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06.10.2026
15:39 Uhr
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Zwei Jahre schneller als üblich soll südlich der Isarphilharmonie gebaut werden. Doch selbst das neue Beschleunigungsinstrument kann nicht das Grundproblem der Branche lösen.

Noch muss man sich ausmalen, wie es irgendwann aussehen könnte, wenn hier im südlichen Teil des HP8-Areals neben dem Interims-Gasteig Wohnhäuser stehen, inklusive Kita. Ende 2028 sollen die bisherigen Gebäude abgerissen werden, von 2029 an soll gebaut werden. 2031 könnten dann die Mieter einziehen: Busfahrerinnen und Bademeister mit ihren Familien zum Beispiel, denn die 210 Wohnungen, die hier entstehen, sind Werkswohnungen der Münchner Stadtwerke (SWM) für ihre Beschäftigten.
Zwei Jahre schneller als sonst üblich soll es hier vorangehen. Das hat mit einem Bundesgesetz zu tun, das vor einem Jahr in Kraft getreten ist: dem Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung, besser bekannt als Bauturbo. Am Dienstag besichtigte Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) mit Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) das geplante „Flaucher Quartier“, benannt nach dem benachbarten Naherholungsgebiet an der Isar.
Die Ministerin, die dieser Tage auch auf der Immobilienmesse Expo Real zu Gast war, steigt schon fünf Minuten vor dem Termin aus dem Dienstwagen, der OB kommt pünktlich mit dem E-Bike. Die Kommunen schimpften ja sonst oft auf den Bund, sagt Krause, aber was mit dem Bauturbo auf den Weg gebracht worden sei, begeistere ihn. Bei insgesamt 2100 Wohnungen hat die Stadt im ersten Halbjahr 2026 zugestimmt, das Beschleunigungsinstrument anzuwenden. Die Etablierung des Bauturbos sei deshalb „ein Schritt in die richtige Richtung, dem noch mehr folgen müssen“.
Der Bauturbo sei das erste Projekt gewesen, das sie als Ministerin initiiert habe, sagt Hubertz. Ein Jahr später sehe man, dass es im ganzen Land „langsam anläuft“. Das Flaucher Quartier halte sie für ein gutes Beispiel, bei dem Verantwortliche sich nicht gefragt hätten, warum etwas nicht gehe, sondern wie man es möglich machen könnte. Eines allerdings ist an diesem Ort dann doch nicht möglich: „Das Olympische Dorf kriegen wir hier nicht unter, oder?“, fragt die Bauministerin in Anspielung auf die Bewerbung Münchens für die Ausrichtung der Olympischen Spiele und lacht.
Auf dem Weg von der Halle E, dem Foyer der Isarphilharmonie, zu jenem Teil des Geländes, der für den Wohnungsbau vorgesehen ist, erzählt SWM-Chef Florian Bieberbach der Ministerin die Anekdote, die letztlich dazu geführt hat, dass hier nun Münchens Top-Location für klassische und andere Konzerte steht. So habe er vor Jahren gegenüber dem damaligen Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner, der auf der Suche nach einem Interimsstandort für das Kulturzentrum während der Sanierung war, erwähnt, dass die Stadtwerke da diese denkmalgeschützte Halle hätten.
Die Stadtwerke München wollen auf dem Areal Wohnungen bauen, und auch der Interims-Gasteig fordert mehr Platz. Opfer der Pläne: vier Auto-Betriebe. Was ist da los, wo Kunst und Kfz einst harmonisch nebeneinander existierten?
Und nun sollen hier auch Wohnungen entstehen. Dafür sei der Bauturbo gerade recht gekommen, sagt Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Statt eines großen Wettbewerbs habe man einen mehrtägigen Workshop abgehalten. Dabei untersuchten Architektinnen und Stadtplaner das südliche Drittel des Gesamtareals. Der Entwurf sieht nun eine geschlossene Blockrandstruktur mit geschütztem Innenhof vor, außerdem Dachgärten, Photovoltaik und einen Fernwärmeanschluss. Durch eine serielle und modulare Bauweise sollen Kosten gesenkt und die Bauzeit verkürzt werden.
Und was genau an langwierigen Planungsprozessen fällt dank des Bauturbos weg? Normalerweise müsse man im Zuge eines Bebauungsplanverfahrens auch Themen untersuchen und abwägen, die an dem spezifischen Ort nicht unbedingt eine Rolle spielen, sagt Merk. Mit dem Bauturbo würden nur wirklich relevante Gutachten erstellt, Redundanzen vermieden. Trotzdem gebe es freilich eine Bürgerbeteiligung, auch der Bezirksausschuss sei eingebunden.
Wie sie den Bauturbo grundsätzlich bisher bewerte? „Das Interesse ist noch nicht so groß, wie wir uns das ursprünglich vorgestellt haben“, sagt Merk. Das liege vor allem daran, dass Banken zögerlich seien bei der Kreditvergabe. Und ein Grundproblem der Baukrise kann der Turbo auch nicht wegzaubern: die hohen Baukosten.
OB Krause, der im Wahlkampf 50 000 neue Wohnungen versprochen hat, erhofft sich von dem Instrument dennoch, dass es hilft, den Wohnungsbau wieder anzukurbeln. Im vergangenen Jahr wurden in München 4348 Wohnungen fertiggestellt, nur gut die Hälfte der 8500, die die Stadt als Jahresziel ausgegeben hat.
Und auch die Stadtwerke wollen in den kommenden Jahren einen Turbo zünden. 4000 Werkswohnungen bis zum Jahr 2040 gibt Gabriele Jahn, die als Geschäftsführerin den Immobilienbereich verantwortet, als Ziel aus. Wenn das klappt, könnte bis dahin mehr als jeder dritte der über 11 000 Beschäftigten in einer SWM-Wohnung leben. Aktuell sind es 1500 Einheiten, deren Bewohner je nach Einkommen etwa elf bis 17 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter bezahlen. Für ihre Werkswohnungen führen die SWM eine Warteliste mit 2000 Namen.
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