SZ 30.05.2026
11:19 Uhr

(+) Lola-Verleihung in Berlin: Die Macht der Erinnerungen


Beim Deutschen Filmpreis 2026 kann man einen nachdenklichen Wim Wenders und viele starke Frauen erleben, außerdem eine umjubelte Senta Berger. Es ist ein Abend der kleinen Pannen und der großen Emotionen.

(+) Lola-Verleihung in Berlin: Die Macht der Erinnerungen
Wim Wenders erhält den Ehrenpreis 2026 für seine herausragenden Verdienste um den deutschen Film. Gerald Matzka/Getty Images

Er könnte sich jetzt einfach nur feiern lassen, die Ovationen im Palais am Funkturm genießen, während Sequenzen seiner großen Filme wie „Paris Texas“, „Der Himmel über Berlin“ oder „Perfect Days“ hinter ihm überlebensgroß aufscheinen. Aber Wim Wenders entscheidet sich dagegen, als er beim Deutschen Filmpreis die Ehrung für sein Lebenswerk entgegennimmt, eine Würdigung seines seit sechs Jahrzehnten währenden Schaffens. Er kommt relativ rasch zu einer Sache, die ihm zuletzt wohl keine Ruhe mehr gelassen hat: Die Schauspielerin Nastassja Kinski hat Wenders aufgefordert, eine Szene aus dem Film „Falsche Bewegung“ von 1975 herauszuschneiden, in der sie mit nacktem Oberkörper zu sehen ist; in der SZ hat sie sich dazu ausführlich geäußert. Bis heute fühlt sie sich gedemütigt, schließlich war sie damals erst 13: „Er hat mich nicht beschützt“, sagt Kinski heute. Wenders hat bis zu diesem Abend abgewiegelt und sich lieber nicht konkret dazu äußern wollen.

Nastassja Kinski spricht über ihren Kampf, eine Szene mit ihr als entblößter 13-Jähriger aus einem Film von Wim Wenders entfernen zu lassen. Doch der Regisseur schweigt – und mit ihm die gesamte Filmbranche. Wie kann das sein?

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