Hinten in der Ecke des CDU-Fraktionssaals steht Helmut Kohl, beziehungsweise steht eine Maske des rheinland-pfälzischen Über-Christdemokraten auf einer Stele. Davor knubbelt es sich am Sonntagabend extrem, der Sauerstoffgehalt ist vor 18 Uhr schon besorgniserregend abgesackt. Hoch nervös waren sie hier gewesen bei der CDU-Wahlparty, das Rennen gegen die SPD war als engstmöglich vorhergesagt. 18 Uhr, die Balken auf den Bildschirmen steigen, die Stimmung im Saal ebenso – Jubelschreie, dass die Gläser vibrieren, Christdemokraten ballen Fäuste, liegen sich in den Armen. „Gordon Schnieder, olé“, singen sie. Die ersten Prognosen sehen die CDU vor der SPD. Im Fraktionssaal der SPD, ein Stockwerk drunter, hört man nur den Jubel der anderen. Im Raum ist es mucksmäuschenstill, die Gesichter in der ersten Reihe: manche versteinert, andere schmerzverzerrt. War es das jetzt?
