SZ 08.04.2026
07:09 Uhr

(+) Nach Ankündigung einer Waffenruhe: Ölpreis bricht ein


Iran kündigt an, die Straße von Hormus zwei Wochen lang zu öffnen. Daraufhin sinkt der Preis für ein Fass Öl der Nordseesorte Brent um 16 Prozent auf den niedrigsten Wert seit Mitte März.

(+) Nach Ankündigung einer Waffenruhe: Ölpreis bricht ein
Öldepots in Deutschland (Symbolbild) INA FASSBENDER/AFP

Nach der Verkündung einer zweiwöchigen Waffenruhe im Iran-Krieg haben die zuletzt stark gestiegenen Ölpreise deutlich nachgegeben. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni sackte rasant um rund 16 Prozent auf circa 92 US-Dollar (rund 79 Euro) – der niedrigste Wert seit Mitte März. Bei der für den US-Markt wichtigeren Sorte WTI fiel der Preisrückgang mit Auslieferung im Mai ähnlich aus.

Auch auf den Dax hat die verkündete Waffenruhe positive Auswirkungen: Er steigt bei Handelsstart deutlich. Der deutsche Leitindex legte am Morgen um 4,9 Prozent auf 24 033 Punkte zu. Entsprechend deutlich steigt die Risikofreude der Anleger. Auch in Ostasien legten die Börsenkurse kräftig zu. Der japanische Leitindex Nikkei 225 schoss um mehr als 5 Prozent nach oben auf das Niveau von Anfang März. Wichtig für die globalen Märkte ist vor allem, dass Iran die Straße von Hormus nun wieder für den Schiffsverkehr öffnen will.

Dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi zufolge soll nun zwei Wochen lang die sichere Durchfahrt durch die Meerenge gewährleistet werden. Iran und die USA hatten sich kurz vor Ende eines Ultimatums von US-Präsident Donald Trump auf die Waffenruhe geeinigt. Trump hatte mit heftigen Angriffen auf Irans Energiesektor gedroht, sollte es nicht bis Mittwoch um 2 Uhr deutscher Zeit zu einer Einigung und der Öffnung der Straße von Hormus kommen. Kurz vor Ablauf der Frist verkündeten beide Seiten die Einigung auf die Feuerpause.

„An den Finanzmärkten ist Aufatmen angesagt“, schrieb Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Mit dem Waffenstillstand bleibe vorerst eine weitere Eskalation aus. Vor allem die deutlich gefallenen Ölpreise lassen dem Experten zufolge Hoffnungen keimen, dass der Anstieg der Inflationsraten eine kurze Episode bleiben wird. Die Notenbanken könnten im Falle einer nachhaltigen Entspannung der Ölpreise von befürchteten Zinsanhebungen absehen. Ob die Entspannung allerdings nachhaltig sein wird, ist im Moment noch unklar.

Iran hat einer zweiwöchigen Waffenruhe mit den USA zugestimmt. Die Straße von Hormus soll geöffnet werden, ab Freitag sind direkte Verhandlungen in Pakistan geplant.

Seit dem Beginn des Iran-Kriegs verteuerte sich die Referenzsorte für den weltweiten Ölmarkt um mehr als 50 Prozent. Öl der Sorte WTI mit Auslieferung im Mai kostet am Dienstag rund 115 Dollar und damit rund 70 Prozent mehr als vor Beginn des Kriegs vor mehr als fünf Wochen. Die Kraftstoffpreise könnten nach einer am Dienstag von der US-Energiebehörde EIA veröffentlichten Einschätzung allerdings selbst nach einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus noch monatelang steigen.

Eine vollständige Wiederherstellung der Öltransporte durch die Meerenge werde auch nach ‌einem Ende des Konflikts Monate dauern, teilt die Behörde in ihrem kurzfristigen Energieausblick mit. Wegen der Unsicherheit über künftige Lieferausfälle dürften die Ölpreise bis zum Jahresende über dem Vorkrisenniveau bleiben. „Ebenso wie wir noch nie erlebt haben, dass die Meerenge geschlossen wurde, haben wir auch ‌noch nie erlebt, dass sie wieder geöffnet wird“, erklärt die EIA. „Wie genau das ablaufen wird, bleibt abzuwarten.“

Die Luftfahrt steuert infolge des Iran-Kriegs auf eine globale Treibstoffkrise zu. Kerosin könnte nicht nur noch teurer werden, sondern sogar ausgehen. Mit fatalen Folgen für die Versorgung mit Medikamenten und Lebensmitteln.

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