|
30.08.2026
10:05 Uhr
|
Die zwei Männer, die ein Diamantcollier aus dem Museum für angewandte Kunst geraubt haben, sind weiterhin auf der Flucht. Wie die Tat ablief – und was sie mit der Beute vorhaben könnten.

Das Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien ist vor allem für Werke der Gegenwart bekannt. Eine Ausstellung erinnert an die Keramikerin Vally Wieselthier, eine andere an den Performancekünstler Christoph Schlingensief. Im Foyer steht eine überdimensionale Couch des österreichischen Künstlers Gelatin, die dazu einlädt, sich darauf auszustrecken und gewissermaßen selbst zur Kunst im öffentlichen Raum zu machen. Im Gegensatz zu anderen Wiener Museen ist das MAK keine überlaufene Touristenattraktion.
Und dennoch steht hier neuerdings ein Metalldetektor wie am Flughafen, und Taschen und Rucksäcke werden inspiziert. Das liegt an den beiden Männern, die am Donnerstagnachmittag das MAK betraten und Tickets für die Ausstellung „Glanzstücke“ lösten. Diese zeigt mehrere Hundert Schmuckstücke des Pariser Luxusjuweliers Van Cleef & Arpels. Darunter ein Collier, das sich 1939 Königin Nazli von Ägypten anfertigen ließ, für die Hochzeit ihrer Tochter mit dem Schah von Persien. Es besteht aus Hunderten Diamanten und wurde vor zehn Jahren bei einer Versteigerung in New York für rund 3,7 Millionen Euro verkauft. Plötzlich zückte einer der Männer eine Waffe, während der andere begann, bei laufendem Museumsbetrieb mit einem Hammer auf die Vitrine mit dem Collier einzuschlagen. 41 Mal, vier Minuten lang, wie der Standard recherchierte. Sie rissen das Schmuckstück aus der Vitrine und flüchteten Richtung Stadtpark.
Noch ist nicht klar, wer die beiden Männer sind, nach ihnen wird international gefahndet. Aber schon jetzt steht fest, dass diese Art des Museumsraubes keineswegs ungewöhnlich ist. 2019 brachen kriminelle Mitglieder einer Großfamilie ins Grüne Gewölbe in Dresden ein und stahlen historische Schmuckgarnituren. 2022 überfielen vier Männer die Kunstmesse Tefaf in Maastricht und raubten am helllichten Tag Juwelen. Und im vergangenen Jahr verschafften sich Maskierte kurz nach Öffnung des Louvre Zutritt zu einem Saal und raubten Schmuck im Wert von 88 Millionen Euro. All diesen Taten ist gemeinsam, dass es den Tätern ausschließlich um den Materialwert der gestohlenen Kunst geht. Und dass Museen leichte Ziele sind, was sich inzwischen auch in der Organisierten Kriminalität herumgesprochen hat.
Wenn Museen bestohlen oder beraubt werden, stellt sich sofort die Frage nach der Sicherheit der Exponate. Die Geschichte hat oft gezeigt, dass Täter Schwachstellen auskundschaften oder manchmal sogar Komplizen in der jeweiligen Institution haben. Im MAK in Wien habe man die „Vorfälle in bedeutenden Museen in den vergangenen Jahren“ zum Anlass genommen, um ein spezifisches Sicherheitskonzept für die Juwelen zu erarbeiten, teilte die Museumsdirektorin Lilli Hollein mit. Doch selbst „mit umfassenden Sicherheitsvorkehrungen“ lasse sich eine so gezielte Tat nicht verhindern. Die Mitarbeitenden hätten jedenfalls während des Überfalls „die vorgesehenen Abläufe eingehalten und richtig gehandelt“. Daher sei auch niemand zu Schaden gekommen.
Dafür, was mit dem Collier passieren könnte, gibt es mehrere Szenarien. Darunter Art Napping: Dabei versuchen die Kriminellen, von den Museen oder den Eigentümern der Kunstwerke Lösegeld zu fordern. Im Fall des Grünen Gewölbes in Dresden haben die später gefassten Diebe mehrere Schmuckstücke zurückgegeben, um in ihrem Gerichtsprozess mildere Strafen zu bekommen. Und gerade in Wien hat sich gezeigt, dass ein Museumscoup auch ein glückliches Ende finden kann. 2003 war ein Alarmanlagentechniker während einer Langen Nacht der Museen über ein Baugerüst ins Kunsthistorische Museum eingestiegen und hatte ein goldenes Salzfass, die Saliera, gestohlen. Als er später versuchte, die Versicherung zu erpressen, wurde er gefasst und das Salzfass in einem Versteck im Wald gefunden. Es steht heute nicht nur wieder im Museum, sondern ist dort auch eine der wichtigsten Touristenattraktionen.
Der Louvre ist gerade in einem etwas desolaten Zustand. Überlastung, Streiks, dann noch dieser irre Diebstahl. Es ist einfach zu viel, für die Besucher, für das Personal. Und die Massen interessieren sowieso nur Saal 711 und dieses Lächeln.
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: