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12.05.2026
16:58 Uhr
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Niklas Östberg gründete vor 15 Jahren in Berlin den Lieferdienst Delivery Hero und führte das Unternehmen bis in den Dax. Jetzt verlässt er die Firma, aber nicht freiwillig.

Plötzlich weg: Niklas Östberg, der Gründer des Lieferdienstes Delivery Hero. dpa
In der vergangenen Woche erst hatte sich Niklas Östberg an die Öffentlichkeit gewandt – mit einem Brief zum 15-jährigen Bestehen seines Unternehmens. „Diese Reise war nicht immer einfach oder geradlinig“, schreibt Gründer Östberg da und lobt den Weg von Delivery Hero zur „weltweit führenden lokalen Lieferplattform mit 60 Millionen monatlich aktiven Kunden“. Dann breitet der Schwede seine Vision für die nächsten 15 Jahre aus und kündigt an: „Wir werden weiterhin mit einer Herausforderer-Mentalität arbeiten.“
Seit dieser Woche ist klar: Die Zukunft von Delivery Hero wird ohne Östberg, 46, stattfinden. Also ohne den Mann, der vor 15 Jahren Delivery Hero in Berlin mitgegründet hatte, der die Firma zu einem der erfolgreichsten deutschen Start-ups machte und der diese sogar kurzzeitig in den Deutschen Aktienindex (Dax) führte. Östberg tritt spätestens Ende März 2027 als Vorstandschef des Essenslieferdienstes ab, teilte die Firma mit. Und weiter: „Der Aufsichtsrat und Niklas Östberg sind sich einig, dass dies der richtige Zeitpunkt ist, um den Führungswechsel einzuleiten, während das Unternehmen in seine nächste Phase eintritt.“
Der Schritt kommt durchaus überraschend, und der Abgang ist sicherlich nicht freiwillig. Östberg muss sich offenbar dem erheblichen Druck eines Großaktionärs beugen, der Streit schwelt schon seit Längerem. Nun hatte der Hongkonger Vermögensverwalter Aspex seinen Aktienanteil an Delivery Hero auf knapp 15 Prozent erhöht, und damit auch den Druck. Kritisiert wurde immer wieder Östberg selbst und die geringe Ertragskraft. Gefordert wurde der Rückzug aus verschiedenen Regionen. Östberg widersetzte sich dem immer – bis jetzt. Aspex begrüßte den geplanten Wechsel an der Unternehmensspitze am Dienstag. Vorausgegangen seien „konstruktive Gespräche mit dem Aufsichtsrat“, erklärte der Großaktionär, der seit 2020 bei Delivery Hero aktiv ist.
Die Hauptverwaltung des Unternehmens befindet sich im Zentrum Berlins mit rund 3200 Mitarbeitenden. Der Lieferdienst hat zwar in Deutschland mit Marken wie Lieferheld, Foodora und Pizza.de angefangen, ist dort aber nicht mehr aktiv. Eine Rückkehr auf den deutschen Markt mit der Marke Foodpanda war gescheitert, der Wettbewerb mit Lieferando war zu hart. Dafür ist Delivery Hero eigenen Angaben zufolge in rund 65 Ländern in Asien, Europa, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Afrika aktiv. 2017 ging die Firma an die Börse in Frankfurt und ist heute im M-Dax notiert. Die Aktie ging nach der Ankündigung nach oben, der Börsenwert liegt bei fast 7,5 Milliarden Euro.
Delivery Hero kam im Herbst 2020 in den Dax, als Ersatz für die Skandalfirma Wirecard, und blieb bis 2023. Damals war in der Corona-Pandemie und infolge des Booms von Lieferdiensten der Wert der Firma deutlich angestiegen. Östberg zeigte sich immer selbstbewusst. „Ich glaube nicht, dass der Dax wirklich Champions League ist“, sagte er damals zum Dax-Einzug der SZ. Er vergleiche sich nicht mit deutschen Konzernen, sondern lieber mit Unternehmen wie Google. Östberg, der in seiner Jugend erfolgreicher Langläufer und Mitglied der schwedischen Jugend-Nationalmannschaft war, verdiente als Firmenchef viel Geld. 2020 bezog er ein Gesamtgehalt von rund 45 Millionen Euro, damals waren Optionen fällig geworden.
Delivery Hero hatte immer zu kämpfen. Das Asiengeschäft war trotz milliardenschwerer Übernahmen problematisch. Die spanische Tochter Glovo und der Italien-Ableger Foodinho stehen, wie viele Lieferdienste, wegen angeblicher Ausbeutung von Lieferfahrern unter Druck der Behörden. Gut lief es zuletzt in Nahost. Der bisher größte Delivery-Hero-Anteilseigner, der niederländische Finanzinvestor Prosus, muss seinen Anteil von 26 Prozent bis zum Spätsommer auf weniger als zehn Prozent reduzieren. Das ist eine Auflage der EU-Wettbewerbshüter nach der Übernahme von Just Eat Takeaway durch Prosus. Dadurch kam Aspex ins Spiel.
Wie geht es nun weiter? Östberg soll bis spätestens März 2027 im Amt bleiben, noch vor der kommenden Hauptversammlung Ende Juni 2026 ein Update der Strategie erarbeiten und die angekündigte „Prüfung strategischer Optionen“ vorantreiben. Der Aufsichtsrat will bis spätestens Ende 2026 einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für die Unternehmensspitze gefunden haben. Zum angekündigten Abschied gab es aber immerhin noch mal Lob für Östberg. „Nur wenigen Gründern gelingt es, ein Unternehmen von einem Berliner Start-up zu einer globalen Plattform zu führen, die Hunderte Millionen Kunden bedient“, teilte die Aufsichtsratschefin Kristin Skogen Lund am Dienstag mit.
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