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11.10.2026
11:48 Uhr
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Der Angriff auf den Flughafen in Riad mit zwölf Toten war der heftigste Anschlag auf Saudi-Arabien seit Jahrzehnten. Kronprinz Mohammed bin Salman muss reagieren. Aber wie?

Ein saudischer Flugkapitän, eine Flugbegleiterin aus Ägypten und mehrere Flughafenmitarbeiter aus Bangladesch starben am späten Samstagabend, als die Huthi-Rebellen den Flughafen der saudi-arabischen Hauptstadt Riad angriffen. Dabei traf eine Rakete die Terminals drei und vier des King Khalid International Airport. Die saudischen Behörden meldeten zwölf Tote und 309 Verletzte, viele davon sollen sich in einem kritischen Zustand befinden. Videos zeigen in der Abflughalle liegende Trümmer. Der Flugverkehr wurde eingestellt. Das saudische Militär kündigte Vergeltung an und begann am Sonntagmorgen, Stellungen der Huthi in Jemen zu bombardieren.
Der Angriff auf den Flughafen ist der schwerste Terroranschlag in Saudi-Arabien seit Jahrzehnten – und der tödlichste Angriff auf einen Staat am Persischen Golf seit Beginn des Kriegs gegen Iran durch die Angriffe Israels und der USA im Februar. Die Golfstaaten wollten diesen Krieg nicht, müssen seine Folgen nun aber zu spüren bekommen. Nach dem Angriff auf den Flughafen könnte eine neue Eskalation drohen. „Der Nahe Osten steht am Rande eines viel größeren, die gesamte Region umfassenden Kriegs“, sagt der Iran-Experte Vali Nasr von der Johns Hopkins University.
US-Präsident Donald Trump sagte, die Vereinigten Staaten würden „eine Entscheidung treffen“, ob sie möglicherweise in den Konflikt eingreifen würden, ohne jedoch weitere Einzelheiten zu nennen. Die USA stehen nun vor einem Dilemma: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hat sie in den vergangenen Wochen immer wieder um Hilfe gegen die Angriffe der Huthi gebeten. Sollte Trump dies nun erneut ablehnen, wäre dies das endgültige Ende der Sicherheitsstruktur am Golf. Dann hätten die zahlreichen US-Stützpunkte in der Region ihren Sinn verloren. Greift Trump jedoch ein, riskiert er auch, dass der Krieg mit Iran wieder an Heftigkeit zunimmt. Die Huthi sind wie die Hisbollah in Libanon und die Hamas in Gaza ein Teil der von Iran gegründeten Achse des Widerstands.
Der Angriff am Samstag erfolgte kurz vor Beginn des Weltenergiekongresses in Riad, zu dem 25 000 Teilnehmer aus aller Welt erwartet wurden, darunter die Chefs aller wichtigen Ölkonzerne. Der Kongress ist eines der Prestigeprojekte des Kronprinzen. Er soll zeigen, dass Saudi-Arabien ein guter Ort ist, um Geschäfte zu machen und zu investieren. Bin Salman hat vor zehn Jahren mit der Vision 2030 einen ehrgeizigen Plan vorgelegt, um sein Land nach dem Vorbild der Vereinigten Arabischen Emirate unabhängiger vom Öl und attraktiver für Investoren zu machen.
Regionale Konflikte passen nicht zu seinen Zielen. Deshalb wollte er den Krieg mit den Huthi eigentlich beenden, den er seit 2015 selbst eskaliert hatte, aber nicht gewinnen konnte. Hunderttausende Menschen starben durch Bomben, Hunger und mangelnde medizinische Versorgung. Im Jahr 2022 wurde eine von den UN vermittelte Waffenrufe geschlossen.
Der Konflikt flammte erneut auf, als die Huthi nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 damit begannen, Schiffe im Roten Meer anzugreifen. Angeblich wollten sie nur israelische Schiffe treffen, doch schließlich gerieten alle unter Beschuss. Zuletzt waren vor allem saudische Ziele betroffen – als Rache dafür, dass die von Saudi-Arabien unterstützte und international anerkannte Regierung Jemens im Juli den Flughafen in Sanaa bombardiert hatte. Dort war gerade ein Flugzeug mit einer Huthi-Delegation aus Teheran eingetroffen, die an der Beerdigung von Ayatollah Chamenei teilgenommen hatte. Eine enorme Provokation.
Die Huthi begannen Anfang September mit einer großen Offensive. Die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung schlug zurück; die saudische Luftwaffe half mit Luftangriffen. Dabei sollen auch viele Zivilisten ums Leben gekommen sein.
Die Huthi hätten den Angriff verübt, „damit die Welt versteht, dass Flughäfen, Seehäfen, Hochzeits- und Trauerhallen, Krankenhäuser und Märkte in Jemen zivile Einrichtungen sind, die nicht angegriffen oder beschädigt werden dürfen – und dass dieselben Regeln, die für diese Einrichtungen in Jemen gelten, auch für entsprechende Einrichtungen überall sonst gelten müssen“, sagte ein Sprecher am Sonntag.
Saudi-Arabien wird nun auf die Hilfe der USA hoffen – oder auf die seiner neuen Verbündeten im sogenannten Mekka-Pakt, einem Bündnis mit Pakistan und der Türkei, in dem sich die Mitglieder gegenseitige Hilfe im Verteidigungsfall versprechen. Pakistan hat bereits mehrere Tausend Soldaten in Saudi-Arabien stationiert, die Türkei hat Ausbilder entsandt. Beide Staaten wollen jedoch nicht direkt in den Krieg in Jemen eingreifen.
Kronprinz bin Salman steht nun vor dem Dilemma, dass er irgendwie auf die Angriffe reagieren muss, zugleich aber weiß, dass jede Reaktion vor allem neue Gegenangriffe der Huthi nach sich ziehen könnte. „Eine der grundlegenden Herausforderungen im Umgang mit den Huthi besteht darin, dass sie, sobald der militärische Druck auf sie zunimmt, mit einer weiteren Eskalation reagieren, anstatt nachzugeben“, sagt der Analyst Danny Citrinowicz.
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