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12.05.2026
07:39 Uhr
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Bisher nahm man an, dass Homo sapiens einst zufällig zu Werkzeugen kamen. Doch Ausgrabungen in Südafrika zeigen: Ihre Ansprüche waren höher.

Forscher graben und vermessen im Steinbruch von Jojosi. Manuel Will
Wie Menschen in der Altsteinzeit zu ihren Steinwerkzeugen kamen? Archäologen hätten darauf bislang sehr wahrscheinlich geantwortet: Irgendwie nebenher. Das gängige Modell heißt embedded procurement, auf Deutsch: eingebettete Beschaffung, und ist recht simpel: Die Menschen streiften demnach umher, sie jagten, sammelten und taten Steinzeitmenschen-Dinge. Und wenn sie dabei zufällig auf einen schönen Stein stießen, dann nahmen sie ihn mit.
Doch so einfach das klingt, so falsch könnte es sein: Offenbar unterschätzen Forschende seit jeher, wie planvoll Jäger und Sammler vor Urzeiten vorgegangen sind. Wie organisiert sie waren. Und dass sie schon damals nicht nur die nächstbesten Werkzeuge haben wollten, sondern die besten.
Darauf lässt schließen, was Forschende um den Tübinger Archäologen Manuel Will in der Zeitschrift Nature Communications berichten. Sie haben in Jojosi im Osten Südafrikas einen einzigartig gut erhaltenen Hornfels-Steinbruch ausgegraben. Hornfels ist ein hartes, kompaktes Gestein. Es ist nicht selten, aber auch nicht oft in derart rauen Mengen vorhanden wie in Jojosi. Und es eigne sich sehr gut, um Klingen aus ihm zu schlagen, sagt Will. Genau das ist dort wohl massenweise geschehen.
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Pro Kubikmeter fand das Team teils Millionen Steinabschläge – jene oft millimeterkleinen Splitter, die übrig bleiben, wenn aus einem Stein Klingen geschlagen werden. In mühevoller Kleinarbeit haben die Forscher daraus rekonstruiert, was einst geschehen ist. Einer von ihnen, Gunther Möller, puzzelte sogar die Abschläge zusammen, um herauszufinden, welche Formen aus dem Stein geschlagen wurden. Er benötigte dazu Monate.
Das Ergebnis: Offenbar wanderten vor 220 000 bis 110 000 Jahren wiederholt kleine Gruppen von Homo sapiens nach Jojosi, um Hornfels-Klingen zu schlagen. Nebenan kommen auch Dolerit, Quarz und Quarzit vor, doch das interessierte wohl niemanden, die Leute schlugen Hornfels, sonst nichts – ein noch besseres Material für Klingen, Obsidian etwa, gibt es in der Region nicht. Zwischendurch grillten sie sich vielleicht eine Brotzeit; die Forscher fanden eine mutmaßliche Feuerstelle samt Unterkiefer einer Antilope. Womöglich hatten sie auch Kinder dabei und zeigten ihnen, wie man Steine schlug. Manche Blöcke wirken zumindest so, als hätte jemand an ihnen geübt.
Und dann? Gingen sie wieder. Sie waren nur zum Steineklopfen gekommen. Sie legten keine Vorräte an und benutzten ihre Klingen auch noch nicht, sondern trugen sie weg.
Woher die Menschen kamen und wohin sie gingen, ist unklar. Derzeit versuchen die Forscher, den Jojosi-Hornfels geochemisch exakt zu identifizieren. Dann könnten sie der Spur der Steineklopfer folgen, die damals nach Jojosi kamen, mehrmals, im Laufe von mehr als hunderttausend Jahren.
Und das wohl unabhängig voneinander, meint Will, denn dass sich eine Tradition so lange halten könne, sei kaum vorstellbar. Die Menschen müssten den Ort immer wieder neu entdeckt haben. Doch eins hatten sie alle gemeinsam: Sie wollten nicht einfach irgendeinen Stein, sondern nur den besten.
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