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07.09.2026
14:30 Uhr
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6000 Liter Urin fließen täglich im Everest-Basislager – Forscher haben nun berechnet, wie viel Gletschereis dadurch wegschmilzt. Die Ergebnisse heizen die alte Debatte an, wie lange das Lager noch nutzbar ist.

Frank Zappa warnte schon 1974 vor dem Verzehr gelben Schnees: „Don’t eat the yellow snow!“ Halbgefrorener Urin kann eine Vielzahl von Bakterien enthalten, die zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Aber auch unauffälliger weißer Schnee ist laut Umweltbundesamt kein sauberes Lebensmittel, da er Ruß, Feinstaub und Schadstoffe aus der Luft bindet.
Gelber Schnee ist an hohen, stark frequentierten Bergen wie dem Mont Blanc, dem Kilimandscharo und dem Mount Everest ein ernsthaftes Problem, nicht nur optisch. Eine im Juli 2026 in der Fachzeitschrift Regional Environmental Change veröffentlichte Studie zeigt, dass menschliche Aktivitäten während der Everest-Besteigungssaison mehrere Tausend Tonnen Gletschereis zum Schmelzen bringen – und Urin spielt dabei eine überraschend große Rolle.
Studienautor Khim Lal Gautam betitelte einen Konferenzvortrag zum Thema launig mit „Pisab ko Hisab“ (nepalesisch für: „Die Berechnung des Urins“). Als leitender Vermessungsoffizier im Landverwaltungsministerium von Nepal weiß er, wovon er spricht: Gautam war selbst zweimal auf dem Gipfel des Everest und leitete 2019 die offizielle Vermessung, nach der die neue Höhe von 8848,86 Metern festgelegt wurde. Seit 2022 ist er zudem für das temporäre Regierungsbüro im Basislager verantwortlich.
Die von ihm gesammelten Felddaten sind kein Pipikram, da kommt laut Studie einiges zusammen. Während der rund 50-tägigen Everest-Saison im Frühjahr 2023 verbrauchten Bergsteigerinnen und Bergsteiger 824 Gasflaschen Flüssiggas, 18 935 Liter Kerosin und 5130 Liter Benzin zum Kochen, Heizen und für die Stromversorgung – genug Energie, um schätzungsweise 3000 Tonnen Eis und Schnee zu schmelzen. Der Urin noch nicht einberechnet: Feste Ausscheidungen werden gesammelt und ins Tal transportiert, der Urin jedoch gelangt größtenteils direkt auf den Gletscher und verunreinigt das Trinkwasser des Khumbu-Tals. Täglich sind das 6000 Liter aus dem Basislager.
Allein der körperwarme Urin der Everest-Besucher reicht laut Studie, um rund 154 Tonnen Eis pro Saison zu schmelzen. Satellitendaten von 1991 bis 2023 bestätigen den Trend: Die Oberflächentemperatur rund um das Basislager stieg im Schnitt um 0,28 Grad Celsius pro Jahr – etwa doppelt so schnell wie auf dem umliegenden Gletscher selbst. Co-Autor Sudeep Thakuri relativiert das allerdings: Gravierender als der Urin seien die Brennstoffe fürs Heizen, Kochen und Beleuchtung, ganz abgesehen von den steigenden Durchschnittstemperaturen durch den Klimawandel.
Tshering Tenzing Sherpa vom Sagarmatha Pollution Control Committee geht davon aus, dass der aktuelle Standort des Basislagers nur noch drei bis vier Jahre nutzbar ist. Die Studienautoren plädieren dafür, das Lager vom Gletscherrand auf stabilen Felsuntergrund zu verlegen, auch weil man dort sicherer vor Eis- und Schneelawinen sei. Widerspruch kommt aus der Kletterszene: Dawa Steven Sherpa (Asian Trekking) hält den Gletscher für „nicht instabiler als früher“. Sherpa-Vereinigungen und Trekkingveranstalter bezeichnen einen Umzug generell als „unpraktikabel“ – die Logistik ist seit Jahren eingespielt und wirft viel Geld ab. Zudem verbessere sich das Abfallmanagement am Berg von Jahr zu Jahr: Wer auf den Everest oder den Nachbarberg Lhotse will, muss im Basislager Kotbeutel kaufen und benutzen. Weniger trinken, um seltener pieseln zu müssen, ist keine gute Option – wegen der großen Höhe und der trockenen Luft werden täglich vier bis fünf Liter Flüssigkeit empfohlen.
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