|
01.06.2026
16:16 Uhr
|
Spektakulärer Deal in bester Lage: Der bisherige Vorstandschef und der Modeunternehmer Wöhrl verkaufen ihre Anteile an einen Geschäftsmann, der schon eine wertvolle Immobilie in der Nachbarschaft im Bestand hat.

Zentraler kann man in München kaum sein. Direkt am Marienplatz, in unmittelbarer Nähe zum Rathaus, verkauft das Kaufhaus Ludwig Beck Damen- und Herrenmode, Spielsachen sowie Beauty- und Lifestyle-Artikel. Das Geschäft ist den allermeisten Münchnerinnen und Münchnern ein Begriff – nun gehört es zum Großteil einem milliardenschweren Unternehmer, in dessen Portfolio sich bereits eine Immobilie in unmittelbarer Nachbarschaft befindet.
Wie die Ludwig Beck AG mitteilt, hat der Geschäftsmann Alfons Doblinger weitere Anteile am Unternehmen erworben, darunter die Beteiligungen des Nürnberger Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl sowie des seit 2010 amtierenden Vorstandschefs von Ludwig Beck, Christian Greiner. Nach erfolgter Kartellfreigabe würde der 82-Jährige etwa 77 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte an der Gesellschaft halten und wäre somit Mehrheitsaktionär.
Hintergründe zu den strategischen Zielen hinter dem Deal und den Auswirkungen auf den Betrieb im Traditionskaufhaus gab es zunächst keine. Ein Sprecher von Ludwig Beck erklärte der SZ, ihm lägen hierzu „keine Informationen“ vor. Seitens der Doblinger Unternehmensgruppe gab es zunächst keine Stellungnahme. Auch finanzielle Details zum Verkauf der Beteiligungen wurden bislang nicht veröffentlicht.
Mit dem Erwerb der Anteile verstärkt Doblinger, dessen Vermögen auf ein bis zwei Milliarden Euro geschätzt wird, sein Engagement in der Münchner Innenstadt. Der Unternehmer soll unter anderem maßgebliche Anteile des mehr als 3000 Quadratmeter großen Areals des Galeria-Kaufhof-Gebäudes am Marienplatz besitzen. Das Grundstück im Herzen der bayerischen Landeshauptstadt gilt als eines der wertvollsten in ganz Deutschland.
Bei Ludwig Beck stieg Doblinger Ende 2020 ein, bislang hielt er 25 Prozent der Anteile. Welche Rolle die wertvolle Immobilie des Kaufhauses für den Kauf spielte, blieb vorerst ebenfalls unklar. Das etwa 2000 Quadratmeter große Anwesen dürfte Schätzungen zufolge mehrere Hundert Millionen Euro wert sein. Ein Vertreter von Doblingers Unternehmensgruppe erklärte kurz nach dem Einstieg Anfang 2021, bei Ludwig Beck handele es sich um „ein seriöses Haus mit großer Tradition, und das war für uns ausschlaggebend“. Auf die unternehmerische Strategie des Unternehmens wolle man „nicht einwirken“, hieß es damals.
Sein Vermögen erwirtschaftete Doblinger hauptsächlich in der Immobilienbranche. 1990 kaufte er auf einen Schlag 32 000 Sozialwohnungen der gemeinnützigen Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft „Neue Heimat“. Dadurch wurde Doblinger in den 1990er-Jahren zu einem der größten Vermieter der gerade erst wiedervereinigten Bundesrepublik. Heute entwickelt seine Unternehmensgruppe Projekte in zahlreichen Großstädten wie Berlin, Düsseldorf und Stuttgart. Der Hauptsitz des Unternehmens ist in München. Über Doblinger selbst ist nicht allzu viel bekannt, der Unternehmer hält sich mit öffentlichen Auftritten zurück.
Aufgewachsen auf einem Hof im Bayerischen Wald, stieg Doblinger in jungen Jahren in den Holzhandel ein, bevor er ins Immobiliengeschäft wechselte und sich sein Vermögen aufbaute. „Ich wollte immer weiter und weiter“, sagte er 2010 im SZ-Interview. Überstunden und durchgearbeitete Wochenenden seien fester Teil seines Lebens. „Wenn man einen Neun-Stunden-Tag zugrunde legt und den Urlaub, den ich nicht genommen habe, habe ich etwa 120 Arbeitsjahre hinter mir“, sagte Doblinger.
Die Firmenhistorie des Kaufhauses Ludwig Beck hingegen begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1861 eröffnete der Knopfmacher und Posamentenmeister Ludwig Beck eine Werkstatt im Anwesen seines Vaters und stieg schnell zum Lieferanten von König Ludwig II. auf. Nachdem das Geschäftshaus am Marienplatz im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt wurde, sicherte ein Treuhänder das wirtschaftliche Überleben nach der Zeit des Nationalsozialismus.
Das zahlte sich aus: Das Unternehmen schaffte den Neuanfang, beschäftigte 1953 mehr als 400 Mitarbeitende und erwirtschaftete einen Jahresumsatz von über zwölf Millionen D-Mark, damals eine enorme Summe. 1998 ging Ludwig Beck an die Börse. 28 Jahre später hat das Unternehmen mit Alfons Doblinger einen neuen Mehrheitsaktionär.
Erich Schwaiger hat in kurzer Zeit vier Top-Immobilien in der Münchner Innenstadt erworben – und mit seinem Schweigen Gerüchte und Spekulationen befeuert. Nun äußert er sich erstmals ausführlich, und zwar über einen prominenten Mittelsmann.
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: