SZ 13.05.2026
14:11 Uhr

(+) Kolumne „Schon schön“: Jägerlein des verlorenen Schatzes


Kindergartenkinder haben in Berlin Luxusuhren, Goldschmuck und Geldbündel auf einem Spielplatz gefunden. Vielleicht sollten auch Erwachsene öfter mal die Sandschaufel auspacken.

(+) Kolumne „Schon schön“: Jägerlein des verlorenen Schatzes
Irgendwo im Gebüsch könnte sie herumstehen: Schatztruhe mit Goldmünzen. Ace/Mauritius

Viele erinnern sich noch warm an die Schätze ihrer Kindheit. Schiefersteine, die in der Sonne glitzern. Kronkorken einer exotischen Biermarke, ein geringeltes Schneckenhaus, ein zerknickter Witz aus einer alten Bazooka-Joe-Kaugummi-Verpackung. Standardware junger Jahre, aus erwachsener Sicht kaum erwähnenswert und sowieso Kleinkram gegen das, was Berliner Kita-Kinder gerade auf einem Spielplatz gefunden haben. Da lagen auf einem Haufen im Gebüsch: Silbermünzen, ein Goldbarren, Schmuck, Luxusuhren, 200-Euro-Scheine in Bündeln.

Vielleicht fühlten sich die Kinder an Pippi Langstrumpf erinnert und ihren sagenhaften Goldschatz, mit dem sie ihren Freunden so viel Eis und Süßes kauft, wie sie wollen. Sie gaben jedenfalls zu Protokoll, dass sie etwas im Gebüsch hatten glitzern sehen. Vielleicht fanden die Kinder den Polizeieinsatz auch spannender als den eigentlichen Fund im gut situierten Wilmersdorf, man weiß das nicht.

Was aber klar ist: Kinder werden als Schatzsucher unterschätzt. Nur wenige Tage vor den Berliner Kindern entdeckte ein Sechsjähriger im Süden Norwegens ein Schwert aus der Wikingerzeit. Der Erstklässler war auf einem Schulausflug, als er das rostige Ding auf einem Feld sah und es aus der Erde zog. Archäologen schätzen, dass das Schwert etwa 1300 Jahre alt ist. Inzwischen liegt es im Kulturhistorischen Museum in Oslo.

Einzelfälle sind das nicht. Im vergangenen Jahr fand eine Dreijährige in Israel in Tel Azekah ein 3800 Jahre altes Skarabäus-Amulett. 2023 entdeckten zwei Kinder mit ihrem Vater in einem Fuchsbau bei Weipersheim im Landkreis Erding versteinerte Knochen in einer Sandgrube. Die gehörten zu Urelefanten, die vor etwa zehn Millionen Jahren gelebt haben. 2021 stieß ein Elfjähriger auf das größte je in Großbritannien gefundene Ichthyosaurier-Skelett am Strand in Rutland. Es war zehn Meter lang und 180 Millionen Jahre alt.

In die Geschichte eingegangen sind die Jugendlichen, die ihrem Hund 1940 in ein Loch im Boden in Montignac gefolgt sind. Darunter fanden sie die bedeutendsten Höhlenmalereien der Welt, 17 000 Jahre alt. 1879 blickte die neunjährige Tochter eines Archäologen in einer Höhle im spanischen Altamira nach oben – und entdeckte die berühmten 36 000 Jahre alten Bisonmalereien.

Die Liste ließe sich noch vielfältig ergänzen, wobei noch wichtiger als das, was Kinder nun finden, ist, warum sie es finden. Die Antwort: weil sie keine Erwachsenen sind. Die würden nicht in jedes Loch kriechen, komische Dinge anfassen, ständig auf den Boden gucken (und nicht aufs Handy) und rostigem Zeug Beachtung schenken. Vielleicht sollte man sich diesen kindlichen Blick bewahren. Dann stolpert man vielleicht auch mal über ein paar Goldmünzen. In Wilmersdorf jedenfalls ist seit dem Schatzfund auf dem Spielplatz „Zirkus Aladin“ die Hölle los. Vielleicht sollte man sich eine Sandschaufel einpacken und dort auch mal ein bisschen herumbuddeln.

Bald hat jeder Erstklässler das Recht auf einen Ganztagsplatz. Schulleiter Udo Meinecke spannt den Basketballverein Alba Berlin für die Nachmittagsbetreuung ein – mit großem Erfolg.

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