SZ 28.05.2026
15:56 Uhr

(+) Kritik am Stadtrat von Tittmoning: Irritationen über AfD-Mann als Kulturreferenten


In Tittmoning ist ein AfD-Mann jetzt für die Kultur zuständig. Das fanden sie dort im Stadtrat zunächst nicht so schlimm. Viele andere allerdings schon. Und nun?

(+) Kritik am Stadtrat von Tittmoning: Irritationen über AfD-Mann als Kulturreferenten

Weniger als 6000 Einwohner zählt das oberbayerische Städtchen Tittmoning im Landkreis Traunstein. Was aber offenbar nicht heißt, dass es im politischen Leben der Kleinstadt nicht eine Menge zu tun gibt. Von den 20 Mitgliedern des Stadtrats hat – anders als in anderen Gemeinden – jedes ein Referat mit einem speziellen Zuständigkeitsgebiet inne.

Der eine kümmert sich um Energie und Klimaschutz, die andere um Soziales, Senioren und Gemeinwohlökonomie. Und wenn man so viele Politikerinnen und Politiker mit einem Posten versorgen muss, weil alle gerne mitarbeiten wollen, gibt es halt auch eigene Referenten für das städtische Strandbad „Leitgeringer See“ und das Vereinsheim Törring.

Da wird sich schon für jeden was finden, das zu ihm passt. Für einen Mandatsträger der AfD zum Beispiel die Abwasserbeseitigung. Weniger passend erscheint es da, dem anderen der beiden AfD-Stadträte, Sebastian Gruttauer, neben Brauchtum und Tradition ausgerechnet den Bereich Kultur anzuvertrauen. Gruttauer tritt nicht nur gerne in Lederhosen und Trachtenjanker auf, sondern soll in der Vergangenheit auch öffentlich politisch sehr weit rechts anzusiedelnde Positionen vertreten haben.

Ein Kreis von rund 60 Kulturschaffenden hat sich deshalb in einem Brief an die Tittmoninger Stadträte gewandt. Kultur präge „unser gesellschaftliches Miteinander, unsere Werte und unser Verständnis von Offenheit, Vielfalt und Demokratie“, heißt es darin. Es sei daher mehr als fragwürdig, ob sich das mit einem Vertreter einer Partei vertrage, „die immer wieder durch ausgrenzende und demokratiefeindliche Positionen auffällt“.

Eine Sicht, die man mittlerweile auch im Tittmoninger Rathaus teilt. Angesichts der Bedeutung der Referate – keine Entscheidungskompetenz, kein Haushaltsbudget, nur Vorschlagsrecht – habe man das Thema zunächst „nicht so schwerwiegend eingestuft, wie es jetzt öffentlich diskutiert wird“, teilt Bürgermeister Andreas Bratzdrum (CSU) auf Anfrage der SZ mit. Und auf die Referatswünsche der AfD „gab es zweimal keine Einwände oder Alternativvorschläge“, sodass der Stadtrat sämtliche Referenten in einem Beschluss wählte. Aber „im Nachhinein sehe ich, wie nach meiner Einschätzung die meisten im Stadtrat, das jetzt anders und wir können die Einwände aus der Kulturszene aufgrund des differenzierten Kultur- und Kunstverständnisses durchaus nachvollziehen“, so der Bürgermeister.

Nun rudern sie in Tittmoning, wo es bis zur Wahl im März keine AfD-Stadträte gab, wieder zurück. Am 16. Juni wird das Thema im Stadtrat behandelt, „um eine Lösung zu finden“.  Was aber nichts mit einer „Brandmauer“ gegen die AfD zu tun habe, die es laut Bürgermeister im Stadtrat „derzeit nicht gibt“. Man arbeite „auf der Grundlage der bestehenden Rechtsgrundlagen“, die in den Parlamenten beschlossen werden, „auf Sachebene gemeinsam unsere Themen ab“.

Er persönlich lehne die AfD-Politik auf Bundes- und Landesebene kategorisch ab. „Ich bin für Demokratie, Rechtsstaat und Menschenwürde, wie im Grundgesetz verankert.“ Aber ideologische Diskussionen und Bundes- oder Landespolitik haben seiner Ansicht nach im Stadtrat nichts zu suchen. Ist die Frage, ob man das immer so trennscharf unterscheiden kann. Es geht halt auch im Kommunalen nicht immer nur um das Vereinsheim in Törring.

In Bayern geht es den Menschen gut: Es gibt Jobs und Gemeinden, die sich neue Schwimmbäder und Feuerwehrhäuser leisten können. Und dennoch werden viele die AfD wählen. Warum ist das so? Eine Erkundung.

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