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29.04.2026
16:19 Uhr
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Laut geleakter E-Mails berieten Verantwortliche der Biennale in Venedig mit der russischen Seite, wie deren Künstler dort einen Pavillon bespielen könnten. Offenbar kamen sie auf eine seltsame Idee.

Der Padiglione Centrale bei der Biennale 2023. Kulturminister Alessandro Giuli hat angekündigt, der Eröffnung dieses Jahr aus Protest fernzubleiben. Robert Messer/dpa
Der Streit um den russischen Pavillon auf der Kunstbiennale von Venedig eskaliert weiter. Italienische Zeitungen berichten, der Pavillon werde zwar für die Preview-Tage geöffnet, anschließend aber für die gesamte Dauer der Ausstellung geschlossen bleiben. Erst vor wenigen Tagen hat der italienische Kulturminister Alessandro Giuli angekündigt, der Eröffnung der Biennale am 9. Mai aus Protest gegen die Präsenz Russlands fernzubleiben. Unterdessen wurden in mehreren Medien E-Mails veröffentlicht, die der Generaldirektor der Biennale, Andrea Del Mercato, mit den russischen Verantwortlichen ausgetauscht hat.
Die Kontroverse nahm ihren Anfang im März, als die Biennale die Liste der teilnehmenden Nationen veröffentlichte. Zur allgemeinen Verwunderung befand sich auch Russland darunter. Bei der Biennale-Ausgabe vor vier Jahren, die kurz nach dem Überfall auf die Ukraine stattfand, war der russische Pavillon leer geblieben. Erst hatten die ausgewählten Künstler von sich aus ihre Teilnahme abgesagt, dann erklärte die Biennale, sie werde keine offiziellen Vertreter Russlands auf das Biennale-Gelände lassen. Vor zwei Jahren war Russland einem neuerlichen Teilnahmeverbot entgangen, indem es seinen Pavillon an Bolivien verlieh, mit dem Russland kurz zuvor einen Rohstoffdeal unterzeichnet hatte.
Da Russland seinen Krieg gegen die Ukraine fortsetzt und die EU-Sanktionen seit den vergangenen beiden Biennale-Ausgaben noch verschärft wurden, hatte niemand damit gerechnet, dass das Land in diesem Jahr wieder zugelassen würde.
Hinter der Entscheidung steht maßgeblich der Biennale-Präsident und rechte Journalist Pietrangelo Buttafuoco, der noch von Alessandro Giulis inzwischen über mehrere Skandale gestolpertem Vorgänger eingesetzt wurde. Er hat die Zulassung Russlands in den vergangenen Wochen stets entschieden verteidigt – als friedensstiftenden Akt.
Die Zulassung Russlands wurde in der vergangenen Woche auch international zum Politikum. Die EU-Kommission hat beschlossen, deshalb Fördermittel, die der Biennale bereits zugesprochen waren, einzufrieren. Auch die mit internationalen Kunstfachleuten besetzte Jury der Biennale hat sich gegen die Entscheidung gestellt. Sie hat erklärt, keine Preise für Pavillons von Ländern zu verleihen, gegen deren Staatschef der Internationale Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ermittelt. Gemeint sind Russland, aber auch Israel, gegen dessen Teilnahme Protestaufrufe in der Kunstwelt zirkulieren. Das israelische Außenministerium verurteilte die Erklärung als „Verunreinigung der Kunstwelt“.
Wegen der Teilnahme Russlands bei der Biennale friert die EU-Kommission Fördergelder ein. Die Jury erklärt unterdessen, sie werde keine Preise an Künstler aus Russland und Israel vergeben.
Besonders viel Streit hat Buttafuoco mit seiner Entscheidung für Russland aber in Italien ausgelöst. Kulturminister Giuli, der nun entgegen der Tradition nicht zur Eröffnung erscheinen will, hat von Generaldirektor Del Mercato die Herausgabe der Korrespondenz mit der russischen Seite verlangt. Er forderte auch den Rücktritt von Tamara Gregoretti, der Vertreterin des Kulturministeriums im Aufsichtsrat der Biennale, da sie sich in dem Gremium für Russlands Teilnahme ausgesprochen und ihn nicht frühzeitig von der Entscheidung für Russland unterrichtet habe.
Die vor wenigen Tagen geleakten Mails belegen nun nicht nur, dass die Biennale schon seit Juni 2025 mit den Russen im Gespräch war und dass Del Mercato diverse diplomatische Hebel in Bewegung setzte, um für den Kurator und die Künstler des Pavillons Visa zu beschaffen. Sie sollen auch Diskussionen darüber enthalten, wie der russische Biennale-Beitrag stattfinden könnte, ohne die Sanktionen gegen das Land zu verletzen.
Vorgesehen ist demnach ein merkwürdiges Arrangement: Der Pavillon soll nur während der Preview-Tage zugänglich sein, wenn Journalisten und Leute aus der Kunst- und Museumswelt die Biennale besuchen. In dieser Zeit sollen dort Performances stattfinden und gefilmt werden. Vom 9. Mai an, dem ersten Publikumstag, wird der Pavillon geschlossen. Die an den vorangegangenen Tagen entstandenen Videos sollen dann auf in die Fenster des Pavillons gestellten Monitoren von außen zu sehen sein.
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