.
Die OECD-Ökonomen rechnen auch mit einer Erhöhung der Inflationsrate in Deutschland – konkrete Zahlen nennen sie allerdings nicht. Deutlich ist jedoch ihre Kritik am Tankrabatt, der von der Bundesregierung verfügten Senkung der Kraftstoffsteuern für Diesel und Benzin im Mai und Juni um 17 Cent pro Liter. „Diese Maßnahme zielt jedoch nicht ausreichend auf einkommensschwache Haushalte ab und verringert die Anreize zum Energiesparen“, heißt es in dem Bericht.
Insgesamt zeichnen die Experten in Paris kein allzu düsteres Bild für Deutschland: Die Exporte werden sich mit der Stärkung der globalen Nachfrage allmählich erholen, Deutschland exportiert mehr in andere europäische Länder statt nach China, heißt es in dem Bericht. Der private Konsum werde durch steigende Löhne gestützt, wenn auch langsamer, da höhere Energiepreise und die Inflation das reale Einkommenswachstum dämpften. Die Lockerung der Schuldenbremse und die Ausgaben durch das Sondervermögen dürften sich positiv auswirken.
Für den Staat sieht die Organisation allerdings Handlungsbedarf in mehreren Bereichen: Die Effizienz der öffentlichen Ausgaben müsse verbessert und die Steuerbasis verbreitert werden. Zudem müssten wegen der steigenden Kosten rasch Maßnahmen angesichts der Alterung der Bevölkerung ergriffen werden, auch der Facharbeitermangel müsse adressiert werden. Außerdem müssten Infrastrukturprojekte rasch umgesetzt werden, mahnt die OECD in ihrem Bericht: „Dies würde auch dazu beitragen, die Energiewende zu beschleunigen und die Abhängigkeit von Importen fossiler Brennstoffe zu verringern.“ Denn eines ist nach Einschätzung der OECD-Expertinnen und -Experten in Paris sicher: Auch wenn der Iran-Krieg formal beendet sein sollte, mit den ökonomischen Auswirkungen wird die Welt noch lange zu kämpfen haben.
In der Euro-Zone steigt die Inflation wegen des Iran-Krieges auf 3,2 Prozent. Droht nach 2022 ein erneuter Preisschock? Die EZB wird wohl bald die Leitzinsen erhöhen – mit spürbaren Folgen.
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